Medienkritiker: RTL II ist Trash-TV

15.08.2010, 12:57 Uhr, mw

Köln - Kaum ist die zehnte Staffel von "Big Brother" beendet startet RTL II ab Montag mehrere neue Doku-Formate. Was vom Sender als "Entertainment" und "Fun" angekündigt wird ist für Kritiker zynischer Fernseh-Schrott.


RTL II startet am Montag eine Reihe weiterer Dokusoaps. Den Anfang macht um 20.15 Uhr "Abenteuer Afrika - Deutsche Teenies beißen sich durch". Darin sollen sich acht übergewichtige Teenager drei Wochen lang das karge Leben mit Ureinwohnern in der namibischen Kalahari-Wüste teilen.
 
Der Journalist und Medienwissenschaftler Alexander Kissler kritisiert die neuen RTL-II-Formate. Kissler sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Das ist eine echte Trash-TV-Offensive". Der Sender verquirle hier mehrere bekannte Formate wie "Teenager außer Kontrolle" und "The Biggest Loser", um noch eins draufzusetzen: Übergewichtige Jugendliche, die noch dazu schwer erziehbar sind, müssten sich in einer exotischen Umgebung bewähren. Das nenne der Sender dann "spürbare Authentizität". Doch mit der Zuspitzung der Formate nähere sich das Privat-TV langsam der Grenze des Zumutbaren, so der Medienwissenschaftler.
 
Die darauffolgende Sendung "Das Tier in mir" (ab 21.15) findet Kissler nicht besser. Darin sollen Promis der zweiten und dritten Kategorie einige Tage lang wie Tiere leben, sei es nun wie ein Schwein, ein Kamel oder ein Bär. Als erste dürfen sich die Hamburger Drag Queen Olivia Jones und der Komiker Oliver Beerhenke als Tiere probieren.
 
"Immer wieder wird dem Privatfernsehen vorgeworfen, einen Menschenzoo zu präsentieren - in diesem Format nimmt der Sender das wörtlich“, kritisiert Kissler. Das sei zynisch. "Hier wird die Grenze von Mensch zu Tier aufgehoben, die Botschaft lautet: Es ist völlig in Ordnung, wenn Du dich wie ein Tier verhältst und die Sau rauslässt. Ein Tiefpunkt."
 
In der darauf folgenden Sendung "Tattoo Attack - Deutsche Promis stechen zu" lassen sich TV-Promis tätowieren. Zum Start dürfen Moderator Carsten Spengemann und "Big Brother 2"-Gewinnerin Alida Kurras antreten. Auch dieses Format passt laut Kissler in die Reihe der zynischen und menschenverachtenden Dokusoaps: "Es wird mit Schmerz geworben, nach dem Motto: Seht her, wir stellen etwas mit den Prominenten an, was denen nicht gefallen wird." So könne sich der Zuschauer am Leid der Tätowierten weiden, so der Autor des Buches "Dummgeglotzt - Wie das Fernsehen uns verblödet".
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