Briefkopf-Affäre: MDR-Aufsicht fordert mehr Aufklärung

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Im Fall des suspendierten MDR-Unterhaltungschefs Udo Foht hat die Staatskanzlei Sachsen-Anhalt mehr Aufklärung gefordert. Der rechtsaufsichtliche Brief mit mehreren Fragen sei am 5. August per E-Mail an MDR-Intendant Udo Reiter geschickt worden.

Das teilte Regierungssprecher Franz Kadell am Montag in Magdeburg mit. Darin werde unter anderem gefragt, wie lang der MDR den Fall untersuchen wolle und ob Änderungsvorschläge externer Sachverständiger für die Beschaffung von Programmleistungen berücksichtigt worden seien. Außerdem sollen die Sender-Gremien informiert werden. Sachsen-Anhalt ist derzeit federführend in der Rechtsaufsicht der Dreiländeranstalt.
 
Der Thüringer SPD-Fraktionschef Uwe Höhn forderte eine Sondersitzung des Fernsehausschusses. „Die Gebührenzahler im MDR-Gebiet haben ein Recht auf vollständige und ungeschminkte Informationen über die sonderbaren Finanzierungsmethoden des bisherigen Unterhaltungschefs“, erklärte Höhn in Erfurt. Wie schon bei der Millionenveruntreuung beim Kinderkanal komme das Ausmaß des Skandals nur „scheibchenweise ans Licht“. Die Mitglieder des MDR-Rundfunkrates wüssten über wesentliche Details der Affäre nur aus der Presse.

Foht soll nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) Geschäftspapier mit offiziellem Briefkopf für private Zwecke missbraucht und Dritte zu Zahlungen veranlasst haben. In einer vom Sender erstatteten Strafanzeige wird ihm Betrug beziehungsweise Untreue vorgeworfen.
 
Medienberichte, denen zufolge es um Beträge von 20 000, 30 000 und mehr als 100 000 Euro ging, wurden bislang aber weder von der Staatsanwaltschaft noch vom Sender bestätigt. MDR-Sprecher Dirk Thärichen erklärte: „Um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu gefährden, wird der MDR im Zusammenhang mit den aktuellen Vorwürfen gegen Udo Foht keinerlei Informationen mehr nach außen geben“.
 
Bis zur regulären Sitzung des MDR-Rundfunkrates am 26. September könne mit der Aufklärung nicht gewartet werden, meinte Höhn. Die Entscheidungs- und Kontrollmechanismen des Senders müssten dringend überdacht werden. „Die jahrelangen Betrügereien beim Kika und der jetzige Foht-Skandal zeigen eindeutig, dass die internen Kontrollen nicht so funktionieren, wie sie eigentlich müssten“.
 
Foht war seit 1996 Unterhaltungschef der Dreiländeranstalt. Ende Juli hatte der Sender ihn wegen der Vorwürfe von seinen Aufgaben entbunden. Der Fall war durch hausinterne Untersuchungen im Zuge des Skandals beim Kinderkanal Kika aufgeflogen.
 
Erst am Wochenende hatte sich der Fall weiter zugespitzt, nachdem nun auch die Schweizer Musik- und TV-Produktionsfirma Gillming & Co. gegen den öffentlich-rechtlichen Sender aus Leipzig Anspruch auf Schadensersatz stellt. Die Rede ist von rund einer Million Euro; im MDR heißt es, es gehe nur um einen Bruchteil der Summe (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). [dpa/js]

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