Etos-TV-Macher: „Wir sind kein Toten-TV“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Berlin – Der Etos-TV-Gründer Wolf Tilmann Schneider will mit seinem Sender das breite Publikum der über 50-jährigen ansprechen. 2008 soll der Sender starten – Tilmann rechnet mit einer riesigen potenziellen Zielgruppe von zehn Millionen Menschen.

Im Interview mit der „Financial Times Deutschland“ (FTD) wies Schneider das in der Berichterstattung entstandene Bild des „Toten-Senders“ zurück. Vielmehr seien die über 50-jährigen die Zielgruppe, die häufig mit Tod oder Krankheit der Eltern konfrontiert werden und nach Orientierung suchen. „Die normalen Medien grenzen diese Themen aus. Selbst die öffentlich-rechtlichen Sender kümmern sich nicht darum“, versucht Schneider sein Projekt gegenüber der „FTD“ zu erläutern.

Befragt zu seiner Motivation, einen Sender über das Sterben zu machen, erklärte Schneider, dass Tod in unserer Gesellschaft in Altersheime und Krankenhäuser verdrängt werde. „Die Zielgruppe unseres Senders ist riesig und wird durch den demografischen Wandel immer größer: Wir haben schon über zwei Millionen Pflegefälle in Deutschland, bis 2010 werden es drei sein. Wenn bei jedem davon etwa vier Angehörige betroffen sind, liegen wir bei über zehn Millionen Menschen“, so Schneider in der FTD.
 
Etos TV soll sein Zielpublikum mit Friedhofsreportagen, Nachrufen und Ratgeberthemen erreichen. Friedhöfe sieht Schneider als kulturellen Ort, der häufig auch von Touristen besucht wird und deswegen für Reportagen interessant sei. Die Ratgebersendungen sollen das Leben im Alter thematisieren. Laut Schneider werden Technologien oder allgemeine Trends aufgegriffen, wie zum Beispiel moderne Hausnotrufe oder die steigende Beliebtheit von Wohngemeinschaften bei Rentnern. Auch möchte man über Hospize und Organspenden informieren – genauso wie über professionelle Autoren für Biografien.
 
Den ambitioniertesten Programmteil stellen jedoch ohne Frage die filmischen Nachrufe dar. So plant Schneider, kurze Filme über die Verstorbenen zu zeigen, als eine Art Video-Todesanzeige. „Warum sollen nur Prominente Nachrufe erhalten“, fragt der Etos-TV-Macher in dem „FTD“-Interview. „Jedes Jahr werden 485 000 Todesanzeigen in Zeitungen veröffentlicht, aber da steht nichts über die Menschen drin. Also kann man bei uns Nachrufe für jeden Verstorbenen in Auftrag geben, mit Bildern und Texten, die professionell produziert werden.“ Dafür kooperiere man bereits mit lokalen Fernsehsendern. Die müssten sich behaupten wie eine Regionalzeitung, wo Todesanzeigen eine wichtige Rubrik sind. „Für ältere Menschen ist es normal, zuerst die Todesanzeigen zu lesen.“
 
Auch über alternative Beerdigungsformen will der Sender vereinzelt berichten, obwohl sich Schneider sicher ist, dass die Bestattung in Friedwäldern oder Hainen, in denen man die Asche verstreuen kann, weiterhin ein Randphänomen bleiben werden. So verliere der Angehörige die Möglichkeit, zum Trauern an einen festen Ort zurückzukehren. Zumindest habe die Bestattungswirtschaft, die an Etos TV beteiligt ist, hinsichtlich der Programminhalte keine Vorschriften gemacht. Alternative Bestattungsmethoden sind dem Geschäft nicht nützlich. [lf]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

1 Kommentare im Forum

  1. AW: Etos-TV-Macher: "Wir sind kein Toten-TV" Aber klar. Kann mir beim besten willen nicht vorstellen das die Menscheit sowas täglich sehen will.
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