Wendler will keine „Almosen“ im „Dschungelcamp“-Prozess

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Für seinen Unfall beim Sommer-„Dschungelcamp“ von RTL will der Schlagersänger Michael Wendler Geld und gibt sich dabei nicht mit „Almosen“ zufrieden, wie er zum Prozessauftakt erklärte. Wegen der Verletzung habe er noch immer Schmerzen.

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Die meisten Gerichtsgebäude sind ohne Glamour. Aber das Landgericht Köln, ein 100 Meter hoher und fast 40 Jahre alter Klotz, ist ein Ort von monumentaler Tristesse. Hier hat Michael Wendler (44) an diesem verhangenen Mittwochmittag einen Auftritt. Kameras und Fotografen sind dabei, aber die Beleuchtung beschränkt sich auf Neonlicht. Wendler durchmisst Gänge und Flure, dann betritt er den Saal. Sein Outfit: smart. Dunkler Anzug, schwarzes Shirt. Nur die Glitzerschuhe geben einen möglichen Hinweis darauf, welchem Business er entstammt.

Michael Wendler will Geld sehen. Er hat sich letztes Jahr bei einem Dreh für das RTL-Sommer-„Dschungelcamp“ die Hand gebrochen. Er sollte abgeseilt werden, doch statt rechtzeitig vom Seil gestoppt zu werde, kam er mit der Hand auf dem Boden auf.
 
Die rechtliche Lage ist grundsätzlich klar: Die Produktionsfirma muss zahlen. „Mitverschulden sehen wir nicht“, stellt der Vorsitzende Richter Jürgen Reiner klar. „Was sollte Herr Norberg da machen?“
 
Norberg ist der richtige Name von Michael Wendler. Es zeigt sich, dass der Sänger – er selbst nennt sich „Künstler“ – auch vor Gericht nicht auf den Mund gefallen ist. „Ich persönlich find‘ es unanständig, dass Sie mir nicht mal die Krankenhausrechnung bezahlt haben!“, fährt er die gegnerischen Anwälte an. Die Monate nach dem Unfall seien für ihn „eine sehr, sehr finanziell belastende Zeit“ gewesen. Er habe kaum noch Aufträge bekommen, weil sich alle gedacht hätten: Der ist erstmal außer Gefecht. „Das Medienecho war ja schon enorm.“
 
Die Beweglichkeit seiner Hand sei immer noch eingeschränkt, nach wie vor habe er Schmerzen. „Das Ganze hat gravierende Folgen gehabt für mein ganzes Leben. Das Jahr 2015 war eine Vollkatastrophe – und das Jahr 2016 auch.“
 
Die Gegenseite versucht, ihn zu beschwichtigen. Nachvollziehbare Ansprüche würden beglichen. Es seien ja auch schon 368.000 Euro geflossen. Nur müssten die entstandenen Ausfälle eben auch irgendwo nachgewiesen werden.
 
Eine Zeitlang quält man sich mit Details: Hat Wendler bei „Let’s Dance“ seine rechte Hand benutzt oder nicht? Kann die Aufgabe seines Pferdehofes unter Haushaltsführungsschaden abgerechnet werden?
 
Beide Seiten sind grundsätzlich offen für einen Vergleich. Wendler sagt, die Anwälte sollten mal eine Summe nennen. Vorsichtshalber warnt er sie: „Kommen Sie nicht mit irgendwelchen Almosen an!“ Die Anwälte entgegnen, er solle doch mal selber ’ne Zahl nennen. Keiner will als erster. Dann gehen die Türen zu. Keiner spricht gern vor andern über Geld.
 
Danach kommt nicht mehr viel, man vertagt sich. Aber die Beratung kann aus Wendlers Sicht nicht gänzlich unerfreulich verlaufen sein. Zwar ist man sich noch nicht einig, doch der Sänger erklärt vor der Kamera: „Wir sind einen großen Schritt weiter. Eine Annäherung steht eventuell im Raum.“ Die Schmerzen blieben natürlich. Aber die juristisch-finanzielle Seite könne möglicherweise in absehbarer Zeit abgeschlossen werden: „Ich hoffe, dass zumindest hier in dieser Sache alles gut wird.“[Christoph Driessen/kw]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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5 Kommentare im Forum

  1. Selbst wenn man dem eigentlich keine Beachtung schenkt, ist das Fremdschämen pur: Erst blamiert sich das Weichei vor aller Welt freiwillig im Fernsehen und dann will der Schmerzensgeld?? Wasn das für ne Logik?! Bei 368.000€ hat es nicht mal für seine Krankenhausrechnung gereicht? Wo hat der sich kurieren lassen? Im Puff?! Ist der nicht versichert? Kann sich das wohl nicht leisten.
  2. Es gibt zwar die "Künstlersozialkasse" (also eine Kranken- und Rentenversicherung speziell für diese Berufsgruppe). Aber die Künstler, mit denen ich in meiner Zeit beim Sozialamt zu tun hatte, sparten sich zumeist diese Kosten (was aber auch bei Selbstständigen anderer Zweige zutraf)
  3. An der Aussage ist eines falsch: Bei dem handelt es sich nicht um einen Künstler, er nennt sich nur so.
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