ZDF-Intendant verwahrt sich gegen politische Einflussnahme

16
15
Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
Anzeige

Nach dem Wortgefecht zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und „heute-journal“-Moderatorin Marietta Slomka hat sich ZDF-Intendant Thomas Bellut gegen Einflussversuche aus der Politik verwahrt.

„Wir sind in unserer journalistischen Arbeit unabhängig, egal wer in Berlin regiert“, sagte Bellut der „Bild am Sonntag“. Gleichzeitig nahm er die Moderatorin gegen die Kritik von CSU-Chef Horst Seehofer in Schutz: „Marietta Slomka ist eine hervorragende Journalistin und ein Aushängeschild für das ZDF.“

Bellut räumte Seehofer, der auch Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat ist, grundsätzlich das Recht auf Kritik ein: „Selbstverständlich sollen und können Gremienmitglieder Kritik am Programm äußern.“ Im Fall des Gabriel-Interviews vom Donnerstag teile er sie aber nicht: „In einem Live-Interview kann es auch mal zur Sache gehen. Ganz unbeteiligt war Herr Gabriel auch nicht.“
 
Slomka hatte in dem Interview verfassungsrechtliche Bedenken gegen den Mitgliederentscheid der SPD über den Koalitionsvertrag geäußert. Gabriel wies diese Einwände empört zurück und warf der Moderatorin Parteilichkeit vor. Seehofer bezeichnete Slomkas Fragen später als absurd und kündigte an, er werde Bellut einen Brief schreiben.
 
Auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat „heute journal“-Moderatorin Marietta Slomka gegen die Vorwürfe von SPD-Chef Gabriel und CSU-Chef Seehofer in Schutz genommen. „Wenn mal die Fetzen fliegen, schadet das der Demokratie nicht“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Allerdings hätten sich beide „in der Frage, ob der Mitgliederentscheid verfassungsgemäß ist, zu lange verhakt“, so Frey. „Gabriels Vorwurf der Parteilichkeit ging zu weit. Slomkas Interviews mit Guttenberg, Schäuble oder Ramsauer waren auch nicht bequem.“[dpa/fp]

Bildquelle:

  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

16 Kommentare im Forum

  1. AW: ZDF-Intendant verwahrt sich gegen politische Einflussnahme Das ist aber auch die gleiche "Politik", die sein Fernsehen so fürstlich finanziert, nicht? Mal sollte die Kirche mal im Dorf lassen. Abgesehen davon, ist das "heute-journal" keine "Slomka-Show"....
  2. Pressefreiheit beutet nicht, dass jeder kleiner Journalist ohne Anstand und Moral seine eigene Persönlichkeit profilieren kann. (Zumal Deutschland nicht von Juristen regiert werden sollte, wie es Frau Solmka es sich vorstellt.) Pressfreiheit hat etwas mit Verantwortung zu tun. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen nimmt diese Verantwortung sehr einseitig war und verkauft die eigene politische Meinung als absolute Wahrheit. Verständlich das die Politik versucht Einfluss zu nehmen. Das wäre nicht nötig, bei einer ausgewogenen Berichterstattung über alle politischen Lager und Meinungen hinweg.
  3. AW: ZDF-Intendant verwahrt sich gegen politische Einflussnahme Selbstverständlich kann man ein Interview so führen, wie das Frau Slomka getan hat. Und man darf auch so reagieren, wie es Gabriel getan hat. Es war eben lebhaft. Slomka hat nachgefragt, das ist ihr Job. Es wäre freilich besser gewesen, wenn sie Argumente gehabt hätte, statt auf einen Verfassungsrechtler zu setzen, dessen Aussage sie dann auch noch zu sehr zuspitzte. Insgesamt ist es doch ein Interview, wo das Publikum mal wach wird und interessiert zuschaut, weil eben nicht die üblichen Phrasen kommen. Frau Slomka hat ähnliche Interviews auch mit anderen Politikern geführt - auch aus dem konservativen Lager. Ihr nun Parteilichkeit unterstellen zu wollen, ist albern. Schlimm ist eher, dass sich anschließend Seehofer berufen fühlt, das ZDF zu maßregeln. Das ist wahrlich nicht sein Job.
Alle Kommentare 16 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum