ORF-Generaldirektor lässt Sitzung zur Gehaltsverhandlung platzen

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Wien – Der ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz erscheint nicht zu einer geplanten Runde zur Gehaltsverhandlung der Mitarbeiter und erzürnt damit den Zentralbetriebsrat des ORF.

Für heute war Angaben des Zentralbetriebsrats des ORF zufolge im ORF-Zentrum der Auftakt für die jährlichen Gehaltsverhandlungen zwischen Zentralbetriebsrat und Geschäftsführung angesetzt. Die Vertreter der Geschäftsführung seien jedoch nicht erschienen. Nach knapp einer Stunde Wartezeit hätten die Betriebsräte den Verhandlungssaal verlassen.
 
Offensichtlich hatte der Generaldirektor schon im Vorfeld – ohne Verständigung der Verhandlungspartner – die Dauer der Gehaltsrunde um eine weitere Stunde gekürzt.

Laut ORF-Betriebsrat habe der Generaldirektor es vorgezogen, statt wie vorgesehen bis 14 Uhr mit der Belegschaftsvertretung zu verhandeln, um 13 Uhr in einer sogenannten „Informationsveranstaltung“ die ORF-Mitarbeiter über „Der ORF 2009: Zur aktuellen Situation des Unternehmens“ zu informieren.
 
Die Veranstaltung „ist nichts anderes als eine Propagandashow des Dr. Wrabetz“, so der Betriebsrat weiter, „und nicht nur das: sie ist eine getarnte Pressekonferenz. Das ist der wahre Skandal, wurden doch zu dieser für die interne Information der Belegschaft gedachten Veranstaltung ‚ausgewählte Journalisten‘ eingeladen.“
 
Für den Zentralbetriebsratsvorsitzenden Gerhard Moser ist das laut Aussagen des Betriebsrats „der Gipfel eines undurchdachten und provokanten Verhaltens gegenüber der Belegschaft und ihrer Vertetung“: „Offensichtlich hat die Geschäftsführung und deren PR-Abteilung keinerlei Ahnung von der Stimmung im Hause. Hier herrscht Angst, gepaart mit Wut.“ meint er im Hinblick auf Aussagen der Geschäftsführung über Ausgliederungen und Personalabbau.
 
„Offensichtlich ist es den Herrschaften auch völlig wurscht, wie es um die Belegschaft und die Stimmung im Unternehmen bestellt ist. Nach außen wird die Trommel gerührt – mit Begriffen wie ‚High Noon‘ und ‚D-DAY‘ – und innen werden weder von Spar- und Ausgliederungsplänen betroffene MitarbeiterInnen noch deren betriebsrätliche Vertreter informiert.“
 
Das widerspreche nicht nur den Regeln der Arbeitsverfassung sondern auch den Gepflogenheiten sozialpartnerschaftlichen Umgangs im ORF, hält dem der Betriebsrat entgegen: Die Zentralbetriebsräte würden deshalb „an die Vernunft des Generaldirektors“ appellieren, „an den Verhandlungstisch zurückzukehren und das System der parnerschaftlichen Konfliktaustragung nicht mutwillig zu zerstören“.
 
Der ORF-Betriebsrat sagt über die geplatzte Gehaltsverhandlungsrunde, „dass es sich hier nicht nur um eine ‚Propagandashow‘, sondern auch um eine im Geheimen organisierte Pressekonferenz handelt“.
 
Über Reaktionen zur angespannten Finanzsituation berichtete DIGITAL FERNSEHEN bereits, ebenso über Gerüchte, nach denen RTL an ORF 1 interessiert ist und entsprechenden Dementi. [ar]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

2 Kommentare im Forum

  1. AW: ORF-Generaldirektor lässt Sitzung zur Gehaltsverhandlung platzen Meine Güte beim ORF ist vielleicht was los ... irgendwie hab ich das Gefühl, dass der ORF ziemlich tief im Mist steckt...
  2. AW: ORF-Generaldirektor lässt Sitzung zur Gehaltsverhandlung platzen Tja, das kommt davon, wenn man mit Gebührengelder (die man ja ausschließlich für das Programm und die Infrastruktur bekommt) wilde Spekulationen tätigt, u. a. auch Zertifikate kauft. Der MDR kann davon ein Lied singen, die haben ihr Geld schon weit vor der Finanzkrise verpulvert. Ist schon eine verkehrte Welt.
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