Aufreger: ORF als Wolf im antisemitischen Schafspelz?

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Die österreichische Wochenzeitung „Falter“ will einen skandalträchtigen Fall von Antisemitismus erspäht haben. Ein verkleideter Walt-Disney-Wolf wird angeklagt, im ORF-Kinderprogramm jüdische Stereotypen verbreiten zu wollen.

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Die Zeitung befand in ihrer aktuelen Ausgabe den 1934 produzierten amerikanischen Trickfilm „Die drei kleinen Schweinchen“ der Darstellung von jüdischen Stereotypen für schuldig und kritisierte, dass der ORF den Cartoon am Sonnabend ohne Hintergrundinformationen ausstrahlen will. In dem Oscar-prämierten Trickfilm von Walt Disney verkleidet sich der böse Wolf als jüdischer Hausierer, um sich Zugang zum Haus der Schweinchen zu verschaffen – zumindest in der Originalversion.

Die Wochenzeitung bemängele, dass auf DVD-Veröffentlichungen des Streifens Zuschauer über den soziokulturellen Hintergrund aufgeklärt werden, dies bei der geplanten TV-Ausstrahlung aber nicht erfolge. Inwieweit sich Kinder diese Zusatzinformationen auf DVD überhaupt anschauen, ließ das Blatt bei seiner Betrachtung außen vor.
 
Die Szene wurde kurz nach Veröffentlichung der Originalfassung durch eine zweite, politisch korrektere Version ersetzt, in der der Wolf nicht als jüdischer Hausierer, sondern als Handelsvertreter den rosa Wonneproppen auf den Leib rücken will. Allerdings beschränkten sich die Änderungen nur auf das Aussehen, nicht aber auf die Sprache, denn das vermenschlichte Raubtier spricht in einem jiddischen Akzent. Verschiedene amerikanische TV-Anstalten zensierten die Szene daher noch stärker und verpassten dem Wolf eine neue Synchronisation.
 
So entschied sich auch der ORF, den Film am Sonnabend im Rahmen seiner „Classic Cartoons“ mit neuer Tonspur auszustrahlen und wies die Vorwürfe der Zeitung zurück. Allerdings scheint der Kanal beim Bild auf das Original von 1934 zurück gegriffen zu haben, denn nun sei zwar der Akzent verschwunden, die „jüdische Optik“ dagegen nicht.
 
Der Sender pochte auf seiner Unschuld und wies darauf hin, dass der animierte Kurzfilm redaktionell auf eventuelle unangebrachte und unangemessenene Inhalte geprüft worden sei und anitsemitische Deutungen ausgeschlossen sind. Die gezeigte Version sei die letztgültige Fassung aus den 80er Jahren, meinte die zuständige Film- und Serienchefin des ORF, Andrea Bogad-Radatz. [rh]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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