IFFMH Expanded: Online-Festival startet mit hochkarätigen Filmen

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Heute startet die 69. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg (IFFMH), eines der renommiertesten und ältesten Festivals Deutschlands. In diesem Jahr findet das Programm komplett online statt – als „IFFMH Expanded“.

„Heute wünsche ich Ihnen keine gute Projektion, sondern ein gutes Streaming“, eröffnet Dr. Sascha Keilholz die kommenden elf Tage, die eigentlich die Filmkunst in einem großen Event in Mannheim und Heidelberg feiern wollten. Ein Satz, der selbstredend befremdlich wirkt für eine Veranstaltung, die gerade von Austausch und Begegnung lebt, von gemeinsamen Filmerlebnissen, der gemeinsamen Auseinandersetzung mit diesen Erlebnissen und damit auch mit der Welt.

Und doch musste man sich in diesem Jahr an diese neuen Umstände bereits gewöhnen. Einige Festivals wurden ganz abgesagt, zahlreiche andere verlagerten sich auf den digitalen Raum. Das DOK Leipzig zuletzt hatte noch Glück im Unglück, sein hybrides Festival als Mischung aus Präsenz- und Online-Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Einen Tag später dann die erneute Schließung der deutschen Kinosäle.

Das Festival Mannheim-Heidelberg hat nun innerhalb kürzester Zeit auf diese neuen Umstände reagieren müssen. Was ursprünglich ebenfalls als hybrides Festival geplant war, ist heute als IFFMH Expanded in eine vollständig digitalisierte Ausgabe gestartet. Zwar mussten einige ursprünglich geplante Titel gestrichen werden, darunter etwa die Alkohol-Satire „Another Round“ mit Mads Mikkelsen, aber der Großteil des IFFMH-Programms kann dennoch bis zum 22. November online gestreamt werden. Pro Film fallen acht Euro Gebühr an, Kinder- und Jugendfilme kosten sechs Euro. Einen Euro davon will das Festival jeweils an die Partnerkinos spenden. Während der Kinoflaute immerhin ein kleiner Trost, sich einen Überblick über das aktuelle Filmgeschehen zu verschaffen.

Politisches Kino aus der ganzen Welt

Man habe nach Filmen Ausschau gehalten, die gesellschaftliche Strukturen offenlegen und durchdringen, gibt der neue Festivaldirektor Sascha Keilholz während der digitalen Eröffnungsveranstaltung zu verstehen. Die rund 40 Filme der Online-Ausgabe werfen auch in diesem Jahr einen Blick auf internationale Festivals. Mehrere hochkarätige, teils auch kontroverse aktuelle Titel aus Venedig, Toronto, Sundance, Berlin und Cannes haben Einzug in das Programm gehalten. Ein besonderer Fokus liegt auf Nachwuchsfilmschaffenden.

„The Death of Cinema and My Father too“ eröffnet das Festival.

Der israelischen Essayfilm „The Death of Cinema and My Father too“ eröffnet das Programm, der dieses Jahr Teil der offiziellen Auswahl in Cannes war. Ein filmisches Geflecht über eine Familienflucht aus Tel Aviv nach Jerusalem, als die Angst vor einem Angriff des Irans wächst. Und zugleich ein Film, der sich in seiner Produktion selbst offenlegt, der von der Inszenierung der eigenen Familie und den internen Konflikten handelt.

Epische Werke

Nebenbei melden sich beim IFFMH zwei der berühmtesten Autorenfilmer der Gegenwart zurück. „Genus, Pan“ ist der neue Film von Festivalliebling Lav Diaz, der eine weitere Diagnose der philippinischen Gesellschaft vorlegt. Eine Geschichte über drei Minenarbeiter, die sich auf den beschwerlichen Weg nach Hause begeben, während ein Konflikt zwischen ihnen zu eskalieren droht. Mit zweieinhalb Stunden übrigens fast schon ein Kurzfilm! Diaz ist dafür bekannt, dass seine Filme auch gerne einmal acht, neun oder zehn Stunden lang sind.

Ein vergleichbar episches Werk hat Frederick Wiseman geschaffen. Der 90-jährige Dokumentarfilm-Spezialist hat mit „City Hall“ eine vierstündige Durchdringung der Bostoner Stadtverwaltung gedreht. Hört sich trocken an, ist aber eine brennend aktuelle Durchdringung demokratischer und gesellschaftlicher Strukturen und letztlich der aktuellen US-Politik. Einer der hochgelobten Festival-Hits des Jahres!

„City Hall“ von Frederick Wiseman

Ambitionierte Genrekost hat das IFFMH unter anderem mit „Fanny Lye Deliver’d“ im Programm. In dem Historienfilm gerät das Leben einer puritanischen Familie im 17. Jahrhundert aus dem Ruder, als ein rebellisches, dreistes Paar auf ihrer Farm Zuflucht sucht. Regisseur Thomas Clay hat dafür viele Jahre an seinem Mammutwerk gearbeitet, das eine eigentlich simple Konstellation in größtmöglichen Bildern erzählt.

Nicht umsonst wird der feministische Film immer wieder mit den Westernfilmen Sergio Leones verglichen. In Deutschland war der faszinierende Genremix bereits beim Fantasy Filmfest zu sehen. Ein durchaus radikaler und doch wegweisender Beitrag in einem Festivalprogramm, das sich 2020 laut eigenen Angaben insbesondere auch feministischen Tönen widmet.

Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg läuft vom 12. bis 22. November. Weitere Informationen und Zugriff auf das gesamte Filmprogramm erhält man auf der Website des Festivals.

Bildquelle:

  • iffmh: IFFMH

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