Nach Abschaltung: Türkische TV-Kanäle senden auf Regierungskurs

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Nach ihrer zwischenzeitlichen Abschaltung haben die beiden türkischen TV-Sender Bugün TV und Kanaltürk ihren Betrieb nun wieder aufgenommen: Unter staatlicher Obhut entspricht das gezeigte Programm kurz vor der Parlamentswahl in der Türkei nun dem Regierungskurs.

Nachdem die türkischen Behörden durch die Stürmung der TV-Sender Bugün TV und Kanaltürk die Kontrolle über beide Kanäle erlangt haben, entspricht das gezeigte Programm nun dem Regierungskurs: Statt Nachrichten sind auf beiden nur Wohlfühlprogramme zu sehen.
 
Anfang der Woche wurde der regierungskritische Medienkonzern Koza Ipek, dem beide TV-Sender angehören, unter staatliche Obhut gebracht: Die Mediengruppe war von einem Gericht in Ankara eine staatliche Treuhandverwaltung verordnet worden. Dem Konzern wird Unterstützung der Bewegung um den islamischen Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Der ehemalige Verbündete des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zählt heute zu dessen Erzfeinden und steht unter Verdacht, die türkische Regierung stürzen zu wollen, sodass die Gülen-Bewegung inzwischen als Terrororganisation eingestuft wird.

Am Mittwoch begann die Polizei mit der Stürmung der beiden TV-Sender der Koza-Ipek-Gruppe, um auf diesem Weg deren Abschaltung zu erzwingen. Dazu verschaffte sie sich vor laufenden Kameras gewaltsam Zutritt zu den Räumlichkeiten.

Anfang Oktober hatte ein türkisches Gericht Bugün TV und Kanaltürk sowie fünf weiteren regierungskritischen TV-Kanälen ein Sendeverbot erteilt. Daraufhin gingen die betroffenen Sender zwar auf der Fernsehplattform Digitürk vom Netz, waren aber weiterhin über die Türksat-Satelittenplattform zu empfangen. Mittwochnachmittag gelang den Behörden dann die vorübergehende Einstellung des Fernsehprogramms beider Sender, bis diese ihren Betrieb mit harmloser Berichterstattung wieder aufnahmen – inzwischen unter staatlicher Zwangskontrolle.

Mittwochabend rechtfertigte der türkische Ministerpräsident Erdogan das rigorose Vorgehen mit der Flucht des Koza-Ipek-Chef Akin Ipek ins Ausland, die ihn verdächtig machen würde: Würde es „keine Unregelmäßigkeiten“ geben, wie Ipek es behauptet, müsse er „in seinem Land bleiben“.

Laut dem türkischen Sender NTV soll Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dem Kanal gegenüber auf eine Anordnung der Justiz verwiesen haben, auf den die Regierung keinen Einfluss habe. „Von einem Eingriff unsererseits kann keine Rede sein“, so Davutoglu. „Selbstverständlich gibt es Pressefreiheit in der Türkei, und die gilt es zu respektieren.“
 
Am Sonntag wird in der Türkei ein neues Parlament gewählt. [kw]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

5 Kommentare im Forum

  1. Nee, haben die nicht. Es gibt in Deutschland keine Sender außer den ÖR, die von Ihrer Ausrichtung her etwas über Politik berichten würde. Aber selbst wenn, dann würden sie bestimmt nicht abgeschaltet werden.
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