LG OLED 55GX9LA im Test

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Ein Fernseher des Jahres 2020, der dennoch mit den kommenden 2021er-Modellen Schritt halten kann? LG beweist mit dem 55GX9LA, wie ein zukunftsfähiges TV-Konzept aussieht.

Dieser Test erschien zuerst im HDTV Magazin 1/2021

Im Gegensatz zu den CX-OLEDs ist die GX-Modellreihe für eine Wandmontage konzipiert: Das Gehäuse ist durchgehend flach gestaltet und die mitgelieferte Halterung erlaubt es, das Display ohne störenden Zwischenraum an der Wand zu verankern. Wollen Sie den 55GX9LA hingegen aufstellen, sollten Sie sich beim Kauf nach den passenden Standfüßen erkundigen, denn in den meisten Fällen wird dieser Fernseher ohne Standfüße ausgeliefert. Die Tonqualität des 55GX9LA ist über jede Kritik erhaben. Mehr noch: LG gelingt es über eine Tonanpassung via Mikrofon der Fernbedienung und zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, dass Klänge satt und stimmungsvoll zugleich erschallen. Selbst im Tieftonbereich spielt der 55GX9LA keinesfalls so flach, wie es das schlanke Gehäuse zunächst vermuten lässt. Kritik müssen wir lediglich bei den unterstützen Tonformaten äußern: Dolby-Quellen wie Dolby Atmos werden vorbildlich unterstützt, doch weder ist der 55GX9LA zu DTS-Inhalten, noch zu Mehrkanal-PCM-Tonspuren kompatibel. Letzteres ist gerade im Zusammenspiel mit PS5 und Xbox Series X ein Problem, denn die PCM-Tonwiedergabe ermöglicht die beste Synchronität zwischen Bild und Ton, doch in diesem Fall sind Sie auf Stereo-PCM limitiert. Schalten Sie auf Dolby Digital oder Dolby Atmos um, ertönen Klänge zeitversetzt, was besonders irritiert, wenn Sie im 120-Hz-Modus spielen und der Input-Lag des OLED-TVs verschwindend gering ausfällt.

Anschlüsse: 4 × HDMI (4K 120 Hz HDR), 1 × eARC (HDMI 2), 3 × USB, 1 × Netzwerk (oder WLAN), kein analoger Videoeingang, 1 × digital optisch Audio, 1 × Kopfhörer

Kein fauler Zauber

Die Steuerung über die Magic-Remote-Fernbedienung ist für LG-TV-Besitzer ein alter Hut, doch wer von einem anderen TV-Modell umsteigt, wird es sich ein wenig umgewöhnen müssen: Neben den Tasteneingaben steuern Sie bei diesem Fernseher einen Mauszeiger, indem Sie die Fernbedienung bewegen und entsprechende Bildschirmelemente anklicken. Wurde die Verbindung zur Magic Remote einmal unterbrochen, können Sie die EPG-Taste gedrückt halten, um die Fernsteuerung neu zu synchronisieren. Ganz Neugierige unter Ihnen, die eingehende HDMI-Bildsignale ganz genau beurteilen wollen, sollten nicht nur die eingeblendete Signalinfoanzeige für weitere Informationen anklicken, sondern mehrmals nacheinander die grüne Taste der Fernbedienung drücken: Der 55GX9LA zeigt hierbei die Eingangsauflösung, Bildfrequenz und die Farbunterabtastung an. Wer einfach nur fernsehen möchte, kommt dank Twin-Tunern, USB-Recording und Time-Shift-Funktion ebenfalls auf seine Kosten. Die Programminfos des EPG werden mittels Internetverbindung blitzschnell gefüllt und innerhalb des Programmführers können Sie bequem mehrere Favoritenlisten anlegen oder weiterführende Programmeinstellungen vornehmen. Als Ankerpunkt dient nicht nur der Smart-Hub, der sämtliche Apps und Smart-TV-Funktionen übersichtlich aneinanderreiht, sondern auch das Home Dashboard. Hier erhalten Sie Einblick über zusätzliche Geräte im Netzwerk, können auf USB-Datenträger zugreifen und mittels Bearbeitungseinstellung HDMI-Quellen beispielsweise für die RGB-PC-Darstellung optimieren, indem Sie den jeweiligen Signaleingang auf PC umstellen.

HDMI 2.1: der Zeit voraus

Lange bevor die PS5 und Xbox Series X in den Wohnzimmern Einzug hielten und Bildquellen mit HDMI 2.1 neue Möglichkeiten in der Bildwiedergabe eröffneten, sorgte LG mit der Einführung der 2020er-OLED-Modelle bereits für Furore. Bis heute ist LG der einzige TV-Hersteller, der seinen OLED-TVs gleich vier HDMI-2.1-Schnittstellen samt modernen Gaming-Funktionen spendiert. Die versammelte TV-Konkurrenz wird erst in den nächsten Monaten nachziehen können. 4K-HDR-Signale mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde wiedergeben? Den Bildfrequenzabgleich in Echtzeit über VRR umsetzen, um eine flüssige Darstellung und optimale Spielbarkeit sicherzustellen? PC-RGB-Signale pixelgenau darstellen und dennoch auf vielseitige Bildeinstellungsmöglichkeiten zurückgreifen? Alles kein Problem! Mit modernen Gaming-Quellen konnte der LG OLED55GX9LA im Test meist restlos begeistern und es ist ein Genuss, Spiele wie „Ori and the Will of The Wisps“ in 4K HDR 120 Hz Qualität zu erleben. Perfekt ist die Wiedergabe im VRR-Modus zwar noch nicht ganz, denn Übergänge nahe Tiefschwarz werden etwas grob überblendet und im Ausnahmefall macht sich ein leichtes Bildflackern bemerkbar, doch der Faszination tut dies keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Während andere TV-Hersteller bislang daran scheitern, 4K-HDR-Signale im VRR-Modus in überzeugender Qualität wiederzugeben, so überzeugt die Wiedergabe mit dem 55GX9LA selbst bei einer PC-G-Sync-Verbindung. Gänzlich perfekt ist die Wiedergabe nahe Tiefschwarz mit dem 55GX9LA zwar nicht immer, doch die sonstigen Parameter wie Farbdarstellung, Bildkontrast, Bewegtbildschärfe und die HDR-Abstimmung über den HGiG-Modus sind fantastisch umgesetzt. Dabei ist das Videospielerlebnis mit dem 55GX9LA nur ein Bruchteil dessen, was mit diesem Fernseher möglich ist, denn auch mit TV-Inhalten, Filmen und im Streaming werden Sie hier kaum etwas vermissen.

Die Programminformationen im EPG werden mittels Internetverbindung zügig gefüllt. Fernsehinhalte lassen sich über USB-Festplatten aufzeichnen. Die EPG-Taste der Fernbedienung ermöglicht bei langem Druck eine Neusynchronisierung – praktisch, falls die Mauszeigersteuerung einmal ausfallen sollte

Präzision für Liebhaber

Im Filmmaker-Modus erwarten Sie natürliche Bildvoreinstellungen, einzig bei der Farbtemperaturwahl ist es ratsam, die Voreinstellung „Warm 2“ etwas nachzubessern, um einen Gelbschimmer in hellen Graustufenbereichen zu kompensieren. Der 55GX9LA zeigt, dass es keine künstliche Nachbearbeitung braucht, um hochwertige Quellen bestmöglich zu präsentieren: Kinofilmfans werden die neutralen Bildvoreinstellungen und den überzeugenden 24-Hz-Filmbildmodus besonders zu schätzen wissen. Sollten Sie Film-Judder-Effekte stören, können Sie eine sanfte Glättungsvoreinstellung wählen, um Soap-Opera-Effekte zu vermeiden. Die Motion-Pro-Funktion, die eine Schwarzbildeinblendung auf 120-Hz-Basis ermöglicht, um die Bewegtbildschärfe auf Kosten der Bildhelligkeit zu steigern, lohnt sich vorrangig für SDR-Bildinhalte. Dank der selbstleuchtenden OLED-Pixel müssen Sie keine Nachzieheffekte befürchten (Rauschfilterung deaktivieren), die Bildausleuchtung ist äußerst gleichmäßig und die Blickwinkeleigenschaften des Fernsehers sind tadellos. Einzig die Spiegelungen des Kontrastfilters zeigen Verbesserungspotenzial. Streaming-Inhalte werden im Dolby-Vision-Format unterstützt und dank der einstellbaren Helligkeitsoptimierung werden dunkle Bildbereiche sanft angehoben, damit Sie Details im beleuchteten Wohnzimmer erkennen können. Dass Übergänge aus dem Tiefschwarz heraus in Extremfällen etwas sprunghaft erscheinen, bemerkt man häufig nur, wenn man sich auf dunkelste Bildbereiche konzentriert und zugleich das Raumlicht vollständig eliminiert. LG kündigte im Falle der Dolby-Vision-Abstimmung mit der Netflix-App zudem ein Update an, das eine schwankende bzw. teilweise aufgehellte Schwarzdarstellung unterbinden soll. Im Normalfall erzielt der 55GX9LA Bestwerte im Filmbetrieb und es ist gleichermaßen eine Freude, sowohl HDR10- als auch Dolby-Vision-Quellen via Streaming oder über UHD-Blu-ray-Discs zu genießen. Großen Anteil daran hat das HDR-Tonemapping: LG erlaubt entweder eine normgerechte Abstimmung oder Sie nutzen mit HDR10-Quellen eine dynamische Anpassung.

HDR-Filminhalte werden häufig in unterschiedlichen Dynamikbereichen gemastert (meist zwischen 300 und 4000 Nits Spitzenhelligkeit) und die automatische Kontrastoptimierung wählt meist das richtige Maß, um die Kontrastvorteile des OLED-Panels noch besser auszuspielen. Dunkle HDR-Bereiche werden meist etwas angehoben und enorm helle HDR-Details erstrahlen ohne Detailverluste farb- und kontraststark. Videospieler haben eine gänzlich andere Möglichkeit: Der HGiG-Modus erlaubt es, dass der 55GX9LA kein künstliches HDR-Tonemapping anwendet und Details nahe 700 Nits „abgeschnitten“ werden. Innerhalb der HDR-Bildkalibrierung über eine Playstation oder Xbox One müssen Sie lediglich diesen Wert für die Weißdarstellung voreinstellen (die Konsolen geben Testbilder aus, die Ihnen dabei helfen, diesen Schwellenwert zu finden) und schon spielen die HDR-Quellen und der TV wie aus einem Guss. Schwächere Videoquellen, allen voran HD-Streams mit niedrigen Datenraten, profitieren von einer überzeugenden Rauschfilterung und Sie können sogar Banding-Artefakte gezielt mindern, ohne das gesamte Bild weichzuzeichnen. Umgekehrt können Sie der Pixelschärfe etwas auf die Sprünge helfen, falls die Quelle Defizite aufweisen sollte. Einzig im Bereich der absoluten Spitzenhelligkeit zeigt der 55GX9LA noch Luft nach oben und bunte helle Logos können für wenige Sekunden wie Schattenmuster nachleuchten. Gegen dauerhafte Ungereimtheiten sichert Sie die Logo-Dimming-Funktion ab: Statische Elemente im Bild werden in der Leuchtintensität automatisch abgeschwächt, um das OLED-Panel zu schonen.

Der 55GX9LA eignet sich exzellent zur 4K-HDR-Darstellung mit PS5 und Xbox Series X und auch die 120-Hz-Wiedergabe begeistert. HDR10-Signale lassen sich über eine automatische Kontrastoptimierung nachbearbeiten oder Sie wählen den präzisen HGiG-Modus, um die HDR-Darstellung über die Konsolen zu optimieren

Ein fantastisches Gesamtpaket

Man muss schon sehr genau hinschauen, um Verbesserungspotenziale für die OLED-Nachfolgemodelle erkennen zu können. LGs WebOS-Oberfläche wird mit der neuen OLED-Generation einen frischen Look erhalten und beim Kontrastfilter, den Bildbereichen nahe Tiefschwarz, der Farbhelligkeit und den temporären Nachleuchteffekten erwarten wir eine Steigerung. Dennoch ist der 55GX9LA einer der wenigen Fernseher des Jahres 2020, der auch 12 Monate nach der Markteinführung brandaktuell erscheint: Wer in die neue HDMI-2.1-Welt eintauchen will, findet mit dem 55GX9LA einen einmaligen Gegenwert.

Hier geht es weiter zu Teil 2 des Tests mit Daten aus dem Messlabor!

Einstellungen für ein natürliches Bild

Bildmodus: Kino, Filmmaker, Spiel oder PC
OLED-Licht: Je nach Wunsch (HDR max.)
Kontrast: 85 – 100
Helligkeit: 50
Schärfe: 10 – 15
Farbtiefe: 50
Farbton: 0
Dyn. Kontrast: Aus (alternativ Niedrig oder Mittel)
Dynamic Tone Mapping: Ein (nur HDR-Quelle)
Super Resolution: Niedrig oder Mittel
Farbumfang: Automatisch oder Erweitert (SDR)
Farbfilter: Aus
Gamma: 2.2
Farbtemperatur: Warm 2 oder Warm 1
Größte Helligkeit: Je nach Wunsch
Rauschunterdr.: Aus
MPEG-Rauschunterdr.: Aus
Glatte Abstufung: Niedrig
Schwarzwert: Automatisch
Echtes Kino: Ein
Trumotion: Aus, Cinema Clear oder Benutzer
Motion Pro: Aus
AI-Bild: Je nach Wunsch
AI-Ton: Aus
AI-Helligkeit: Ein
Bildformat: 16:9 oder Original, Just Scan: Ein

Hier geht es weiter zu Teil 2 des Tests mit Daten aus dem Messlabor!

Bildquelle:

  • DSC05004: © Auerbach Verlag
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