Die EM im TV: So viel ist noch unsicher

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bela rethy am kommentatorenpult
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Eine solche Fußball-EM hat es noch nie gegeben. In elf Ländern wird gespielt. Allein das ist für die Macher von ARD und ZDF eine Herausforderung. Die Corona-Pandemie hat die Lage noch einmal verkompliziert. Wenige Wochen vor dem Start ist nichts sicher.

Seinen ersten EM-Einsatz hat Florian Naß am ersten Tag des Fußballturniers am 11. Juni beim Eröffnungsspiel Türkei gegen Italien. Spätestens zwei Tage nach dem Job in Rom soll der 53 Jahre alte Fußball-Reporter der ARD schon in Bukarest sein, um dort Österreich gegen Nordmazedonien zu kommentieren. Aber ob das in Zeiten der Pandemie mit Corona-Tests und Quarantänebestimmungen tatsächlich klappt?

Nicht einmal vier Wochen vor dem Start des Turniers in elf Ländern gibt es für die TV-Sender noch immer jede Menge Unwägbarkeiten und offene Fragen. Wer kann und darf wann, wo und unter welchen Bedingungen sein? Welche Einschränkungen gibt es jetzt und welche gelten im Lauf des Turniers?

Eine zweigleisige Planung

„Es gibt immer einen Plan B“, sagte ARD-EM-Organisator Steffen Simon (56) der Deutschen Presse-Agentur: „Wir planen immer zweigleisig.“ Plan A bedeutet: „Wenn es machbar ist, möchten wir aus dem Stadion kommentieren. Man sieht als Kommentator sonst viele Dinge nicht, die möglicherweise eine Relevanz haben, weil die Kameras immer nur einen Ausschnitt des Geschehens zeigen.“

Plan B lautet: „Wenn sie nicht reisen können, kommentieren sie aus Köln.“ Und klappt auch das nicht, weil etwa Naß oder einer seiner beiden Reporter-Kollegen Tom Bartels (55) und Gerd Gottlob (56) irgendwo festsitzt, gibt es so etwas wie Plan C. In der EM-Zentrale in Köln gebe es ausreichend erfahrene Kollegen der „Sportschau, erklärte Simon. „Wenn vor Ort etwas mit den Kommentatoren passiert, können wir kurzfristig Ersatz stellen.“

Ganz ähnlich ist das Vorgehen beim ZDF. „Ich schicke niemanden nach London ins Wembleystadion, wenn er vorher zehn Tage in England in Quarantäne gehen muss», erklärte Sportchef Thomas Fuhrmann (55). „Die Gesundheit der Mitarbeiter hat oberste Priorität, die nächste die Sendesicherheit, und dann kommen die Qualitätskriterien.“

Er müsse sich überlegen, ob er jemanden in ein Stadion schicken könne, «in dem rundherum eine enorm hohe Inzidenz herrscht», meinte Fuhrmann. „Wenn einer der Kollegen nicht mehr reisen darf und nicht mehr in die Zentrale kommen darf, wird jemand von den anderen Kommentatoren übernehmen.“ 

Kommentare vor Ort oder im Studio?

Das Kommentieren aus dem Studio in Mainz sei „die zweitbeste Lösung, aber es ist eine Lösung“, sagte der ZDF-Sportchef. Daher ist er „froh, dass in München Klarheit besteht bei den beiden Vorrundenspielen der deutschen Mannschaft, die wir übertragen. Da ist unser Kommentatoren-Team im Stadion.“ Béla Réthy (64) gegen Frankreich und Oliver Schmidt (49) gegen Ungarn haben ihre Plätze ebenso sicher wie der ARD-Kollege Gottlob gegen Portugal – wenn sie bei ihrer Europa-Tour nicht irgendwo stecken bleiben.

Die Unsicherheit bei den Kommentatoren ist ein vergleichsweise offensichtliches Problem, das durch die Pandemie entstanden ist. Doch schon allein der einzigartige paneuropäische Charakter der diesjährigen Ausgabe der EM stellte die Macher in den TV-Sendern vor große Herausforderungen. 

„Das Turnier an sich war schon das anspruchsvollste“, sagte ARD-Mann Simon. „Der Gedanke der kontinentalen Veranstaltung beinhaltete, dass man es mit verschiedenen juristischen Rahmenbedingungen zu tun hat: verschiedene Einreisebestimmungen, verschiedene Zollbestimmungen, EU, Nicht-EU.“ 

Das sei als Grundaufgabe schon anspruchsvoll gewesen und sei durch die Pandemie noch viel extremer geworden. „Es ist enorm, was das Team leistet und, dass es außerdem noch gelingt, die nötige Gelassenheit an den Tag zu legen“, meinte Simon.

„Wir finden eine Lösung“

Kann man Lehren aus den besonderen Bedingungen für künftige Veranstaltungen ziehen? „Ich glaube nicht, dass es übertragbar ist, was wir gerade erleben“, sagte Simon. Sicher würden nach Corona die Dinge aber neu bewertet werden müssen. Sein ZDF-Kollege Fuhrmann will aus der Situation „Gelassenheit und Pragmatismus mitnehmen“. Er habe in seinem ganzen Leben «noch nicht so oft wie in den fünf Monaten gesagt: ‚Ich weiß im Moment noch nicht, wie wir es genau machen. Aber wir finden eine Lösung.'“

Bildquelle:

  • df-bela-rethy-zdf: ZDF

10 Kommentare im Forum

  1. Typische Denkweise in Europa......Es gibt eine Pandemie und genau deshalb gibt es die EM in 11 Ländern, weil man dadurch kreuz und quer reisen kann! Kann Ironie enthalten! Man kann sich nur an den Kopf packen!
  2. Mal abgesehen von den Spielen unserer Elf in München, würde ich die anderen Spiele alle vom Studio aus in D kommentieren lassen. Ob der Mann nun vor Ort im Stadion hockt oder nicht ist mir in diesen Zeiten Banane.
  3. Überträgt SKY eigentlich auch? Würd lieber in UHD gucken als lächerliches 720p unserer tollen ÖR.
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