Jugendkanal von ARD und ZDF: Geld spielt keine Rolle?

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Neue Wege wollen ARD und ZDF mit ihrem Jugendkanal in Bezug auf Zielgruppe und Verbreitungsweg gehen. Zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Projekts sind bisher 45 Millionen Euro vorgesehen, aber laut dem Vorsitzenden des SWR-Verwaltungsrates Hans-Albert Stechl sollen die Planungen „wegen einer Million“ nicht scheitern.

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Lange Planungen, bisher kaum Details, kurzzeitig stand das ganze Projekt schon kurz vor dem Aus: das gemeinsame Jugendangebot von ARD und ZDF. Nun steht fest, dass es Mitte 2016 an den Start gehen soll und der öffentlich-rechtliche Rundfunk damit neue Wege bestreiten will – sowohl in der angesprochenen Zielgruppe als auch im Verbreitungsweg. Zur Finanzierung sind 45 Millionen Euro vorgesehen, allerdings solle das innovative Projekt nicht „wegen einer Million“ scheitern, erklärte der Vorsitzende des SWR-Verwaltungsrates Hans-Albert Stechl auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschlands am Montag.

Allerdings hielt Stechl daran fest, dass die Finanzierung aus bestehenden Geldern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bestritten werde, eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags werde für die Einführung des Jugendangebotes nicht erfolgen. Zur Finanzierung des Kanals sei nach wie vor die Abschaltung der öffentlich-rechtlichen Spartensender EinsPlus und ZDFkultur geplant, die aber von den Vorgaben der Politik abhängig seien.
 
Die Planungen für ein gemeinsames Jugendangebot von ARD und ZDF, das sich an junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren richten soll, laufen seit zwei Jahren. Im Oktober 2014 entschieden die Ministerpräsidenten der Länder, dass das ursprünglich als Fernsehsender geplante Angebot ausschließlich online ausgespielt werden soll. Inzwischen sind die Planungen konkreter geworden, ein Konzept  für das Jugendangebot steht. Auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland sagte Stechl, das Konzept sei „auf mittlerer Abstraktionsebene“ formuliert. Laut Florian Hager, der ab Juni die Geschäftsführung des Jugendangebotes übernehmen wird, liege das Konzept nun den entsprechenden Gremien vor, die darüber abzustimmen hätten.
 
Die Entscheidung, das Jugendangebot auf einen reinen Online-Kanal zu reduzieren, hält Hager für „vollkommen richtig“. Er sieht darin zwar eine „Riesenaufgabe“, denn ein Angebot ganz ohne einen klassischen Fernseh- oder Radiokanal wird die öffentlich-rechtlichen Sender vor eine gewaltige Herausforderung stellen. „Ein digitales Angebot aus der digitalen Welt heraus, das ist das spannende an diesem Angebot“, so Hager. Mit der Online-Verbreitung des Jugendangebotes würde man dem Medienverhalten der angepeilten Zielgruppe, die in die digitale Welt hineingewachsen seien, allerdings entgegenkommen.
 
Zum Inhalt des Konzeptes nannte Hager auch auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland keine Details. Er betonte aber, dass man für das Jugendangebot eigene Inhalte produzieren wolle und alle Genres bedient werden sollen. „Wir wollen junge Menschen erreichen“, sagte Hager. Das könne nur mit einem Programm für statt über die Zielgruppe funktionieren.
 
Hager plane „kein klick-optimiertes Angebot“, im Zentrum des Jugendkanals soll vielmehr der öffentlich-rechtliche-Programmauftrag mit den drei Eckpfeilern aus Information, Unterhaltung und Bildung stehen. Er denke dabei allerdings nicht an klassische Nachrichten, diese seien im öffentlich-rechtlichen Programm ausreichend vorhanden. Stattdessen werde Musik einen wesentlichen Schwerpunkt des Programms ausmachen.
 
Hager, der bisher als stellvertretender Programmchef von Arte tätig ist, blickt optimistisch in die Zukunft und auf seine neue Aufgabe. Er geht davon aus, dass es ihm mit dem Jugendangebot gelingen wird, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiterzuentwickeln und ihm eine neue Zielgruppe zu erschließen. [kw]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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12 Kommentare im Forum

  1. Und wieder mal werden unsere Zwangsgebühren millionenweise, sinnlos verpulvert und in den Sand gesetzt. Das ist an Dreistgkeit kaum noch zu überbieten.
  2. AW: Jugendkanal von ARD und ZDF: Geld spielt keine Rolle? ". Er betonte aber, dass man für das Jugendangebot eigene Inhalte produzieren wolle und alle Genres bedient werden sollen" Und das mit 45 Millionen... viel Glück dabei
  3. AW: Jugendkanal von ARD und ZDF: Geld spielt keine Rolle? vor allem auf die Namensgebung bin ich gespannt. ich hoffe dafür geben die kein Geld aus, sondern lassen die Zielgruppe etwas einreichen...
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