BBC World News: „Aus Großbritannien für die ganze Welt“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Mit seiner „Live the Story“-Kampagne versucht der weltweite Nachrichtensender BBC World News derzeit das Publikum in Deutschland noch stärker für sein TV-Programm zu begeistern. DIGITAL FERNSEHEN sprach mit Chief Operating Officer Jim Egan über die Wichtigkeit des deutschen Marktes für die BBC und über die Herausforderung, als britisches Medienhaus ein Nachrichtenangebot mit Relevanz für die ganze Welt herzustellen.

Mr. Egan, BBC World News ist als internationaler Sender konzipiert und hat eine gigantische Reichweite in zahlreichen Ländern. Wie schwierig ist es dabei eine „universelle Sprache“ zu sprechen, die von möglichst vielen Menschen in ganz unterschiedlichen Kulturkreisen verstanden werden soll?
 
Jim Egan: Wir versuchen nicht mit lokalen Sendern in Konkurrenz zu treten. Um verschiedene Gegenden der Welt zu repräsentieren und unsere Relevanz für das Publikum aufrechtzuerhalten, ist es nötig bestimmte Regionen in der Berichterstattung abzudecken. Die Berichterstattung ist dabei zeitlich durchaus so über den Tag abgestimmt, dass wir für die jeweiligen Themen das größtmögliche Publikum erhalten. So ist zum Beispiel „World News Today“ mit Zeinab Badawi stärker auf die Zuschauer in Europa und im Mittleren Osten zugeschnitten, während „Impact“  mehr das Publikum im asiatisch-pazifischen Raum ansprechen soll. Zudem gibt es Sendungen wie „India Business Report“, „World News America“ und „Focus on Africa“, die in ihrer Berichterstattung auf bestimmte Regionen zugeschnitten sind.

In wie weit fungiert ein Sender wie der Ihre dabei als Botschafter der britischen Kultur?
 
Egan: Als global agierendes Medienunternehmen, das Inhalte für ein weltweites Publikum bereitstellt, spielt die BBC zweifellos eine Rolle für die Wahrnehmung Großbritanniens. Die Objektivität unseres Journalismus wird dabei besonders geschätzt und wir haben langjährige Erfahrung in fairer und ausbalancierter Berichterstattung. All das trifft auch auf BBC World News zu. Wir mögen ein internationaler Sender sein aber wir fühlen uns dennoch den gleichen Werten verpflichtet, wie der Rest der BBC.
 
Während unsere Wurzeln durch und durch britisch sind, ist unser Ziel dennoch der weltweit führende Nachrichtensender zu sein, der die Bedürfnisse seines Publikums überall auf der Welt zu jeder Zeit befriedigen kann. Dieser Anspruch spiegelt sich auch im kürzlich erfolgten Umzug in das „New Broadcasting House“ in London wieder, womit wir faktisch direkt im Zentrum von „The World’s Newsroom“ sitzen. Das Gebäude beherbergt 6000 Mitarbeiter, davon mehr als 3000 Journalisten. Alle Nachrichtenredaktionen der BBC – ganz gleich ob national oder international, ob Fernsehen, Internet oder Radio, ob in Englisch oder in 27 anderen Sprachen – sitzen unter einem Dach. Ich denke gemeinsam sind wir damit ein Nachrichtenanbieter, der zwar seine Wurzeln in Großbritannien hat aber dabei sehr wohl ein weltweites Publikum ansprechen kann.

Wie wichtig ist angesichts der großen Reichweite von BBC World überhaupt ein einzelner Markt wie Deutschland?
 
Egan: Deutschland ist ein sehr wichtiger Markt für uns. Wenn man dort nicht groß genug ist, kommt man in Schwierigkeiten. BBC World News erreicht in Deutschland zwei Millionen Menschen im Monat, während die Webseite BBC.com monatlich 1,8 Millionen Unique-User zählt. Ein Weg, um unseren Einfluss und unsere Markenreichweite noch weiter zu steigern, ist die aktuelle Kampagne „Live the Story“, die besonders auf den deutschen Markt abzielt und unsere Fähigkeit verdeutlichen soll, das Publikum durch unsere Berichterstattung zu fesseln. Dabei soll vor allem die Hingabe zur Story selbst verdeutlicht werden. Weil unsere Journalisten diese „leben“, können dies unsere Zuschauer ebenfalls.
 
Ist es überhaupt möglich, Programme oder einzelne Aspekte daraus auf bestimmte Märkte zuzuschneiden, ohne dabei den eigenen Anspruch eines internationalen Senders zu verwässern oder ist dies vielleicht gar nicht wünschenswert?
 
Egan: Als internationaler Nachrichtensender, der verschiede Regionen und Zeitzonen versorgt, haben wir einige unserer Programme speziell auf ein bestimmtes Publikum zugeschnitten. So werden zum Beispiel „Asia Business Report“ und „Newsday“ live aus Singapor gesendet, wenn die Zuschauer im ostasiatischen Raum aufwachen. Trotzdem sind die Formate auch auf das weltweite Publikum ausgerichtet.
 
Wie stark ist ihrer Meinung nach das deutsche Publikum im Vergleich zu anderen Ländern am internationalen Geschehen interessiert?
 
Egan: Unser deutsches Publikum hat großes Interesse am Weltgeschehen und das zeigt sich sowohl beim Fernsehen, im Internet und bei der mobilen Nutzung unserer Angebote. Neben den Zuschauerzahlen im TV und den Online-Abgriffen rangiert Deutschland auch in letzterer Kategorie unter den 15 wichtigsten Märkten in Europa. Mit über 24 000 Nutzern im Monat nimmt Deutschland zudem die Spitzenposition bei der Verwendung der Android-App von BBC News ein. Unsere Nachrichten in Zukunft auch in Kanälen abseits der klassischen TV-Verbreitung anzubieten, ist dabei eines unserer Hauptziele, besonders wenn es darum geht, auch ein jüngeres Publikum zu erreichen.
 
Besonders der deutsche TV-Markt wird von Ausländern oftmals als etwas „speziell“ bezeichnet, vor allem wegen der großen Konkurrenz im Free-TV-Bereich. Wie schätzen Sie den hiesigen Markt ein und ist er wirklich „spezieller“ oder schwieriger als andere Märkte?
 
Egan: Wir sehen den deutschen Markt aufgrund seiner Charakteristik eigentlich nicht als ungewöhnlich schwierig an. Speziell ist er für uns vor allem aufgrund seiner Größe und des potentiellen Publikums, das wir hier erreichen können. Das ist auch der Grund warum unsere „Live the Story“-Kampagne sich so stark auf Deutschland konzentriert.
 
Die meisten Fernsehsender definieren heute eine klar umrissene Kernzielgruppe, die sich meist nach Geschlechtern oder bestimmten Altersgruppen richtet. Gibt es für BBC World ebenfalls eine solche Zielgruppe und wenn ja, unterscheidet diese sich in unterschiedlichen Ländern?
 
Egan: Der Fernsehsender BBC World News selbst spricht vor allem das Publikum im Alter zwischen 35 und 54 Jahren an. Wenn man sich jedoch die Verbreitung über verschiedene Plattformen – also TV, Internet und mobile Verbreitung – ansieht, dann haben unsere jüngsten Untersuchungen ergeben, dass die 25- bis 34-Jährigen die größte Zielgruppe sind.
 
Besonders junge Leute in Europa aber auch in anderen Teilen der Welt wachsen heute vermeintlich internationaler auf als ältere Generationen. Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Publikum? Ist das Interesse am Weltgeschehen bei jüngeren Zuschauern größer als bei den Älteren?
 
Egan: Wie eben schon erwähnt, sind die 25- bis 34-Jährigen unsere größte Zielgruppe. Die gleiche Untersuchung ergab jedoch auch, dass vor allem das Publikum zwischen 18 und 34 mehr an internationalen Nachrichten interessiert ist, als an lokalen. Bei den Über-45-Jährigen ist dies umgekehrt. Das ist ein klarer Indikator, dass sich jüngere Generationen stärker für das internationale Geschehen interessieren, als die Älteren.
 
Vielen Dank für das Gespräch.[ps]

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32 Kommentare im Forum

  1. AW: BBC World News: "Aus Großbritannien für die ganze Welt" wenn der deutsche markt so wichtig ist, dann sollte sich bbc world news mal für die aufhebung der grundverschlüsselung seines programmes bei kabel deutschland einsetzen. cnn hat das ja auch geschafft.
  2. AW: BBC World News: "Aus Großbritannien für die ganze Welt" Der Sender BBC World News ist aber wirklich ein Premiumprogramm in meinen Augen. Die Berichterstattung und Vielseitigkeit ist einmalig am Markt finde ich. Ich schaue im allgemeinen sehr gerne die BBC Nachrichten.
  3. AW: BBC World News: "Aus Großbritannien für die ganze Welt" Wird sicher bald geschehen, wir wurde mitgeteilt, dass dies in London derzeit intensiv geprüft wird
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