Stummfilm-Meisterwerk von Lubitsch bei Arte – erstmals in HD

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Bild: Destina - Fotolia.com
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Der Kulturkanal Arte zeigt am kommenden Montag (26. September, 23.45 Uhr) mit dem 1922 uraufgeführten „Das Weib des Pharao“ ein Meisterwerk des deutschen Stummfilms erstmals in einer teilweise viragierten (eingefärbten), restaurierten HD-Fassung.

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Kaum war der Film den schmuddeligen Hinterzimmern und den Jahrmarktsbuden entronnen, zeigte US-Regisseur D. W. Griffith (1875-1948) welch monumentales Potenzial die neue Kunst der bewegten Bilder besaß. Die wegen ihrer politischen Aussagen später nicht unumstrittenen Klassiker „Die Geburt einer Nation“ (1915) und „Intoleranz“ (1916) waren gigantisch im Aufwand, aber Europa hielt dagegen.
 
Vor allem mit Ernst Lubitsch (1892-1947), der der „deutsche Griffith“ genannt wurde. Mit seinem Historienfilm „Madame Dubarry“ (1919) hatte Lubitsch, der vor allem mit etwas derberen Komödien bekanntwurde, auch in Amerika Aufmerksamkeit erregt, mit „Das Weib des Pharao“, der jetzt auf Arte zu sehen ist, zog er nach. Die Bilder sind von einer bestechenden Brillanz.
 
Zwar fehlen noch immer 30 Minuten zu Lubitschs Originalfilm, filmologisch aber sei „Das Weib des Pharao“ sehr gut rekonstruiert, sagt Nina Goslar von der Spielfilmredaktion ZDF/Arte. Das liegt vor allem an neugefundenem italienischen Material, das die Liebesgeschichte in dem Sandalenfilm in einer ursprünglicheren Fassung zeigt und dem Film mehr Fluss gibt. Verlorene Teile wurden zudem mit Standfotos und Erklärtiteln überbrückt.

In seinem monumentalen Streifen erzählt Lubitsch eine verzwickte Liebesgeschichte, die schließlich in einen Krieg mündet. Der äthiopische König (Paul Wegener) will sich mit dem ägyptischen Pharao (Emil Jannings) verbünden und bietet ihm dafür seine Tochter zur Frau an. Bedauerlicherweise verliebt sich der Pharao in eine Sklavin aus dessen Gefolge, die aber wiederum einen anderen liebt. Prompt liegen sich die beiden Herrscher – überhaupt zwei finstere Burschen – in den Haaren, eine blutige Schlacht der Liebe wegen ist unausweichlich.

Schön und grausam ist die Liebe in dem Historienstreifen, aber „Das Weib des Pharao“ ist vor allem durch die grandiosen Massenszenen mit tausenden Statisten ein Spektakel, das Lubitsch mit sicherer Hand in einer Sandgrube vor den Toren Berlins inszenierte.

Der deutsche Autor und Journalist Kurt Pinthus war damals schwer begeistert. 1922 schrieb er treffend die Vorzüge des Films lobend: „Anrückende Heermassen, Schatten, Durcheinanderrasen des Volkes; alles wunderbar exakt gemacht, tadellos klappend, verblüffend in der wirbelnden und doch übersichtlichen Bewegung“.

Kurz danach sollte Lubitsch 1922 auch Deutschland verlassen, denn Hollywood rief. Der Abschied war ergreifend, wie sich Pharao-Drehbuchautor Hanns Kräly in dem Buch „Klassiker des deutschen Stummfilms“ erinnerte: „Als das Schiff mit Lubitsch, der Hoffnung der deutschen Filmindustrie, in Bremerhaven ablegte, stand eine kleine Gruppe von uns am Kai und winkte ihm hinterher. Sein Vater war den Tränen nahe, er sah seinen Sohn in Kalifornien unter Indianern, Berglöwen, Klapperschlangen und anderen Bestien“.

Der aber setzte sich in der Fremde bald durch: Nach einem eher verhaltenen Start sollte Lubitsch mit seinen geistreichen und frivolen Komödien wie „Blaubarts achte Frau“ (1938), die sein Publikum auf angenehme Weise schockierten („Lubitsch Touch“), zu einem der größten Hollywood-Regisseure der 30er und 40er Jahre werden. [dpa]

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3 Kommentare im Forum

  1. AW: Stummfilm-Meisterwerk von Lubitsch bei Arte - erstmals in HD Spannend! Und am 3. Oktober "Die Nibelungen" in HD!
  2. AW: Stummfilm-Meisterwerk von Lubitsch bei Arte - erstmals in HD Super!!!!!!! Gruss an Mettmann (um die Ecke)
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