Abhöraffäre: Murdochs News International entschuldigt sich

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Rupert Murdochs Zeitungskonzern News International hat sich öffentlich bei acht von 24 Opfern der „News of the World“-Abhöraffäre entschuldigt. Der Verlag bot einigen der Kläger gegen das Revolverblatt zudem eine Entschädigung an.

Die britische Boulevardzeitung wird bezichtigt, in mehreren Fällen Telefone und Mailboxen von Politikern und prominenten Persönlichkeiten illegal abgehört zu haben. Bei dem von „NoW“ beschäftigten Privatdetektiv Glenn Mulcaire gefundene Beweise würden von über 3 000 abgehörten Opfern zeugen, berichtete die Tageszeitung „The Guardian“ (Montagsausgabe). 
 
24 der vermutlich Betroffenen, darunter unter anderem Schauspielerin Sienna Miller und die ehemalige britische Kultusministerin Tessa Jowell, reichten Klage gegen das Blatt, das von der News-Corp-Tochter News International verlegt wird, ein. Das Murdoch-Unternehmen habe sich bei acht der 24 Kläger entschuldigt und ihnen Entschädigungszahlungen angeboten.
 
Laut „Guardian“ soll sich die Gesamthöhe der angebotenen Zahlungen auf rund 100 000 Pfund belaufen. Gegen andere Klagen, die unter anderem von Comedian Steve Coogan und Jockey Kieren Fallon stammen, wolle sich der Konzern dagegen weiterhin auf juristischem Wege zur Wehr setzen, hieß es in dem Bericht.

In der von News International veröffentlichten Entschuldigung räumte das Unternehmen erstmals öffentlich ein, dass die Abhör-Praktiken in der „News of the World“ weit verbreitet waren. Noch zu Beginn des Jahres hatte das Blatt generelle Verfehlungen bestritten und auf Eigenmächtigkeiten des Privatdetektivs zurückgeführt.
 
Die öffentliche Abbitte kommt in einer Phase, in der sich die Beweislast gegen das Blatt zunehmend verdichtet. Der Oberste Gerichtshof Großbritanniens hatte zuletzt verfügt, dass News International interne E-Mails über die beiden möglichen Betroffenen Sienna Miller sowie den Sport-Agenten und ehemaligen Tennisspieler Sky Andrew vorlegen müsse. Diese könnten dokumentierern, welche Geschäftsführer des Boulevardblatts von Mulcaires Bespitzelungen Kenntnis gehabt hätten, hieß es.
 
Außerdem wurden in der vergangenen Woche der Chefredakteur der „News of the World“, Neville Thurlbeck, und der Mitherausgeber Ian Edmondson, der im Januar seines Postens enthoben worden war, von Scotland Yard befragt. „The Guardian“ berichtete weiter, dass einer der acht Betroffenen, bei denen News International sich entschuldigt habe, nicht auf das Entschädigungsangebot eigehen wolle. Andere würden die Offerte hingegen in Erwägung ziehen, hieß es ohne Nennung von Quellen.
 
Rechtsanwalt Rod Dadak stellte unterdessen die Vermutung in den Raum, dass die Entschuldigung gegenüber seinem Mandanten Lewis Slikin nur der Anfang von weiteren Entschädigungsansprüchen sein könnte. Der Jurist rechnet mit Schadensersatzforderungen in Höhe von mehr als 40 Millionen Pfund, weil nun wahrscheinlich weitere potenzielle Opfer Ansprüche stellen könnten. 
 
Lord Prescott, dessen ehemalige Beraterin Joan Hammell ebenfalls Opfer der Abhöraffäre ist, hatte wiederholt gefordert, dass Murdochs Übernahmepläne von BSkyB blockiert werden müssten, bis die Abhörvorwürfe komplett aufgeklärt sind. [js]

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