Bundesliga: Telekom verspricht selbstbewusst „Fußball für alle“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Die Deutsche Telekom will nach einem möglichen Zuschlag für die Bundesliga-Übertragungsrechte „Fußball für alle“ bieten. „Wir wollen die Bundesliga von der Leine lassen und aus der jetzigen Monopolsituation herausholen“, sagte ein Konzernsprecher am Freitag.

Er bezog sich dabei auf die Live-Übertragung der Spiele, die derzeit alleine vom Bezahlsender Sky angeboten werden. Bei der anstehenden Vergabe der Rechte der Deutschen Fußball Liga DFL, für die an diesem Montag eine erste Angebotsfrist endet, gibt es zwischen der Telekom und Sky voraussichtlich ein hartes Bietergefecht um den Zuschlag.
 
Weder Sky noch Telekom wollten sich zu Preisen und zum Ablauf der Auktion äußern. In der Branche wird spekuliert, dass sich der Preis allein für die Rechte der Live-Berichterstattung für vier Jahre auf ein Volumen von mehr als 1 Milliarde Euro belaufen könnte. Die Interessenten der Auktion, die sich auch auf andere Rechtepakete erstreckt, können mehrmals zur Abgabe von Geboten aufgefordert werden.
 
Eine endgültige Entscheidung soll am 17. April auf der Mitgliederversammlung der DFL fallen. Damit nannte der Ligaverband erstmals einen konkreten Termin für die Entscheidung. Bisher war stets vage von „Ende April“ die Rede gewesen. Insgesamt sind 19 unterschiedliche Pakete im Angebot, die sich auf Broadcasting (Pay- und Free-TV), IPTV sowie Web- und Mobile-TV verteilen und nach einem komplizierten Verfahren vergeben werden.

Bislang kann die Telekom Fußball-Bundesligaspiele nur über das Internet vermarkten (IPTV). Die Rechte hierfür hatte sie 2009 erworben. Nun macht der Bonner Konzern dem Platzhirschen Sky im Bezahlfernsehen Konkurrenz. Wie der Telekom-Sprecher aufgrund aktueller medienrechtlicher Diskussionen um die Staatsferne betonte, werde das Unternehmen weder Inhalteanbieter sein noch Einfluss auf das Programm nehmen. 
 
Die Telekom reagierte damit auf eine Steilvorlage des oberen bayerischen Medienhüters Siegfried Schneider. Dieser hatte am Donnerstag im Anschluss an eine Sitzung des BLM-Medienrats eine Überprüfung der Zulassung für das Telekom-Programmpaket „Liga total!“ angekündigt. „Bei einer Ausweitung der Rechte der Telekom könnte der derzeitige Vertrag wohl nicht einfach verlängert werden“, betonte Schneider (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete).
 
Allen Interessenten würden einen diskriminierungsfreien Zugang zu dem Produkt erhalten, das sie dann in Eigenregie vermarkten könnten, versicherte dagegen der Telekom-Vertreter. Ein Fan müsse deshalb nicht Kunde der Telekom sein, um Live-Übertragungen sehen zu können, betonte er. Dem Konzern schwebt im Falle eines Zuschlags offensichtlich die Sublizenzierung an Kabelnetzbetreiber und konkurrierende Pay-TV-Plattformen vor.

Der Direktor der Landesmedienanstalt des Saarlandes (LMS), Gerd Bauer, hatte am Dienstag in Saarbrücken unterdessen auf eine weitere Problematik hingewiesen. Das Angebot der Deutschen Telekom zum Erwerb der Fußballrechte von der Deutschen Fußball Liga (DFL) berühre „wesentliche Grundfragen des Rundfunks in Deutschland“.  Mit dem Erwerb der Inhalte würde der seinerzeit aus der Deutschen Post hervorgegangene Infrastrukturbetreiber ein wesentlicher Anbieter von Inhalten. Das widerspricht nach Auffassung der LMS dem medienpolitischen Grundsatz der Trennung der technischen Infrastruktur von den angebotenen Inhalten.
 
„Die Trennung von Netzbetrieb und Rundfunkinhalten soll dazu beitragen, die Meinungsvielfalt zu sichern und zu verhindern, dass derjenige, der wesentliche Teile der technischen Infrastruktur betreibt und dadurch auch kontrolliert, gleichzeitig für die Inhalte zuständig ist, die hierüber transportiert werden“, so Bauer weiter. Eine solche Zusammenballung von technischer, ökonomischer und publizistischer Macht stehe im Widerspruch zu einer bestmöglichen Sicherung von Meinungsvielfalt. Rundfunkveranstalter ohne eigene Infrastruktur wären dadurch von Anfang an strukturell benachteiligt. 
 
„Die gutachterliche Feststellung von Prof. Franz Jürgen Säcker von der FU Berlin, wonach der deutsche Staat nach wie vor entscheidenden Einfluss auf die Deutsche Telekom besitze, weist zudem darauf hin, dass hier eine Gefahr für die im Rundfunkrecht besonders geforderte Staatsferne der Anbieter vorläge“, äußerte Bauer mit Blick auf die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. 
 
Aus gutem Grund könne die Deutsche Telekom also keine Zulassung als Rundfunkanbieter erwerben. Die bisherige Lösung, wonach Constantin Medien die medienrechtliche Lizenzierung für die Telekom halte, sei angesichts des Komplettpaketes an Übertragungsrechten, die die Telekom von der DFL erwerben wolle, nicht einfach übertragbar und müsse im Lichte der Abhängigkeiten von der Telekom neu geprüft werden.
 
„Auch derartige Umgehungsgeschäfte durch Produktionsaufträge an Dritte, die finanziell faktisch ausschließlich von der Telekom abhängen, sind aus Sicht der LMS unzulässig“, verdeutlichte Bauer. Im Falle eines Zuschlags für die Deutsche Telekom käme auf die bundesdeutschen Medienanstalten offenkundig eine aufwendige Detailprüfung zu, um die Unabhängigkeit der künftigen Fußball-Berichterstattung medienrechtlich auf den Prüfstand zu stellen. [ar/Peter Lessmann]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

302 Kommentare im Forum

  1. AW: Bundesliga: Telekom verspricht selbstbewusst "Fußball für alle" Ich gebe mich auch gern mal selbstbewusst, aber rechtliche Grenzen sind uns doch allen gesetzt.
  2. AW: Bundesliga: Telekom verspricht selbstbewusst "Fußball für alle" Die Telekom ist doch eine AG und will Geld verdienen. Man steht im Wettbewerb zu den Kabelgesellschaften. Beim Produkt Buli will man Brücken bauen, und einen Zugang für alle, ohne Diskriminierung. Nur wie lange wird das gut gehen?
  3. AW: Bundesliga: Telekom verspricht selbstbewusst "Fußball für alle" "Die Trennung von Netzbetrieb und Rundfunkinhalten soll dazu beitragen, die Meinungsvielfalt zu sichern und zu verhindern, dass derjenige, der wesentliche Teile der technischen Infrastruktur betreibt und dadurch auch kontrolliert, gleichzeitig für die Inhalte zuständig ist, die hierüber transportiert werden" Unterschied zu Kabel-TV?
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