Medienforum NRW: „TV-Nutzung in Deutschland bleibt ungebrochen“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Im Vorfeld des Medienforums NRW sprach DIGITAL FERNSEHEN mit dem Veranstalter des Medienforums NRW. So sieht Jan Lingemann, Geschäftsführer der Mediencluster NRW GmbH, das Interesse am klassischen Fernsehen ungebrochen.

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Vom 7. bis 9. Juni findet nunmehr zum 28. Mal in diesem Jahr das Medienforum NRW statt. Auf welche Highlights und Gäste können sich die Teilnehmer 2016 freuen?
 
Jan Lingemann: In den letzten Jahren hat sich das Medienforum NRW in Abgrenzung zu anderen Kongressen insbesondere als jährliche B2B-Plattform für und mit Vertretern der Medienbranche erfolgreich etabliert. In diesem Verständnis fokussieren wir uns auch in diesem Jahr in einer klaren Programmstruktur auf die Veränderungen und den ‚Next Level‘ von Fernsehen und Radio, Content und Journalismus. Nach dem Erfolg von 2015 bei den Besuchern werden wir dabei auch 2016 neben Debatten und Keynotes auf Showcases zu den Hauptthemen des Kongresses setzen. Wir freuen uns, dass wichtige Akteure der Branchen ihr Kommen zugesagt und aktuelle Formate, Plattformen und Innovationen anschaulich präsentieren werden.
 
Zudem haben wir mit den Zukunfts-Talks mit jeweils herausragenden Branchen-Persönlichkeiten ein neues Format aufgenommen, von dem wir uns eine noch tiefere Betrachtung der aktuellen Entwicklungen und zudem eine hohe Attraktivität für die Besucher versprechen. So freuen wir uns in diesem Jahr auf Prof. Dr. Karola Wille und Dr. Georg Kofler, die in Einzelgesprächen ihre Sicht der Dinge präsentieren und den Bogen dabei etwas weiter spannen können als das in Panel-Diskussionen möglich ist. Beibehalten haben wir die in den letzten beiden Jahren bewährte gemeinsame Eröffnung mit der ANGA COM und den medienpolitischen Schwerpunkt in unserem Programm am ersten Kongresstag, der auf die aktuellen Entwicklungen in der Regulierung einer konvergenten Medienordnung eingeht.
 
Und wir freuen uns, dass im Rahmen der gemeinsamen Eröffnung die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, an die Besucher wenden wird und darüber hinaus erstmals in diesem Jahr Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin Mediengruppe RTL Deutschland, und Vodafone Deutschland-CEO Dr. Hannes Ametsreiter an der Eröffnung teilnehmen. 

Frühzeitig wurde bekannt, dass zu den wichtigen Themen in diesem Jahr auch die Analogabschaltung im Kabel gehören wird. Wie wichtig ist eine endgültige Verabschiedung vom analogen Fernsehen in Deutschland für die komplette Branche?
 
Lingemann: Im Februar hat sich die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) für eine Volldigitalisierung des Kabelnetzes bis 2018 ausgesprochen. Und im April gab Unitymedia bekannt, die analoge Verbreitung von TV-Programmen zum 30. Juni im kommenden Jahr vollständig einzustellen. Die Analogabschaltung und insbesondere ihre zeitliche Ausgestaltung, verbunden etwa mit der Frage, wie lange eine Simulcastphase dauern wird, etc., ist gerade für kleinere Sender eine sehr drängende Frage.
 
Ein weiteres Schwerpunktthema in diesem Jahr ist „Next Level Television“. Was kann sich der Interessent darunter vorstellen?
 
Lingemann: Ein breit gefächertes Programm, das die Entwicklung im klassischen TV ebenso betrachtet, wie die Trends im non-linearen und Streaming-Bereich. Den aktuellen Entwicklungen entsprechend gehen wir das Thema jedoch eher von der Online-Seite an, mit internationalem Input. Zum Auftakt wird René Rechtman, President International der Maker Studios, zu Gast sein – einem der weltweit reichweitenstärksten MCNs und Tochterfirma des Disney-Konzerns, das seine Deutschland-Dependance zuletzt in Köln eröffnete. Er stellt seine Vision vom Fernsehen in einer sich stetig ausdifferenzierenden Multiplattformwelt vor. Welche neuen Strategien im Content-Bereich die Antwort auf die neuen Möglichkeiten der erweiterten Angebotswelt sein können, und wie Inhalte hier Relevanz erlangen können, erörtern Vertreter von Sendern und Plattformen, u.a. Joel Berger, Google Deutschland, Jens-Uwe Bornemann, FreemantleMedia Group, Benjamin Ruth, Vice Media, und Sebastian Weil, Studio71 der ProSiebenSat.1 Group.
 
Einen besonderen Fokus legen wir am Mittwochnachmittag auf die Multi Plattform Networks. Hier präsentiert Christian Zabel von der TH Köln Ergebnisse der ersten repräsentativen Studie zur deutschen Youtube-Szene, die im Auftrag der Film- und Medienstiftung NRW entsteht. Besonders hervorheben möchte ich noch die Debatte um die aktuellen Chancen für die deutsche Qualitätsserie. Hier diskutieren u.a. Jörg Winger, UFA Fiction, Moritz von Kruedener, Beta Film, und Prof. Gebhard Henke, WDR. Eine Herausforderung im Wettbewerb um die jungen Mediennutzer liegt bei den öffentlich-rechtlichen TV-Anbietern. Hier zeigen der Programmgeschäftsführer des Jugendangebotes von ARD und ZDF Florian Hager und Stuart Wettenhall von BBC Worldwide, wie sie mit ihren Angeboten auf die veränderte Mediennutzung junger Zielgruppen eingehen.
 
Auch die Verlagerung beim Fernsehen vom klassischen Übertragungsweg hin zu TV-Angeboten und Bewegtbildinhalten im Internet ist erneut Thema des Medienforums. Wie schätzen Sie die Entwicklung bei diesem Thema innerhalb des letzten Jahres ein?
 
Lingemann: Die klassische TV-Nutzung in Deutschland bleibt ungebrochen auf einem sehr hohen Niveau und wird hier allen Prognosen zur Folge auch weiterhin verweilen. Non-lineare Nutzung und Streamingdienste kommen hinzu, ergänzen das Angebot und wachsen – auf einem insgesamt noch sehr niedrigen Niveau – sehr dynamisch. Insgesamt nimmt die Nutzung von Bewegtbildangeboten über alle Verbreitungswege zu. Das Medienforum NRW widmet sich der Frage, was diese Entwicklung für Inhalteanbieter und Produzenten für Chancen und Herausforderungen bedeuten und welche Antworten sie auf diese Transformation der Mediennutzung geben.
 
Auch das Thema Virtual Reality ist im Programm des diesjährigen Medienforums zu finden. Speziell bei jungen Nutzern löst dies einen wahren Hype aus. Wie sehen Sie die Zukunftschancen der neuen Technologie?
 
Lingemann: Virtual Reality ist in der Tat ein vieldiskutiertes Thema und scheint anders als 3D eine nachhaltige Entwicklung zu sein, wenn auch noch mit einem Schwerpunkt in anderen Bereichen als dem klassischen TV, etwa im Gaming. Die Möglichkeit, mit VR-Brillen eine neue Erlebniswelten zu erschließen, steigen und stellt Content-Entwickler und TV-Anbieter vor neue Herausforderungen. Wie sie sich ihnen stellen wollen, wird das Medienforum in Köln diskutieren.
 
Unter anderem geht es auf dem Panel zu Virtual Reality auch um die Umsetzung im TV. Schätzen Sie, dass die TV-Sender das Thema zeitnah meistern können?
 
Lingemann: Genau das wird das Thema auf dem Medienforum sein – wir wollen das Potenzial und die Chancen von Virtual Reality für Bewegtbildangebote und TV-Macher betrachten. Dabei freuen wir uns besonders auf internationale Experten. So wird u.a. Brian Seth Hurst von Storytech/The Opportunity Management Company aus Kalifornien nach Köln kommen, ein international erfahrener Spezialist, wenn es darum geht, neue Technologien in inhaltliche Kategorien zu „übersetzen“. Er wird einen Einblick geben in den State-of-the-Art der Virtual Reality im Hinblick auf Content, Technologie und Distribution im Fernsehbereich, und welche speziellen Anforderungen die Entwicklung von VR-Inhalten an die TV-Akteure stellt.
 
In den letzten Wochen gab es große Diskussionen darüber, was Medien in der Bundesrepublik dürfen und was nicht. Das Thema Jan Böhmermann polarisiert. Wird das Thema auf dem Medienforum NRW diskutiert?
 
Lingemann: Die Causa Böhmermann wird ja bereits unter allen denkbaren Aspekten breit diskutiert, und das ist auch gut so. Allerdings beschäftigt sich das Medienforum NRW auf einer übergeordneten Ebene mit dem Thema Medien- und Meinungsfreiheit als Grundpfeiler freier Gesellschaften und funktionierender Demokratien. Unter der Überschrift „Media’s critical mass for democracy“ erörtern wir – in Kooperation mit der Deutschen Welle – am Mittwoch im Programmschwerpunkt „Next Level Journalism“ die Folgen staatlicher Meinungseinschränkung für gesellschaftliches Leben und journalistischen Alltag sowie Strategien, dagegen anzugehen. Hier wird u.a. Zhanna Nemtsowa zu Gast sein, die Tochter des ermordeten russischen Regimekritiker Boris Nemtsow – sicherlich eine äußerst spannendes Podium. [rp]

Bildquelle:

  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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1 Kommentare im Forum

  1. Lang ist es her, dass es anlässlich des Medienforums in Köln immer ein Medienbürgerfest gab! Da waren alle Sender mit Bühnen und Promis direkt am Dom vertreten. Aber offenbar müssen die armen Sender ja sparen...
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