Warntag naht: „Rundfunk im Krisenfall unverzichtbar“

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Telestar-Chef Frank Kirwel
Bild: Telestar Digital GmbH
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Anlässlich des nächsten Warntages hat DIGITAL FERNSEHEN mit Frank Kirwel, Geschäftsführer der Telestar Digital GmbH, über das neue EWF-Warnsystem gesprochen.

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DF:

Am 8. Dezember 2022 findet in Deutschland der nächste bundesweite Warntag statt. An diesem Aktionstag erproben Bund und Länder sowie die teilnehmenden Kreise, kreisfreien Städte und Gemeinden in einer gemeinsamen Übung ihre Warnmittel. Was halten Sie davon?

FK:

Von unserem Firmensitz sind es knapp 30 km bis zur Ahr und wir haben somit in nächster Nähe direkt miterlebt wie wichtig es ist, wenn die Bevölkerung schnell und unkompliziert über mehrere Wege rechtzeitig gewarnt wird. Unsere Warnsysteme müssen im Ernstfall funktionieren, von daher sind auch regelmäßige Tests absolut notwendig.

DF:

Ergänzend zu den bereits vorhandenen Warnmittel wie Sirenen, Warnapps oder auch jetzt Cell Broadcast befindet sich nun auch EWF (Emergency Warning Functionality) im Testbetrieb. Reichen die bisherigen Warnsysteme nicht aus?

FK:

Klare Antwort: NEIN

Die bisherigen Warnmittel sind gut und wichtig, aber nicht ausreichend. EWF ist ein auf dem DAB+ Sendenetz aufbauendes Alarmierungssystem, was im Katastrophenfall ein Notfallprogramm an entsprechende Empfänger übermittelt und so Leben retten kann. EWF ist verzögerungsfrei in Echtzeit, Robust, Kostengünstig, Barrierefrei für Hörbehinderte und Fremdsprachler und ist für Radios, öffentliche Anzeigetafeln und Lautsprechdurchsagen nutzbar.

DF:

Mit Cell Broadcast ist doch jetzt jeder erreichbar. Es hat doch im Prinzip jeder ein Handy in der Tasche.

FK:

Nach meinen Informationen gibt es in Deutschland über 300.000 Mobilfunk Basisstationen, wie in der Ahr sitzen die nicht unbedingt alle irgendwo auf dem Berg und sind mit Notstrom versorgt. Das Erste was in der Ahr nicht mehr funktionierte war das Mobilfunknetz. Mobilfunknetze können bei z.B. Terroranschlägen abgeschaltet werden. Der Benutzer benötigt einen Mobilfunkvertrag und er muss auch die entsprechenden Apps installiert haben. Der Rundfunk ist nach wie vor die Informationsquelle Nr. 1 bei uns und ist auch im Krisenfall unverzichtbar. Die Rundfunk Sender befinden sich an exponierte Standorte mit großen Reichweiten in abgesicherten/abgeschirmten Bereichen mit einer autarken Notstromversorgung. Die Signalzuführung ist robust via IP, Satellit, Richtung,…).  Das Gleichwellennetz bei DAB+ toleriert Ausfälle einzelner Sender und die Sendestandorte können im Notfall schnell wieder aufgebaut werden.

DF:

Okay, das ist Sendeseite, wie sieht es bei den Empfängern aus? Wenn der Strom weg ist, funktionieren auch die Radios nicht mehr.

FK:

Nicht unbedingt. Unser DIRA M 1 A mobil mit EWF hat einen 2600 mAh Akku integriert und läuft auch noch bis zu 15 Stunden im Akkubetrieb. Das kann ausreichen um rechtzeitig gewarnt zu werden. EWF ist auch für Autoradios interessant, denn die Autoradios funktionieren auch bei langen Stromausfällen. Radio ist frei empfangbar ohne das monatliche Kosten anfallen, die Radios sind einfach und intuitiv von jedem nutzbar.

DF:

Wie funktioniert EWF in der Praxis?

FK:

Ein weiterer großer Vorteil von EWF ist die Funktion „AlarmAnnouncement“. Das ist eine Aufweck-Funktion, d.h. die Geräte schalten auch aus dem Standby Betrieb in wenigen Sekunden automatisch ein und warnen den Hörer akustisch mit einer Warnmeldung und dank Journaline Funktion auch mit einer mehrsprachigen Laufschrift über das Display. Die Warnung wird solange wiederholt bis der Hörer die Warnung ausschaltet. Unsere EWF Radios unterstützen auch bereits die Funktion „AlarmAnnouncement OtherEnsembles“, wodurch die Radios von einem anderen Ensemble auf das warnende Ensemble umschalten können. In einfachen Worten, wenn die Warnung von Deutschlandradio über den Bundesmux 5C gesendet wird, können trotzdem die Hörer die weder Deutschlandradio, noch einen anderen Sender im Bundesmux hören, trotzdem die Warnung erhalten. Vorausgesetzt natürlich alle Beteiligten machen mit und setzen auch die Signalisierung ein. Wo von wir ausgehen können, den wir alle wollen im Ernstfall Leben retten. Oder?

DF:

Auf der Empfänger Seite sieht es aber im Moment noch etwas mau aus. Oder? Wie ist ihre weitere Planung:

FK:

Wir geben Vollgas und glauben an EWF. Seit Mitte Oktober liefern wir unsere beiden Modelle TELESTAR DIRA M 1 A und DIRA M 1 A mobil aus. Als nächstes folgt ab sofort unser mehrfach ausgezeichnetes Oberklasse Modell DIRA S 32i CD, welches mit weiß-silber und walnuss-schwarz auch Farbe ins Spiel bringt. Im Januar/Februar folgen dann unsere neuen sehr kompakten Multifunktionsradios DIRA M 11i+ und S 21i+. Wir haben dann bereits 5 verschiedene Modelle mit EWF im Markt. Wir haben darüber hinaus weitere Modelle für 2023 in der Planung.

FK:

Noch ein wichtiger Hinweis bzw. die Voraussetzungen für den EWF Test mit unserem DIRA M 1 A oder M 1 A mobil am 8.12.

1) Die Warnfunktion im Gerät ist aktiviert (siehe Bedienhinweise zum Gerät weiter unten).

2) Das Gerät muss entweder eingeschaltet sein, oder sich im Standby befinden (also am Stromnetz angeschlossen

sein, bzw. bei Batteriebetrieb der rückseitige Netzschalter auf „1/ON“).

3) Das Gerät muss auf ein beliebiges Programm des warnenden DAB Ensembles eingestellt sein. Das

Gerät kann dann entweder eingeschaltet bleiben oder aus diesem Zustand in den Standby geschaltet

werden.

Anmerkungen:

a. Warnende Ensembles sind am Warntag 8.12.2022 zum Beispiel der erste deutsche Bundesmux Kanal 5C

oder in Bayern auch der Testkanal 10D (Sender Wendelstein und Buttelsberg).

b. Das Gerät unterstützt zwar die Signalisierungsfunktion „AlarmAnnouncement OtherEnsemble, wodurch

das Gerät auch von einem anderen Ensemble auf das warnende Ensemble umschalten könnte. Diese

Signalisierung wird aber aktuell in den Sendenetzen noch nicht eingesetzt, weshalb aktuell der Empfänger

bereits vorab auf ein warnendes Ensemble eingestellt sein muss.

Folgende Sender im Bundesmux 5C empfangen dann das Testsignal: Absolut Relax, Deutschlandfunk,

Deutschlandfunk Kultur, Deutschlandfunk Nova, DRadio DokDeb, ENERGY, ERF Plus, Klassik Radio,

Radio BOB!, Radio Horeb, SCHLAGERPARADIES, Schwarzwaldradio, sunshine live. Sind alle obigen

Voraussetzungen erfüllt, dann wird Ihr Gerät im Falle einer Warnung im eingeschalteten Betrieb automatisch

auf das Warnprogramm umschalten.

DF:

Danke für das Gespräch.


Bildquelle:

  • telestar-kirwel: Telestar Digital GmbH
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234 Kommentare im Forum

  1. Kann man diese Warnung irgendwie abschalten? Hab diese Woche schon 2 oder 3 Nachrichten dazu bekommen. Es nervt.
  2. Und hoffen wir, dass sie im Fall der Fälle aktueller und zutreffender sind, als die Verkehrsnachrichten!
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