„Germany’s Gold“: ARD und ZDF wollen nicht auf Kartellamt warten

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Das kostenpflichtige Internet-TV-Archiv von ARD und ZDF nimmt zunehmend Gestalt an. Für das Portal unter dem Arbeitstitel „Germany’s Gold“ soll trotz fehlender Zustimmung des Bundeskartellamts, das 2011 ähnliche Pläne von ProSiebenSat.1 und RTL ausgebremst hatte, nach einem Geschäftsführer gesucht werden.

Innerhalb der nächsten ein bis zwei Monate wolle man außerdem auch die formale Gründung des Unternehmens angehen, bestätigte Manager Moritz von Kruedener vom an der Konzeption beteiligten Filmunternehmen Beta am Dienstag auf dem Branchentreffen MIPTV in Cannes. Man rechne damit, dass die Aufbauphase bis zum Jahresende abgeschlossen sei und möglicherweise noch 2012 der offizielle Startschuss für „Germany’s Gold“ falle, sagte von Kruedener der „Financial Times Deutschland“ (Mittwochsausgabe).
 
Das noch ausstehende grüne Licht seitens des Bundeskartellamts, das sich seit November 2011 mit der Prüfung des Großprojekts beschäftigt, scheint dabei für die Beteiligten kein Hindernis zu sein: „Wir verstehen das so, dass der Zusammenschluss nicht untersagt worden ist“, sagte der Geschäftsführer von ZDF Enterprises, Alexander Coridaß, der Zeitung. 

Neben den kommerziellen Tochtergesellschaften WDR Mediagroup und ZDF Enterprises sind auch der Filmhändler Jan Mojito aus dem früheren Kirch-Imperium mit seiner Betafilm und mehrere Produzenten in die Planungen für „Germany’s Gold“ involviert. Die Verantwortlichen betonten in der Vergangenheit mehrfach, dass eine Beteiligung allen Interessenten offen stehe. Auch die Privatsender seien herzlich eingeladen, sich an dem Portal zu beteiligen. Coridaß betonte hingegen erneut, Gebühren der Zuschauer flössen nicht in kommerzielle Aktivitäten.
 
Jürgen Doetz, Vorsitzender des Privatsenderverbands VPRT, hatte die Pläne im Gespräch mit DIGITALFERNSEHEN.de im Oktober 2011 massiv kritisiert: „Kommerzielle Tätigkeiten bei ARD und ZDF unterliegen – auch aus Brüssel – strikten Auflagen zu absoluter Transparenz und können nicht durch die Hintertür die Grenzen des Auftrags verschieben“, sagte Doetz damals.  
 
Im Gegensatz zu den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sendern, bei denen Sendungen aufgrund der Regelungen des Rundfunkstaatsvertrags nach vorgegebenen Fristen aus dem Angebot herausgenommen werden müssen, liegt der Schwerpunkt bei „Germany’s Gold“ auf der Archivierung von TV-Highlights der letzten 60 Jahren, wie der frühere ZDF-Intendant Markus Schächter bei Vorstellung des Projekts betont hatte. Zur Refinanzierung seien Werbeeinblendungen oder monatliche Abogebühren angedacht.
 
ZDF-Enterprises-Chef Coridaß erklärte gegenüber der „Financial Times“ dann auch ganz unverhohlen, es handele sich bei „Germany’s Gold“ um ein rein kommerziell motiviertes Projekt, mit dem man sich innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre in der Gewinnzone bewegen wollte. Eine ähnliche Absicht hatten auch RTL und ProSiebenSat.1 mit einer gemeinsamen Mediathek verfolgt. Hier hatte das Bundeskartellamt ein Verbot ausgesprochen, gegen das die Sendergruppen Klage eingereicht haben (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). [ar]

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16 Kommentare im Forum

  1. AW: "Germany's Gold": ARD und ZDF wollen nicht auf Kartellamt warten So... es werden also Produktionen, die durch die GEZ-Gebühren bereits bezahlt worden sind noch mal an die Masse verkauft? Schon ein tolles System. Normalerweise müsste diese Inhalte, die von ARD und ZDF produziert wurden doch der Allgemeinheit - sprich den GEZ-Zahlern - dauerhaft als Download zur Verfügung gestellt werden. Natürlich ohne Bares, da schon Bares bezahlt wurde.
  2. AW: "Germany's Gold": ARD und ZDF wollen nicht auf Kartellamt warten Ein kostenpflichtiges TV-Angebot der ÖR ist der erste Weg in die eigene Selbstabschaffung. Denn damit schaffen sie langfristig eine Infrastruktur mit der generelle Fernsehgebühren obsolet werden.
  3. AW: "Germany's Gold": ARD und ZDF wollen nicht auf Kartellamt warten Ihr solltet euch einfach mal informieren. Die Plattform hier, wird deswegen gestartet, weil der ÖRR nach 7 Tagen ihre Sendungen nicht mehr kostenlos anbieten DARF. Es bleibt also nur eins. Entweder die Sendung im Archiv versickern lassen. Oder eben für einen kleinen Obulus zur Verfügung stellen... Da ist letzteres doch viel besser. Auch für den GEZ Zahler. Und das die Gebühren dann irgendwann wegfallen, glaubt doch hier niemand. Nur mit dieser Downloadplattform, wird man die Sendungen nicht kostendeckend produzieren können .
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