Eins Extra zeigt den Alltag in der DDR

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Leipzig – Eins Extra widmet sich in der nächsten Woche u.a. dem Alltag in der DDR und dem Thema „Seuchen“.

Amateurfilme, private Fotos und Zeitzeugenberichte – die Dokumentationsreihe „Damals in der DDR“ zeigt ein persönliches Bild der DDR. Im Mittelpunkt der Sendung steht das Alltagsleben im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat. Der Film „Aufsässig oder arbeitsscheu?“ beleuchtet das Schicksal von Menschen, die in der DDR als „Asoziale“ verurteilt wurden. Der Eins Extra-Schwerpunkt am 18. April 2009, ab 18.00 Uhr.
 
Die Fortsetzung der Reihe „Damals in der DDR“ folgt am 25. April 2009, ab 18.00 Uhr.
 
Einen „Neubeginn auf Russisch“ zeigt Eins Extra im ersten Teil der Sendung „Damals in der DDR“ am Sonnabend, 18. April 2009, 18.02 Uhr. Berlin 1951. Die Stadt liegt noch in Trümmern, in Ost-Berlin feiert die Jugend. Irene Geismeier fährt mit dem Zug in die Stadt. Sie ist begeistertes FDJ-Mitglied, beseelt vom Glauben, nach den Schrecken des Krieges ein neues, friedliches Deutschland aufzubauen.

Irene Geismeier hat das Agitieren geübt, will in den kommenden Tagen Jugendliche im Westen Berlins von den Segnungen des Sozialismus überzeugen. Doch dort trifft sie eine ältere Dame, die ihr, dem Mädchen aus der „Zone“, ein Stück Schokolade gibt. Als das kostbare Geschenk vom „Klassenfeind“ zu schmelzen droht, beißt sie hinein. „Die politische Botschaft wurde gegen Schokolade eingewechselt“, erinnert sich Irene Geismeier noch heute an dieses Schlüsselerlebnis ihrer Jugend.
 
Deutschland in den 50ern. Das heißt Kalter Krieg, ein geteiltes Land, dessen Teile sich politisch und ökonomisch rasant auseinander entwickeln. Was die Menschen in Ost und West eint, ist der Wille zum Wiederaufbau, die Suche nach dem privaten Neuanfang nach den Abgründen der Vergangenheit. Neubeginn – politisch heißt das im Osten Aufbau des Sozialismus nach sowjetischem Vorbild.
 
Der wzeite Teil, den Eins Extra sendet (Sonnabend, 18.04., 18.45 Uhr) zeigt eine „Utopie hinter Mauern“, ein Film von Reinhard Joksch und Karsten Laske.
 
Sie werden diesen Tag nie vergessen, die Zwillinge Oelschläger in Halle. „Mein Bruder und ich waren die ersten in unserer Familie, die Jugendweihe gemacht haben. Wir waren sehr stolz.“ Als schwarze Staatskarossen vorfahren, staunen die Jungs nicht schlecht.
 
Erich Honecker steigt aus, er ist Ehrengast der Veranstaltung. Später kommt Honecker sogar zu den Oelschlägers nach Hause, trinkt selbstgekelterten Wein, bleibt ein paar Stunden. Eine Begegnung der besonderen Art. Jugendweihe –das ist der Initiationsritus für die zu schaffende neue Gesellschaft. SED-Chef Walter Ulbricht predigt die zehn Gebote des Sozialismus, die Religion hat ausgedient, neue Rituale für den neuen Menschen werden geschaffen.
 
Und die sozialistische Welt greift nach den Sternen. Moskau schickt den Sputnik um die Erde, Juri Gagarin folgt als erster Mensch im Weltall. Der Sozialismus wird siegen – so der Glaube vieler, als mit dem Mauerbau auch das Ausbluten der Gesellschaft beendet wird. Der Berliner Alexanderplatz wird architektonisch zum Sinnbild für den Aufbruch. Wolfgang Engels hat als NVA-Soldat die Mauer mit gebaut.
 
Die Mutter ist bei der Staatssicherheit, aber er hält die sozialistische Utopie für ein hohles Versprechen, und 1963 bricht er mit einem Schützenpanzerwagen durch die Mauer. Die Flucht gelingt. Nach der Wende findet er in seiner Stasi-Akte einen Vermerk seiner Mutter. Sie hat sich in einer Erklärung von ihrem Sohn losgesagt. Wolfgang Engels – ein Schicksal von vielen im Schatten der Mauer.
 
Ein weitere Sendung lenkt den Focus auf den Alltag im zweiten deutschen Staat. „Aufsässig oder arbeitsscheu?“,wird am Sonnabend, 18.04, ab 19.28 Uhr gezeigt. Verurteilt als Asozialer in der DDR Ein Film von Peter Grimm.
 
Zwei Jahre Haft standen laut Paragraph 249 des DDR-Strafgesetzbuchs auf „asoziale Lebensweise“. Angewandt wurde der Paragraph recht vielfältig: aufmüpfige Jugendliche oder „politisch Missliebige“ konnte es ebenso treffen wie Menschen mit sozialen Problemen, die man quasi in den Knast entsorgte.
 
Der Film schildert ihre Schicksale. Häufig war die erste Verhaftung der Anfang einer Kettenreaktion: der Entlassung folgte die Zuweisung einer miserable Wohnung und eines schlechten Jobs mit zahlreichen Auflagen. Eine Auflehnung dagegen führte zur erneuten Verhaftung nachParagraph 249. Ein in diesem System einzigartiger Fall war Marita.
 
Nach acht Jahren Haft und der Weigerung, nach Cottbus zu ziehen, entging sie einer erneuten Verurteilung nur durch das Angebot des Zwickauer Pfarrers Edmund Käbisch, sie ins „Kirchenasyl“ aufzunehmen. Das erregte zwar viel Unmut, wurde aber letztlich still „bereinigt“. Aber auch politisch Missliebige konnte der Asozialenparagraph treffen.
 
Es musste nur lange genug verhindert werden, dass jemand einen Job bekam, dann konnte man ihn verhaften. Durch dieses Vorgehen bekam das Wort „asozial“ eine so starke Wirkung, dass der Staat kaum Solidarisierungseffekte befürchten musste. Bernhard Freutel erfuhr dies am eigenen Leib.
 
Nach der Kündigung bei einem Betrieb durfte er die schon zugesagte neue Arbeitsstelle nicht mehr antreten. Die Folge: sechs Monate Haft. Weiteren Drangsalierungen entging er nur durch die Arbeit als Friedhofsgärtner bei der Kirche. Das „Asozialen“-Stigma wirkt bei vielen Betroffenen bis heute nach.
 
Das Eins Extra-Thema heißt „Seuchen“. Am Sonntag, 19.04.2009, 18.03 Uhr geht es um die Cholera. Ein Film von Ulrich Knödler und Martin Thoma.
 
Die Weltgesundheitsorganisation hat die Cholera zu einer „nichtausrottbaren Krankheit“ deklariert. Vor allem in Bengalen und in Mittel- und Südamerika fordert sie noch heute Zehntausende von Opfern im Jahr. Der Film schildert den Weg der Seuche von Indien nach Europa, wo man sich zunächst sicher fühlte vor der „indischen Armenseuche“.
 
Doch auch gerade in den Zentren der europäischen Kulturstaaten Berlin, London, Paris und auch Hamburg schlug die Cholera erbarmungslos zu. Sie ist eine Erkrankung der Stadt, eine Massenerkrankung. Wer an ihr stirbt, stirbt schnell, nicht selten in aller Öffentlichkeit. Henry Pasteur und Robert Koch konkurrierten um den Ruhm, als Erster den Erreger zu entdecken.
 
Als es schließlich gelang und eine Therapie gefunden wurde, schien die Cholera überwunden. Aber solange es Elend und Armut gibt, ist auch die Cholera nicht zu besiegen.
 
Weitere Sendungen:
 
„1822-1895 Louis Pasteur“, Sendetermin: Sonntag, 19.04.2009, 18.47 Uhr Impfen und Desinfizieren. Ein Film von Bärbel Heidenreich.
 
„Syphilis – Die Seuche der Lust“. Sonntag, 19.04.2009, 19.02 Uhr. Ein Film von Ulrich Knödler und Martin Thoma. Die Zentrale Beratungsstelle der Hansestadt Hamburg beobachtet seit 1997 einen Anstieg von sexuell-übertragbaren Erkrankungen, eine davon ist Syphilis. Zwölf Millionen Menschen erkranken im Jahr an der Lustseuche. Siebringen sie als „Andenken“ aus ärmeren Ländern mit.
 
Oft sind es Prostituierte aus Dritte-Welt-Staaten oder ehemaligen Ostblock-Ländern, die aus Unwissen oder aus finanzieller Not ungeschützten Verkehr anbieten. So werden diese Krankheiten auch in Europa wieder zur Gefahr. Der Film beschreibt den Weg der Krankheit, die vor 500 Jahren aus der Neuen Welt eingeschleppt wurde. Sie wird nicht einfach als Schicksal interpretiert, sondern als Strafe Gottes gesehen.
 
Es galt –und gilt noch immer – Gesundheit ist der Beweis für Tugend, Krankheit ist Indiz für Verderbtheit. Viele Dichter, Denker, Musiker infizierten sich mit der Krankheit, der Erreger, so die Legende, bewirke Genialität, wenn er das Gehirn befallen hat. Dann jedoch droht der Wahnsinn. Nietzsches Krankengeschichte steht exemplarisch für den Verlauf dieser nichtheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit. Erst mit dem Penicillin verliert die Syphilis ihren Schrecken. Heute holt sie uns wieder ein.
 
„Rückblende: Krank und aufgeklärt“, Sonntag, 19.04.2009, 19.45 Uhr. Die medizinische Sammlung in Wien 1775. Ein Film von David Wittenberg.
 
Wirken des Habsburger Kaisers Joseph II (1765-1790) als Reformer im Bereich der Medizin: Initiator einer Ausstellung von medizinischen Geräten, Büchern und vor allem kunstvollen Präparaten der menschlichen Anatomie, die bis heute als einzigartige Exponate der Medizingeschichte gelten und im Wiener Institut für Geschichte der Medizin zu begutachten sind. Statements: Heinz Riedel, Museum für Bestattungswesen. [mg]

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19 Kommentare im Forum

  1. AW: Eins Extra zeigt den Alltag in der DDR Na Klasse, das sagt doch schon alles was von dem Machwerk zu halten ist.
  2. AW: Eins Extra zeigt den Alltag in der DDR Hier geht es gleich wieder rund. Ne, die ehemaligen DDR-Bürger sind genauso fleissig wie die Altbundesbürger.
  3. AW: Eins Extra zeigt den Alltag in der DDR Na ja. Im "goldenen Westen" findet man auch genug arbeitswilliges Volk.
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