„Voll abgezockt“: Identitäts-Diebstahl für die Lachmuskeln

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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In Zeiten des Internets wird Identitäts-Diebstahl immer häufiger zum Problem. So auch im Film „Voll abgezockt“, in dem sich eine junge Frau der Identität eines Finanzfachmanns ermächtigt. Dieser möchte sein Ich natürlich gern zurück haben, und so beginnt ein durchaus komischer Roadtrip.

In Europa hat die Schauspielerin Melissa McCarthy noch keinen Star-Status. Das wird sich mit der überdrehten Farce „Voll abgezockt“ ändern. In den USA jedenfalls wurde der erste Kinofilm mit ihr in einer Hauptrolle ein enormer Erfolg. Die dort bisher als TV-Komödiantin bekannte amerikanische Version der deutschen Ulknudel Cindy aus Marzahn überzeugt mit viel derbem Witz und manch leisen Momenten als dreiste Diebin und Überlebenskünstlerin.
 
Melissa McCarthy spielt mit vollem Einsatz ihres üppigen, stark gepolsterten Körpers eine junge Frau auf Abwegen. Unter dem Namen Sandy Bigelow Patterson schmeißt sie in Florida mit Tausenden von Dollars um sich. Den Namen hat sie einem Finanzmanager im fernen Denver (Jason Bateman) geklaut. Sie kennt durch einen Trick alle seine Daten und konnte so Kreditkarten zu seinen Lasten fälschen. Das bringt ihn an den Rand des Ruins und kostet seinen guten Ruf. Vor allem den will er zurück. Drum macht er sich auf an die Ostküste.
 
Der betrogene Finanzfachmann will die junge Frau, deren wahren Namen er nicht kennt, von Miami nach Denver holen. Denn nur, wenn er sie den dortigen Behörden ausliefert, kann der aufopferungsvolle Familienvater sein Leben wieder ordnen. Die gemeinsame Fahrt des ungleichen Paares quer durch die USA wird erwartungsgemäß für Beide zu einer Reise zum jeweils eigenen Ich. Unerwartete Ereignisse, wie das Auftauchen mordlustiger Verfolger, sorgen dabei allerdings für jede Menge Action und Abenteuer brachial-komischer Art.

Melissa McCarthy drückt durchweg aufs Gaspedal. Nach dem Motto „Volle Fahrt voraus!“ verkörpert sie zunächst nichts als eine Gaunerin übelster Sorte. Sie flucht wie ein Droschkenkutscher, wird gern mal handgreiflich und kennt auch sexuell keine Hemmungen. Geschmacksgrenzen sind ihr sowieso unbekannt. Jason Bateman variiert die von ihm schon in „Wie ausgewechselt“ erfolgreich interpretierte Rolle des verklemmten Bürokraten dagegen geradezu sensibel mit Augenzwinkern, Ironie und Zurückhaltung.
 
Im Finale der bis dahin vor allem auf Fäkalwitz und krachledernen Humor setzenden Klamotte nähern sich nicht nur die Figuren einander an, sondern auch der Stil der Schauspieler. Es wird momentweise leiser und hintergründiger und damit spannender. Denn plötzlich offenbart die grelle Komik Kritik an einem Lebensstil, der nur auf Anpassung ohne jeden Mut zur Selbstverwirklichung beruht. Schöne Botschaft: Steh zur Dir selbst und nicht unentwegt unter der Fuchtel derer, die meinen, das Sagen zu haben.
 
Regisseur Seth Gordon („Kill the Boss„) setzt ganz auf die Präsenz seiner zwei Stars. Melissa McCarthy und Jason Bateman harmonieren geradezu perfekt miteinander. Sie halten die Komödie auch dann in Gang, wenn die Handlung sich eher fadenscheinig von Gag zu Gag hangelt. Melissa McCarthy stärkt zudem ihre Zugkraft als Kassenknüller. Mit der im Juni in den USA und im Oktober hierzulande anlaufenden Kriminalkomödie „Taffe Mädels“ kommt sie an der Seite von Sandra Bullock sicher endgültig ganz oben an in Hollywood.
 Kinokritiken im Überblick
[Peter Claus/hjv]

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