Kirch macht mobil gegen Deutsche Bank-Breuer

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Auf der heute stattfindenden Hauptversammlung der Deutschen Bank will Leo Kirch gegen Ex-Vorstandschef Rolf Breuer angehen.

Das Vorstandsprotokoll der Deutschen Bank vom 28. Februar 2002 hat sehr viel Wirbel verursacht, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Da solle etwas stehen über den Kunden Leo Kirch. Als die Ermittler das Dokument dann lasen, stand da nichts zu Kirch, dem Münchner Medienmilliardenjongleur, der im Februar 2002 um den Erhalt seines TV-Konzerns gekämpft hatte. Die Staatsanwälte, so die Süddeutsche Zeitung weiter, wurden auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vorstellig, die über Kopien der wichtigen Protokolle aus großen Geldhäusern verfügt, doch auch in dem hier ausgereichten Protokoll stand nichts über Kirch.
 
So besorgten sich die Staatsanwälte beim Richter Beschlüsse, um bei der Bafin direkt der Sache auf den Grund zu gehen. Und, siehe da: Die Fassung, die sie jetzt zu lesen bekamen, enthielt sehr wohl eine Passage zu Leo Kirch. Danach hatte der seinerzeitige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, auf der Sitzung über den Klienten aus München informiert; der Vorstand beschloss, dass man als ersten Schritt Herrn Kirch mit der Frage angehen sollte, ob er uns ein Mandat geben würde für die Neuordnung und den lukrativen Weiterverkauf einzelner Teile des Kirch-Konzerns.
 
Die Folge ist bekannt: Kirch lehnte ab, sein Unternehmen war im April 2002 pleite. Für den einstigen TV-Pionier ist Breuer der Schuldige. Der Banker habe mit einem Interview in New York am 3. Februar 2002 den Zusammenbruch ausgelöst: Was alles man darüber hören und lesen kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen, hatte Breuer über Kirchs Verbund gesagt.
 
Dieser Spruch, die Banksitzungen, das ominöse Vorstandsprotokoll – all das spielt eine Rolle in dem von Kirch angestrengten strafrechtlichen Verfahren gegen die Deutsche Bank und Breuer, in dem Kirch schon zweimal gewonnen hat. Und es wird eine Rolle spielen am heutigen Mittwoch, wenn das größte deutsche Finanzinstitut zur Hauptversammlung in die Frankfurter Messefesthalle lädt mit Aufsichtsratschef Breuer als Zeremonienmeister. Für Kirch wird ein Anwalt voraussichtlich einen langen Katalog unangenehmer Fragen stellen. Mit der gleichen Methode hat der Kaufmann, der vor genau 50 Jahren in Nürnberg mit der Firma Sirius begonnen hat, schon mal dem Axel Springer Verlag schwer zugesetzt, dessen wichtige Chefredakteurs-Personalien er schließlich entscheidend mitbestimmte und an dem er 40 Prozent hielt.
 
Quasi als Einstimmung zur Frankfurter Festhallen-Festivität am Mittwoch platzierte Kirch markige Sprüche im Spiegel. Die Zerschlagung des Kunden Kirch war Bankenpolitik, sagte er. Und: Breuers Bloomberg-Interview war meine Schlachtung, und es war sehr effektiv. Das war keine unbedachte Äußerung. So einen gedrechselten Satz sagt man nicht einfach so. Das war abgestimmt, mit Anwälten abgesprochen.
 
Tatsächlich hatte die Deutsche Bank von Anfang an Investmentbanking im Sinn, als sie einen Kirch- Kredit über 720 Millionen Euro von der Berliner Bank übernahm mit dem 40-Prozent-Springer-Paket als Pfand. Allein dafür wollte der WAZ-Konzern mehr als eine Milliarde Euro bieten. Doch Kirch wurde auch Opfer seiner Expansionsstrategie, bei der er Partnern Optionen auf Verkäufe offeriert hatte etwa dem Hause Springer, dessen Vorstandschef Mathias Döpfner prompt, fristgerecht, 767 Millionen Euro für einen Anteil an Kirchs ProSiebenSat.1 Media AG forderte. Kirch konnte nicht zahlen. Döpfner sei nur ein Kriegsgewinnler, sagt er jetzt im Spiegel: Erschossen hat mich der Rolf.
 
Rolf, das ist Bankier Breuer und von dem fordert der zuckerkranke, unbeugsame Kirch aus München am Ende womöglich Kompensation in Milliarden-Höhe. Elf Millionen Euro hat Kirch in Prozesse investiert, auch in New York: Ich weiß, ich werde gewinnen. [mg]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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