Jörg Schönenborn: „Rundfunkbeitrag ist ‚Demokratieabgabe'“

114
35
Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
Anzeige

Jörg Schönenborn, Fernseh-Chefredakteur des WDR, hat sich in der Debatte zum neuen Rundfunkbeitrag zu Wort gemeldet. Er bezeichnet die neue Abgabe als demokratisch und kann die Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem nicht nachvollziehen. Anders als von einigen Medien behauptet, erfahre die ARD wenig Ablehnung und viel Lob.

Seit Wochen steht der ab Januar 2013 geltende neue Rundfunkbeitrag im medialen Dauerfeuer und mit ihm gleich das gesamte System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Am Donnerstag hat sich nun der WDR-Fernseh-Chefredakteur Jörg Schönenborn zu zahlreichen kursierenden Vorwürfen geäußert. Dabei verteidigte er die Position und die gesellschaftliche Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. So würden die Deutschen immer noch zwei Drittel ihres täglichen „Medien-Zeitbudgets“ für Fernsehen und Radio ausgeben. „Und weil man schwerlich ein kommerzielles Vollprogramm findet, das auch nur eine halbe Stunde pro Tag über Politik berichtet, behaupte ich: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sichert das Funktionieren unserer Demokratie“, so Schönenborn.

Das Angebot der Rundfunkanstalten begreift Schönenborn dabei als Teil der medialen Grundversorgung in Deutschland, die von allen Bürgern für alle Bürger solidarisch mitfinanziert werde. „Das ist kein Freifahrschein – im Gegenteil. Wir werden mehr Rechenschaft ablegen müssen darüber, wie wir mit unserem Geld umgehen“, geht der WDR-Chefredakteur auf die Kritik am Umgang mit den Beitragsgeldern ein. 
 
Ablehnung gegen das bestehende Rundfunksystem könne Schönenborn, anders als von einigen Tageszeitungen vehement behauptet, in seinem Alltag nicht spüren. „Die Wirklichkeit, in der ich lebe, ist eine, in der wir wertgeschätzt werden, sehr sogar.“ Höchst selten erlebe es der WDR-Mann, dass ein Zuschauer das Rundfunksystem in Frage stelle. „Wer stattdessen irgendwo im Land unterwegs ist, im Münster- oder Sauerland zum Beispiel und sich als WDR-Mitarbeiter zu erkennen gibt, kann viel Lob einstreichen.“
 
Auch die Kritik, die ARD erreiche die jüngeren Zuschauer nicht mehr, will Schönenborn so nicht stehen lassen. Richtig sei zwar, dass es zu wenige Formate für jüngere Zuschauer gäbe, sofern es sie gibt, seien sie aber meist erfolgreich in der Zielgruppe. Wichtige wäre es, vor allem bei den Nachrichten einen Ton zu finden, der Ältere und Jüngere gleichermaßen anspricht. [ps]

Bildquelle:

  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

114 Kommentare im Forum

  1. AW: Jörg Schönenborn: "Rundfunkbeitrag ist 'Demokratieabgabe'" Nach dem ersten Lachkrampf, frage ich mich natürlich, ob man dann im ör Rundfunk ab Januar nur noch objektiv und unbeeinflußt berichten wird, dass wäre die Grundvoraussetzung für eine "Demokratieabgabe".
  2. AW: Jörg Schönenborn: "Rundfunkbeitrag ist 'Demokratieabgabe'" KEINE MACHT DEN DROGEN!!! ...oder ist das Realsatire und ich verstehe sie bloß nicht
  3. AW: Jörg Schönenborn: "Rundfunkbeitrag ist 'Demokratieabgabe'" *Hüstel* Seit wann sichert die Bundesliga und das Musikantenstadl die Demokratie?
Alle Kommentare 114 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum