Kostenpflichtige Mediathek von ARD und ZDF verzögert sich

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Die kostenpflichtige Vermarktung des Programmarchivs von ARD und ZDF ist ins Stocken geraten. Das Projekt „Germany’s Gold“ wurde anders als angekündigt bislang nicht zur Prüfung beim Bundeskartellamt eingereicht. Der angekündigte Start zum Jahresende ist damit vom Tisch.

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Ende April hatten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten erstmals Planungen für ein gemeinsames Programmarchiv im Internet bestätigt. In Zusammenarbeit mit Studio Hamburg und Filmhändler Jan Mojito sollen Zuschauer gegen eine monatliche Gebühr Zugriff auf das prall gefüllte Programmarchiv von ARD und ZDF erhalten. Anders als bei den bereits existierenden Mediatheken soll der Fokus dabei auf älterem Archivmaterial und Klassikern aus 60 Jahren deutscher Fernsehgeschichte liegen.
 
Auf dem 23. Medienforum NRW stellte Carl Bergengruen, Geschäftsführer von Studio Hamburg, einen Starttermin im Dezember 2011 in Aussicht. Dabei sei in der Überlegung, Nutzern neben einer gebührenpflichtigen Variante auch einen über Werbeeinblendungen finanzierten Gratiszugriff einzuräumen, hatte Bergengruen ausgeführt.
 
„Die ursprünglichen Pläne darf man nicht in Stein gemeißelt sehen“, relativierte jetzt Stephan Adrian, Geschäftsführer von ZDF Enterprises, auf Anfrage des Branchendienstes „Kontakter“ (aktuelle Ausgabe). Nach derzeitigem Stand werde man Anfang September einen Anlauf starten, das Projekt bei den Medienhütern zur Genehmigung vorzulegen. Geplant sei jetzt eine Aufschaltung innerhalb des zweiten Quartals 2012.

 





„ARD und ZDF sollten nicht mit dem Kopf vor die selbe Wand rennen“

In dem Bericht wurde über Verhandlungen mit weiteren Partnern als Grund für die Verzögerung spekuliert. Nachdem RTL und ProSiebenSat.1 ein gemeinsames Mediatheken-Projekt mit Blick auf die Erlangung einer marktbeherrschenden Vormachtstellung untersagt worden war, möchten ARD und ZDF offenbar auf Nummer sicher gehen und durch eine breite Palette von Inhaltelieferanten jegliche Monopolbefürchtungen ausräumen.
 
Das Projekt ist nicht unumstritten, da kommerzielle Aktivitäten öffentlich-rechtlicher Sender in der rechtlichen Grauzone anzusiedeln sind. Mit ZDF Enterprises und der WDR Mediagroup übernehmen deshalb auch die beiden Tochtergesellschaften die Federführung, die nach Regelungen des Rundfunkstaatsvertrages als einzige privatwirtschaftlich im Markt tätig werden dürfen.
 
Der CDU/CSU-Medienexperte Thomas Jarzombek hatte die Pläne für „Germany’s Gold“ im Gespräch mit DIGITAL FERNSEHEN massiv kritisiert. Im Rundfunkstaatsvertrag sei für ARD und ZDF klar festgeschrieben, dass Werbung und Sponsoring im Telemedien-Bereich, unter den auch Online-Angebote fallen, nicht zulässig seien, sagte Jarzombek. „Tricksereien über Tochtergesellschaften laufen ganz klar dem Sinn und Willen des Staatsvertrags entgegen und würden in einer solchen Größenordnung geradezu nach gerichtlicher Klärung rufen“, konstatierte der Politiker. [ar]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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2 Kommentare im Forum

  1. AW: Kostenpflichtige Mediathek von ARD und ZDF verzögert sich Wieso? Ist doch ne rein private Sache (weil dort nur Dinge angeboten werden sollen, die die Sender auf Druck der Privaten nicht mehr kostenfrei anbieten dürfen).
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