Brandenburg: Platzeck erklärt schnelles Internet zur Chefsache

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Potsdam – Wenn es nach Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ginge, hätte in Brandenburg bald jeder einen Zugang zu Schnellem Internet. Nun fordert er, dass fast alle „weiße Flecken“ bis zum Jahresende verschwinden sollen.

„In Zahlen ausgedrückt heißt das: Bis Ende 2009 sollen 80 Prozent der Haushalte im Land Breitband-Internet empfangen können. Der Rest soll bis 2010 geschafft werden“, so ein Sprecher der Potsdamer Staatskanzlei gegenüber der „Berliner Morgenpost“.
 
Dabei setzt das Bundesland auf so genannte Insellösungen. Konkret wir daran gearbeitet, Funklösungen als Ersatz für Festnetz-DSL in Betracht zu ziehen. Verschiedene technische Standards wie UMTS, WiMAX und Internet über Rundfunkfrequenzen sollen hierbei zum Einsatz kommen.

Um eine schnelle Umsetzung bewerkstelligen zu können, habe Platzeck bereits Experten der Staatskanzlei damit beauftragt, belastbares Zahlenmaterial darüber zusammenzustellen, wie sich der Versorgungsstand im Land darstellt und wo genau was zu finden ist. Anhand dieser Daten sollen Maßnahmenpakete geschnürt werden. Platzeck hofft in diesem Zusammenhang auf finanzielle Unterstützung aus Konjunkturprogrammen des Bundes und aus Brüssel. Der „Berliner Morgenpost“ zufolge sollen genaue Zahlen und Vorschläge zu detaillierten Projekten bis Mitte Februar vorgelegt werden.
 
Zuvor war bekannt geworden, dass bisherige Auskünfte von Netzanbietern zur Versorgungslage in Brandenburg ein verzerrtes Bild gezeichnet hätten. So stellt die Deutsche Telekom bei der Angabe des Versorgungsgrades auf Postleitzahlen-Gebiete ab. Danach seien 88,8 Prozent Brandenburgs mit DSL versorgt. Problem hierbei: Nicht alle Gebiete eines Postleitzahlen-Bereiches sind tatsächlich angeschlossen. Dies hänge laut Auskunft der Experten der Staatskanzlei damit zusammen, dass in vielen Gebieten die Telekom nicht ausreichend Kabelhauptverteiler vorhält. DSL-Verbindungen können nur in einem Umkreis von 4,2 Kilometern von diesen Verteilern eingerichtet werden, so der Sprecher. „Wenn man dies berücksichtigt, liegt der Versorgungsgrad unter 70 Prozent“, so der Staatskanzlei-Sprecher gegenüber der Zeitung.
 
Gespräche im Vorfeld mit Netzbetreibern über die Möglichkeiten, Kabelverbindungen im Land auszubauen, seien größtenteils im Sand verlaufen. „Bei der Breitbandversorgung in den ländlichen Regionen versagt der Markt, weil Netzbetreiber den Ausbau als nicht wirtschaftlich betrachten“, sagt Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). An interessierter Kundschaft mangele es nicht. „Bedarfsmeldungen der Landkreise belegen dies“, so Ministeriumssprecherin Claudia Lippert.
 
Die Telekom führt unterdessen die mangelhafte Versorgung mit Kabelzugängen auf die zu hohen Kosten zurück. Demnach fallen für die Verlegung von einem Kilometer Kupfer- oder Glasfaserkabel zwischen 25 000 und 100 000 Euro an Kosten an. Das Agrarministerium, das für die Entwicklung des ländlichen Raums zuständig ist, unterstützt daher bereits seit November vergangenen Jahres verschiedene regionale Initiativen für Breitbandlösungen. Bis zu 200 000 Euro können jeweils abgerufen werden, die die Wirtschaftlichkeitslücke für den Anbieter füllen sollen. Das Ministerium verspricht sich dadurch bis zu 3 000 Neuanschlüsse.
 
Zu den „weißen Flecken“ in der Internetlandschaft Brandenburgs, wo nur Funklösungen Abhilfe schaffen können, zählt die Staatskanzlei die Prignitz, Uckermark, weite Teile von Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, Elbe-Elster sowie Gebiete an der polnischen Grenze. Hier sollen laut „Berliner Morgenpost“ Mobilfunkanbieter ihre UMTS/HSDPA-Kapazitäten ausbauen. In diesem Jahr wird T-Mobile 50 weitere Sendestationen aufstellen. [cg]

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