Ein ungewöhnliches Paar: „Es gilt das gesprochene Wort“ heute in Erstausstrahlung

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Es gilt das gesprochene Wort Arte © ZDF/ARTE/Erik Mosoni
© ZDF/ARTE/Erik Mosoni
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Was aus einem scheinbar harmlosen Urlaubsflirt alles entstehen kann, zeigt ein TV-Drama auf Arte. Warum der Film „Es gilt das gesprochene Wort“ sehenswert ist:

Sommer, Sonne, Strand und Meer – es geht kaum mehr. Eine deutsche Urlauberin wird von einem jungen türkischen Mann angeflirtet – und bald danach nimmt ein Drama seinen Lauf. Das ist jetzt in dem Film „Es gilt das gesprochene Wort“ zu sehen, an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) auf Arte.

Im schönen Marmaris an der türkischen Riviera macht die Pilotin Marion (Anne Ratte-Polle) ein paar Tage Urlaub. Kurz zuvor hatte sie die Diagnose Brustkrebs erhalten, vor der Operation hatte ihr Freund Raphael (Godehard Giese) ihr die Reise geschenkt. Doch kaum angekommen, streiten sie sich – er möchte gern mit ihr zusammenziehen und mit seiner kleinen Tochter eine Familie gründen. Das will Marion jedoch nicht. So reist er frühzeitig ab.

Am Strand lernt sie einen jungen Mann aus Anatolien namens Baran (Ogulcan Arman Uslu) kennen, Gigolo und Küchenhilfe. Er kann zwar bei ihr nicht wirklich landen, schafft es jedoch sie zu überreden, ihn mit nach Hamburg zu nehmen – wo sie eine Scheinehe eingehen. Aus der zeremonie kommt der Titel: „Es gilt das gesprochene Wort“.

Arte zeigt „Es gilt das gesprochene Wort“ heute in Erstausstrahlung

Obwohl sie im Haus ihrer verstorbenen Eltern lebt, besorgt sie ihm eine kleine Wohnung und sogar einen Job in der Abfertigung am Flughafen, er lernt schnell Deutsch und besteht die Führerscheinprüfung. Allmählich entwickelt sich aus dem Deal zwischen den beiden – keine Probleme, keine Polizei – mehr. Es kommen Gefühle ins Spiel.

Autor und Regisseur İlker Çatak (37, „Tatort: Borowski und der gute Mensch“, lief am letzten Sonntag) erzählt seinen Film in drei Kapiteln, die er wie in einem Sprachkurs überschreibt: Ich war, ich bin, ich werde sein. Er lässt den beiden Hauptfiguren viel Raum zur Entfaltung, sie könnten gegensätzlicher kaum sein.

Auf der einen Seite die selbstbewusste, etwas spröde und reservierte, aber auch verletzliche Einzelgängerin, die eine feste Beziehung im Grunde scheut. Ihre Beweggründe, warum sie Baran so sehr hilft, bleiben unklar – vermutlich weiß Marion sie selbst nicht. Auf der anderen Seite der deutlich jüngere und blitzgescheite Mann, der aus seinem doch ziemlich elenden Leben entfliehen will, sich unglaublich zielstrebig anstrengt, sehr emotional und dankbar ist und sich sehr wohl eine Familie vorstellen kann.

Der Newcomer Ogulcan Arman Uslu („Räuberhände“) kann als Schauspieler ausgezeichnet mit seiner versierten Kollegin Anne Ratte-Polle (47, „Dark“, „Undine„) mithalten. Die beiden spielen ungewöhnlich stark ein ebenso ungewöhnliches Paar, das sich von Anfang an respektiert und auf Augenhöhe begegnet. Beide sind sich zudem sehr sympathisch und gegenseitig voneinander beeindruckt. Der Film erzählt auch von Einwanderung und Integration, aber vor allem ist er eine anrührende und bittere Liebesgeschichte, bis hin zum konsequenten Ende. Sehr sehenswert.

[Klaus Braeuer]

Online ist der Film noch bis zum 12. Oktober bei Arte verfügbar.

Bildquelle:

  • df-es-gilt-das-gesprochene-wort: ARTE

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