Medienanstalten nicht grundsätzlich gegen Verschlüsselung

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Berlin – Das Jahr 2006 hat gezeigt, dass mit der Digitalisierung neue Geschäftsmodelle in den Medienmarkt drängen und künftig immer häufiger die Nutzer und nicht mehr die Programmveranstalter für die Übertragung zu zahlen haben.

Dies ist eine Erkenntnis des heute im Rahmen des Symposiums „Dynamische Technik – Medien in der beschleunigten Konvergenz“ der DLM in Berlin vorgestellen Digitalisierungsberichtes 2006. Demnach konnten in diesem Jahr bereits 31,6 Prozent der Fernsehhaushalte in Deutschland digital empfangen, 2005 waren es noch 25,7 Prozent. Digitales Fernsehen sei damit längst aus der Nische für Technikverliebte herausgetreten und erlange zunehmende Relevanz am Markt, resümierte Dr. Hans Hege, Vorsitzender der Gemeinsamen Stelle Digitaler Zugang,

„Digitalisierung ist mehr als eine technische Umstellung. Das Jahr 2006 hat gezeigt, dass mit ihr neue Geschäftsmodelle und neue Akteure in den Medienmarkt drängen, die zu großen Verwerfungen führen können“, so Hege. So verändere sich beispielsweise die Rolle der Kabelnetzbetreiber dramatisch, da sie nun als Plattformanbieter auch ins Geschäft mit Inhalten drängten. Nach der insgesamt erfolgreichen Umstellung der Terrestrik auf DVB-T in den Ballungsräumen, bei der Akteure und Geschäftsmodelle noch dem analogen System folgten, erweise sich die Digitalisierung des Kabels als größte Herausforderung für die Marktpartner und auch den Regulierer.
 
Zukünftig würden zudem immer häufiger die Nutzer und nicht mehr die Programmveranstalter für die Übertragung zu zahlen haben. Die dafür erforderlichen Vermarktungsmodelle und Plattformen entstehen derzeit. Vertikale Integration drohe an dieser Stelle, den Wettbewerb und die Vielfalt zu beeinträchtigen. Die Landesmedienanstalten fordern deshalb die nötigen Kompetenzen, um dem wirksam begegnen zu können.
 
„Die Landesmedienanstalten wollten der Adressierbarkeit und Verschlüsselung nicht grundsätzlich im Wege stehen“, so Hege weiter. Jedoch müsse den Nutzern dafür auch ein digitaler Mehrwert mit neuen Angeboten geboten werden. Wer mit einer Grundverschlüsselung „Pay-TV light“ einführen wolle und nun für bisher frei empfangbare Programme Geld verlange, werde auf klare Ablehnung stoßen.
 
Als Herausforderung sieht die Gemeinsame Stelle Digitaler Zugang die analog-digitale Übergangsphase. Durch die Abschmelzung der analogen Kanäle zugunsten digitaler Plätze und Triple-Play-Angeboten geraten vornehmlich kleinere und regionale Programmveranstalter unter starken Druck. Hier wollen die Landesmedienanstalten künftig gemeinsam dafür sorgen, die Last dieser Umstellungsphase auf möglichst viele Schultern zu verteilen.
 
Die Terrestrik weist inzwischen von den drei Hauptübertragungswegen den höchsten Digitalisierungsgrad auf. Fast 60 Prozent der Antennennutzer empfangen digital und die Akzeptanz von DVB-T hat auch 2006 weiter zugenommen. Zugleich belegt DVB-T aber auch die Bedeutung des privaten Rundfunks im dualen System. So zeigt der Digitalisierungsbericht 2006, dass sich DVB-T in den ausgebauten Ballungsräumen zunehmender Beliebtheit erfreut, während die DVB-T-Nutzung in den ausschließlich öffentlich-rechtlich versorgten Gebieten deutlich hinter den Ballungsräumen zurück bleibt. [sch]

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