LfM: „2008 war ein Spitzenjahrgang“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Leipzig – Prof. Dr. Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), blickt im Interview mit DIGITAL FERNSEHEN auf das Jahr 2008 zurück und beurteilt zudem die Herausforderungen, die 2009 auf die LfM zukommen.

DIGITAL FERNSEHEN: Herr Prof. Schneider, wie ist das Jahr 2008 für die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen gelaufen?
 
Prof. Dr. Norbert Schneider: Wenn ich Winzer wäre, würde ich sagen: ein Spitzenjahrgang! Die Themen Nutzerschutz, Sicherheit von Daten, die Digitalisierung, die Förderung von Medienkompetenz und der Systemwechsel beim Bürgerfunk standen für uns im Mittelpunkt – die medienpolitischen Debatten in diesem Jahr waren dadurch gekennzeichnet, dass diese Themen in vielfältiger Art und Weise besprochen wurden – mit zum Teil runden Ergebnissen.
 
DF: Was sind im Rückblick die Höhepunkte Ihrer Arbeit im vergangenen Jahr?
 
Schneider: Die LfM hat – nach den Änderungen in der Struktur der Medienaufsicht – weiterhin länderübergreifend die Verantwortung bei den Themen Programm und Werbung. Die Verabschiedung der sog. Gewinnspielsatzung und die Selbstverpflichtung beim „Beratungs-TV“ sind hier als erste Ergebnisse zu nennen.

Ein weiterer Höhepunkt war die Frage, wie das Hörfunksystem in NRW, das ja auf UKW beruht, in die digitale Zukunft überführt werden kann. Hierzu führte die LfM ein Konsultationsverfahren mit den Beteiligten durch, deren Ergebnisse öffentlich diskutiert worden sind. Beim Fernsehen stand die Debatte um die Lizenzierung lokaler und regionaler Angebote im Vordergrund.
 
Herausheben muss man wohl auch die Diskussion um den Nutzerschutz, zu dem wir übrigens ja auch gesetzlich verpflichtet sind. Die LfM hat im Sommer in einer breiten Initiative z. B. vor den Gefahren durch das Internetangebot „Rotten Neighbor.com“ gewarnt.
 
Ein neues wichtiges Thema sind die Chancen und Risiken der Computerspiele und – zusammen mit der EU-Initiatve klicksafe – die Auseinandersetzung mit sozialen Netzwerken.
 
DF: Sehen Sie die Erwartungen und Ziele, die sich die LfM für 2008 gesetzt hatte, als erfüllt? Bitte begründen Sie.
 
Schneider: Wir können leider keine Jahrespläne nach Art spätsozialistischer Länder aufstellen. Man kann sich viel vornehmen, aber man braucht immer Partner. Wo wir die gefunden haben – in der Politik, in der Wissenschaft, bei Bürgergruppierungen und auch bei anderen Landesmedienanstalten – haben wir unsere Vorstellungen im Wesentlichen erreicht. Regulieren ist keine Solonummer.

DF: Welche Pläne haben sie für 2009? Welche besonderen Höhepunkte und Herausforderungen kommen im nächsten Jahr auf die LfM zu?
 
Schneider: Nach der Zulassung von regionalen und lokalen TV-Angeboten wird es im nächsten Jahr für die LfM darum gehen, Veranstalterstrukturen so zu schaffen, dass sie beides sind: wirtschaftlich erfolgreich und in ihrer Meinungsmacht verfassungskonform.
 
Ein aufwachsendes Thema wird sein, wie man digitale Geschäftsmodelle und Datenschutz miteinander verbinden kann. Das alles überwölbende Thema wird jedoch mit der Frage verbunden sein, wie man verhindern kann, dass die schwierige wirtschaftliche Entwicklung die publizistischen Ansprüche nachhaltig beschädigt.
 
DF: Welchen Stellenwert hat das Thema Medienkompetenz in der Arbeit des kommenden Jahres?
 
Schneider: In der LfM unterstützen und entwickeln wir Maßnahmen zur Förderung von Medienkompetenz mit Blick auf alle Medien (TV, Radio, Buch, Onlinemedien). Wegen der aktuellen Entwicklungen bei den Onlinemedien (Stichworte Handys mit Internetzugang, Web 2.0 etc.) ist für uns der Bereich onlinebezogener Medien aber von herausragender Bedeutung im kommenden Jahr. Wir werden uns sicher noch stärker mit dem Problem von Datenmissbrauch wie z.B. beim „Cyber-Mobbing“ befassen. Wir müssen Kinder und Jugendliche davor schützen, dass sie in die Datenfalle laufen, die Geschäftemacher aufstellen.

Medienkompetenz ist natürlich auch das Stichwort bei den Bürgermedien, wo es grundlegende Änderungen gab. Hier wird das Hauptaugenmerk auf dem Start und dann auf der Entwicklung des neuen landesweiten Ausbildungs- und Erprobungskanals liegen.
 
DF:Die aufkommende Finanzkrise betrifft auch die privaten Medien. Sehen Sie auf die von ihrer Medienanstalt zugelassenen Unternehmen Schwierigkeiten zukommen? Und sehen Sie Möglichkeiten den Unternehmen in einem solchen Fall helfen zu können?
 
Schneider: Natürlich wird sich die Krise auf den Werbemarkt und damit direkt auf die Einnahmesituation der Veranstalter auswirken. In welchem Umfang ist noch nicht anzusehen.
 
DF: Der Handyfernsehstandard DVB-H hat sich bisher nicht wirklich durchsetzen können. Gibt es Interessenten, die sich zuletzt bei Ihrer Landesmedienanstalt hinsichtlich einer DVB-H-Verbreitung erkundigten oder sogar einen Antrag auf Verbreitung eines DVB-H-Programmes stellten?
 
Schneider: Eine Sondierungsgruppe der Landesmedienanstalten hat den Auftrag vor einer Ausschreibung des DVB-H-Regelbetriebs zunächst die Investitionsbereitschaft potentieller Interessenten sowie die Realisierungschance von neuen Geschäftsmodellen auszuloten. Neue Anträge auf Verbreitung eines DVB-H-Programms liegen aber noch nicht vor.
 
DF: Herr Prof. Schneider, vielen Dank für das Gespräch. [mth]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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