Giga: Wir sprechen die jungen Menschen an, die die Fernsehzukunft sein werden

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Leipzig – Vor zehn Jahren erlebte des Fernsehen eine Innovation. Mit Gigagelangte erstmalig ein TV-Sender in die heimischen Wohnzimmer, der das Fernsehen mit dem World Wide Web und der Gaming-Community zusammenführen wollte.

DIGITAL FERNSEHEN unterhielt sich mit dem Geschäftsführer des Sender GIGA Digital Television GmbH, Stefan Borg, über den Start des Experimentes Giga, die Entwicklung der letzten zehn Jahre und gibt einen Ausblick in die Zukunft.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Herr Borg, Giga trat nach Eigenaussage als „erster deutscher Fernsehsender (an), der das Web, Fernsehen und Gaming-Community auf einer Plattform zusammenführt“, welche technischen Mittel hatten Sie zum Start in der Hand, um diesen Anspruch umzusetzen?

Stephan Borg: Wir hatten einen Internetzugang, einen deutschlandweit voll verbreiteten Digitalsender und ein Team, das Gaming versteht, wie kein anderes. Man darf solche Dinge nicht so schnell so technisch denken. Es geht immer um Menschen und deren Bedürfnisse. Den Fehler, den viele machen, die das Thema Gaming nicht durchdrungen haben, ist: Sie sehen darin ein technisches Thema. Nintendo hat uns vorgemacht, wie man Gaming versteht – als emotionales Thema. So wächst man im Markt und so verstehen Menschen Gaming ja auch.
 
Je schwieriger und rauher die Zeiten auch werden – Spielen macht immer Spaß, sorgt für Abwechslung und Spannung neben tristem Alltag. Giga ist das Medium, dass sie in Web darüber sprechen lässt und wiederum darüber in TV berichtet.
 
DF: Lässt sich die Technik von damals überhaupt mit den technischen Möglichkeiten heute vergleichen (Entwicklung PC, Internet, Software)?
 
Stephan Borg: Das einzig verbindende Element: Es ist immer noch ein Plastikgehäuse drum herum. Aber ansonsten hat sich wirklich alles verändert. Aus der simplen 64-Bit-Konsole ist ein High-End-Rechner geworden und aus pixeliger Software sind ganze Movie-Szenen geworden. Inzwischen kostet die Herstellung eines Computer- oder Videospiels oftmals mehr als die Produktion eines Hollywoodfilms. Es hat sich schlicht alles verändert. Dazu kommt natürlich die Komponente, dass Gaming inzwischen interaktiv ist.
 
Die Xbox ist sicher einer der Vorreiter im Markt der Interaktion. Heute haben Konsolen Ethernet-Schnittstellen. Damit wird so eine Konsole zum Kommunikationszentrum im Wohnzimmer. Filme downloaden, Freunde zum Spiel auffordern, Content-Channels nutzen – all das passiert inzwischen auf Konsolen. Bei den PCs hat sich natürlich auch viel getan. Vergleichen Sie alleine die Leistungen der Graphikchips ergeben sich immense Unterschiede. Früher gab es Ladezeiten, heute gibt es Filmsequenzen zur Entschleunigung.
 
DF: Wo sahen Sie beim Start von vor zehn Jahren Ihre Zielgruppen, wo sehen Sie diese Zielgruppen heute?
 
Stephan Borg: Vor zehn Jahren ging es darum, den jungen Menschen das Internet zu erklären. Giga war Pionier darin, Web in TV zu vollenden. Giga war sogar die erste Sendung im TV, die vollkommen selbstverständlich URLs in TV Inserts gezeigt hat, weil wir glaubten, Menschen wollen Informationen, um dann selbst aktiv zu werden. Inzwischen macht das jeder Sender wie selbstverständlich.
 
Vor zehn Jahren haben Sie Intendanten und Programmchefs noch sagen hören, dass sie nicht sehen, wie Internet jemals in TV stattfinden wird, weil es dabei um eine „Sache für den Computer“ ginge. Witzig wenn man sieht, dass das diejenigen gesagt haben, die heute ihre Mediatheken in Rundfunkstaatsänderungsverträgen manifestiert sehen wollen. Gigas Zielgruppe hat sich in den letzten zehn Jahren gewandelt. Logisch, wenn man die Veränderung des Marktes dahinter sieht.
 
Heute geht es bei Giga um 14-29-jährige Männer. Wir müssen uns auf eine Zielgruppe fokussieren, damit wir nicht zu variabel sind. Als Teil der Premiere-Familie sprechen wir die jungen Menschen an, die die Fernsehzukunft sein werden. Neben der Tatsache, dass unsere Zuschauer Gamer sind, lieben sie auch Serien, spielen Fußball, lernen andere Menschen über Social Networks kennen und allesamt sind sie markenaffin. Ob das der Intel-Prozessor beim Rechner oder der Blu-ray-Player von Sony ist.
 
DF: Wie hat sich die Reichweite/Verbreitung entwickelt. Wo wollen Sie weiter wachsen?
 
Stephan Borg: Seit 2005 haben wir unsere Reichweite massiv steigern können. Seit Oktober dieses Jahres sind wir digital voll verbreitet. Das bedeutet: Wo immer ein digitaler TV-Zugang existiert, gibt es Giga. Außerdem sind wir bei über 40 Prozent aller im Markt erhältlichen Receiver auf Kanalplatz sechs vorgespeichert. Das bedeutet: Giga findet wieder relevant bei unseren Usern statt. Im TV können wir kaum mehr wachsen. Unsere Reichweitensteigerung setzen wir im Web fort.
 
Gerade haben wir mit der größten Videoplattform Deutschlands eine Kooperation vereinbart. Giga ist der Gaming-Content-Anbieter bei Sevenload. Darüber hinaus kooperieren wir innerhalb der News Corp. jetzt schon mit der Gaming-Plattform IGN – das ist die weltgrößte Gaming-Webseite. Wir sehen unseren Weg weiter im Netz. Giga hat sich gemacht. Anfang des Jahres waren wir bei zehn Millionen Page Impressions (PI) und einer Million Visits. Inzwischen haben wir unsere Reichweite nach IVW annähernd verdoppelt auf zwei Millionen User und 20 Millionen PI. Unser Weg ist Web, unsere Leidenschaft bleibt TV. Das ist unser Motto für 2009.
 
DF: Gehören diejenigen TV-Zuschauer, die vor zehn Jahren Gigakonsumierten, auch zehn Jahre später noch zu den Zuschauern?
 
Stephan Borg: Ich denke Giga hat den ein oder anderen intensiven Fan. Das zeigt nicht zuletzt, dass wir Fan-Seiten im Netz haben, die – während wir zehn Jahre alt werden – selbst Jubiläen feiern. Ich glaube die Giga-Foundation zum Beispiel wird gerade vier Jahre alt. Das zeigt: Da beschäftigen sich Menschen intensiv in ihrer Freizeit und sicher auch deutlich länger als üblich mit ihrem Lieblingssender. Da wir bei TV immer vom großen Ganzen sprechen, muss ich aber auch sagen: Ich glaube Giga hat inzwischen auch andere Zuseher. Unsere Zielgruppe ist jung, aktiv und darum ist es schon eine Leistung, wenn man Zuschauer über vier oder mehr Jahre behält. Interessant ist, dass viele Giga-Fans inzwischen selbst in der Branche unterwegs sind.
 
DF: Welches benennen Sie als die größte technische Innovation für Giga innerhalb der letzten zehn Jahre?
 
Stephan Borg: Den Einstieg ins Digital-TV 2005 und den Aufbau unserer digitalen Sendestruktur, die unseren Sender 2005 absolut tapeless gemacht hat. Dazu gehört natürlich auch eine voll digitale Sendeabwicklung und ein IP-basiertes Sendesignal.
 
DF: Wie definiert Giga seinen Durchschnitts-TV-Zuschauer?
 
Stephan Borg: 14-29 Jahre alt, männlich. Unser Zuschauer hat einen Computer oder eine Konsole. Er ist Film- und Serienfan und er gibt einen überdurchschnittlich hohen Anteil seines verfügbaren Einkommens für Elektronik und Marken aus. Sie fragen sich, warum wir das so genau wissen: Weil unsere 300 000 Zuschauer, die wir pro Tag erreichen, uns das sagen. Im Web, in der Zuschauerforschung und im TV.
 
DF: Es herrscht das Vorurteil, dass die Gamer meist männlich sind. Können Sie dieser Aussage zustimmen? Welche Auswirkungen haben die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen TV-Zuschauern für Giga?
 
Stephan Borg: Das Thema ist männerlastig. Das liegt in der Natur der Sache. In den letzten zehn Jahren hat die Branche nur Männer angesprochen. Erst in den letzten beiden Jahren kommen zaghafte Versuche. Der einzige Vorreiter hier ist Nintendo. Aber um den Markt final aufzumachen, braucht es spezielle Umfelder für Frauen. Frauen gamen anders, haben andere Interessen und Vorlieben.
 
Darum muss auch ein Anbieter von Inhalten nicht einfach dasselbe in weiß tun, sondern sich mit der Zielgruppe auseinander setzen. Giga macht solche Versuche. Aber unser Hauptaugenmerk liegt nicht darauf. Wir sind ein Medium, dass sich nach dem Markt richtet. Nicht andersrum.
 
DF: Seit geraumer Zeit gehört der Sender zur Premiere AG. Hat sich seit der Zeit der Zugehörigkeit bei Giga etwas verändert?
 
Stephan Borg: Eigentlich alles. Giga ist wieder eine stabile Größe im Markt. Giga ist die Anlaufstelle für Games im Konzern und sorgt für eine Symbiose junger Männer zum Thema Movies, Games, Series… Das ist die logischste Verbindung, die es geben könnte. Premiere kennt das Thema Digital-TV sehr gut und Giga ist die Kompetenz im wichtigsten Wachstumsmarkt, der jährlich zweistellige Umsatzzuwächse hat. Wir liefern unseren Beitrag im Konzern, indem wir eine junge Zielgruppe effektiv angehen.
 
Intern hat sich im letzten Jahr auch einiges getan. Nachdem unmittelbar nach der Übernahme die Geschäftsführung wechselte, wurde das gesamte Unternehmen modernisiert und die Idee des Senders effektiv neu aufgestellt. Als wir im April unser neues Produkt vorgestellt haben, begann die interne Umstrukturierung bereits. Dazu zählte die Installation eines fünfköpfigen Management-Teams und die klare Ausrichtung aller Mitarbeiter auf das Ziel des Unternehmens – Giga muss das Gamerportal werden. Die ersten Ergebnisse meines Teams lassen sich sehen. Verdopplung der Kennzahlen, deutliches Engagement der Branche, sauberes Profil. Das freut auch unseren Gesellschafter.
 
DF: Feiert der Sender sein Jubiläum mit einer Sonderprogrammierung?
 
Stephan Borg: Natürlich. Am 30. November sendete Giga live und bot das Beste aus zehn Jahren Games. Ich freue mich sehr auf einen Geburtstag bei dem wir zeigen können: Wir sind nach zehn Jahren wieder ganz nah dran an unseren Usern und wir werden uns für die Treue unserer Nutzer bedanken. Es gibt ein besonderes Geschenk: Seit dem 30. November kann jeder User sein eigenes Giga-TV-Programm bauen. Auf giga.de gibt es einen Player, in dem man kostenfrei alle Sendungen laden kann, die Giga ausstrahlt – in beliebiger, eigens gewählter Reihenfolge. Außerdem wird jeder User sowohl seine selbstgebauten als auch unsere Promo-Spots einbinden können oder aus dem gesamten Sende-Design-Archiv der letzten zehn Jahre genau seine Lieblings-Skins einsetzen können. Heißt: Jeder bekommt sein eigenes Giga.
 
DF: Welche Innovationen/Programmhöhepunkte dürfen die Zuschauer im elften Jahr von Giga erwarten?
 
Stephan Borg: Wir werden uns in den nächsten zwei Jahren der Frage nach technischer Innovation stellen müssen. Das heißt: Was geschieht mit HD, wann kommt 16:9 – All das sind Fragen, die mir Giga-Fans seit langem stellen. Ich muss sie immer wieder vertrösten. Nicht, weil ich nicht will, sondern weil HD- Produktionen immer noch unbezahlbar sind. Dabei gilt: Unbezahlbar ist hier nicht etwa die Produktion. Allein die Ausstrahlung ist das Nadelöhr. Giga würde sofort in HD produzieren, wenn nicht Plattformbetreiber und Kabelnetze horrende Verbreitungskosten dafür verlangen würden.
 
Ich führe gerade intensive Gespräche mit unterschiedlichen Partnern, dabei geht es um all die Themen, die uns die Zukunft bringen wird: 16:9, HD, Zusatzdienste wie z.B.: die Nutzung der Middleware MHEG-5, usw. Das sind alles Themen auf unserer Agenda. Aber damit wir unsere Innovationskraft frei geben können, brauchen wir auch Innovationsgeist auf Seiten der „Verbreiter“.
 
Zudem werden wir mit der Etablierung der Giga Digital Television GmbH als Produktionsfirma den Weg für weitere Gaming-Formate im TV bereiten. Wenn jemand Gaming in Web und TV darstellen kann, dann wir. Unser Team hat in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass wir diejenigen sind, die konstant kompetentes Gaming-Fernsehen produzieren. Wir haben das Know-How dazu entwickelt und bieten dieses anderen Programmanbietern an, wovon wiederum der Zuschauer profitiert.
 
Solange ich dieses Unternehmen leite, wird man von Giga vor allem erwarten können, dass wir keine Entwicklung mehr vorbei an unseren Usern tun. Mir ist das sehr ernst. Nur wer seine User kennt und ausschließlich für eben diese produziert, wird im TV oder Webbusiness Erfolg haben. Wir haben aus unseren Erfahrungen gelernt und werden im elften wie im 20. Jahr auf unsere Zuschauer hören!
 
DF: Wo darf der Zuschauer Giga in zehn Jahren erwarten?
 
Stephan Borg: Auf Programmplatz sechs und in den Köpfen aller bis dahin 30-jährigen Menschen sollten wir dann einmal stattgefunden haben.
 
DF: Herr Borg, vielen Dank für das Gespräch!
 [mg]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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