10 Jahre Blu-ray: „Wir haben das Maximum fast erreicht“

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Bild: © Auerbach Verlag
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Vor zehn Jahren wurde der hochauflösende Nachfolger der DVD, die Blu-ray, entwickelt. In den vergangenen Jahren hat sich das Medium zunehmend auf dem Markt etabliert. Im Gespräch verrät Joachim Spang, Geschäftsführer von 20th Century Fox Home Entertainment Germany, wie der aktuelle Marktstand der Blu-ray aussieht, und weckt Vorfreude auf die „007“-Komplettbox.

Herr Spang, wie schauen Sie zuhause Ihre Filme am liebsten? Haben Sie einen Blu-ray Player?
 
Joachim Spang: Ich habe nicht nur einen Blu-ray Player, sondern fünf (lacht). Darunter natürlich auch einen in meinem Heimkino im Keller, plus eine Leinwand mit 5,70 Meter Bilddiagonale und einen HD-Projektor. Ich bin da also bestens ausgerüstet.
 
Die heutigen Möglichkeiten sind einfach sensationell.Was ich mir ansonsten noch erlaubt habe:Im meinem Wohnzimmer stehen ein VHS-, ein DVD- und ein Blu-ray-Player. Von Zeit zu Zeit gönne ich mir da einen Direktvergleich, schaue also denselben Film in allen drei Formaten. Der Unterschied ist unglaublich, das müsste man eigentlich allen Konsumenten zeigen.
 
Wenn Sie sich vorstellen, was für eine niedrige Qualität noch vor 20 Jahren auf VHS aktuell war, da war es schon ein Quantensprung zur DVD. Aber von der DVD zur Blu-ray ist der Unterschied noch größer, das richtige Equipment vorausgesetzt. Und da sind wir schon fast an die audiovisuelle Wahrnehmungsgrenze des Menschen angelangt.
 
Nun lauten die Schlagwörter des zukünftigen Kinos 4K und 48 Hertz – kann die Blu-ray da noch mithalten?
 
Spang: Also ich habe im Jahr 2011 auf der CES in Las Vegas schon 4K gesehen und war davon im höchsten Maße beeindruckt. Und wenn Sie auch noch die 3D-Welle sehen, die wir hier im Hause Fox mit „Avatar“ eigentlich initiiert haben, kann man da sehr wohl einen riesigen qualitativen Sprung sehen, der meines Erachtens auf Blu-ray möglich ist.
 
Der Punkt ist nur, wie ich an meiner persönlichen Situation vorhin dargestellt habe, man hat meines Erachtens mit Blu-ray und Blu-ray 3D eigentlich heute schon fast das Maximum erreicht, das zuhause machbar ist – weil nicht jeder den Luxus hat, ein Heimkino zu besitzen. Und wenn ich mir da den normalen 42- bis 50-Zoll Fernseher anschaue, bzw. wenn Sie den richtig eingestellt haben und auch das richtige Gesamtequipment haben, dann ist das schon vom Allerfeinsten.

Stimmt, ohne das HD-Medium gäbe es vermutlich auch kein akkurates 3D-Erlebnis für Zuhause.
 
Spang: Nehmen Sie z. B. folgenden Vergleich: Ich habe im Büro einen 50-Zoll-TV von Panasonic, einen Viera, der ist wirklich sehr akkurat. Den Fernseher habe ich mir exakt so eingestellt, wie es James Cameron bezüglich der Helligkeit, der Farbkontraste und aller anderen Einstellungen vorgeschlagen hat. Und das 3D-Bild ist meiner Meinung nach (mit dem richtigen 3D-Equipment) sogar noch besser als im Kino.
 
Natürlich ist ein Kinobesuch immer noch etwas anderes – alleine an die Größenverhältnisse können wir hier nicht anecken – aber wir haben im Prinzip schon eine Ausstattung, die maximales Seh- und Hörvergnügen auch zuhause im normalen Home-Entertainment-Konsum ermöglicht.
 
Welchen Anteil nimmt die Blu-ray am Markt ein?
 
Spang: Wenn ich mir die aktuellen Zahlen der verfügbaren Titel so anschaue, ist im Markt heute bereits jeder zehnte Titel auf Blu-ray verfügbar. Das sind fast über 5000 erhältliche Titel, bei extrem stark wachsendem Niveau. Zum Vergleich: Beispielsweise waren es 2009 gerade einmal 1600 Titel. Wir haben 2010 knapp 80 Prozent bei der Titelanzahl zulegen können und noch einmal knapp 70 Prozent in 2011. Wenn wir das mit der Entwicklung der DVD vergleichen, dort beträgt das Anwachsen der Titel 1,2 Prozent. Das heißt, der Fokus liegt ganz klar auf Blu-ray.
 
Die daraus resultierende Umsatzsteigerung von 40 Prozent bei Blu-ray 2011 ist einfach phänomenal. Das entspricht auch voll und ganz der Entwicklung in der Hardware-Penetration, also der Anzahl der Haushalte, die ein Blu-ray-Abspielgerät haben. Und da ist ebenfalls genauso spannend und für mich auch wirklich marktentscheidend, dass wir erstmalig mehr sogenannte Standalone-Player haben, als Playstation-3-Konsolen.
 
Sicherlich ist die PS3 ein hervorragendes Abspielgerät, keine Frage. Aber vorrangig ist sie eine Spielkonsole. Sony hat ja seit geraumer Zeit ihre Kommunikation so ergänzt, dass sie einfach auf diesen zusätzlichen großen Vorteil hinweisen, dass sie auch Blu-rays abspielen kann. Doch natürlich ist ein Standalone-Player das Maß der Dinge.
 
Wie entscheiden Sie über Blu-ray Veröffentlichungen?
 
Spang: Also wir entscheiden so, das ist dem Markt ähnlich, nahezu alle Titel auf Blu-ray zu fördern. Natürlich gibt es einige Arthouse-Titel, die derzeit nicht so relevant sind, weil die Zielgruppe vielleicht noch nicht das volle Equipment zuhause stehen hat. Das wird sicherlich über kurz oder lang auch kommen, aber man kann eigentlich sagen – nahezu alle Filme werden in beiden Formaten veröffentlicht.
 
Natürlich lohnen sich die neuen Blockbuster am meisten, das ist ja klar. Und auch im Katalog werden die größten, die besten und die erfolgreichsten Filme zuerst auf Blu-ray veröffentlicht. Deswegen ist dieser 10-Prozent-Anteil, den wir heute bei den Titeln haben, dergestalt eigentlich irreführend, weil diese 10 Prozent Titelanteil heute schon ca. 20 Prozent Umsatzbedeutung haben. Und das zeigt, dass wir folgerichtig mit der Blu-ray am Massenmarkt bereits seit geraumer Zeit angekommen sind.
 
Das Medium wird zukünftig also eine sehr positive Entwicklung, wie auch schon in den letzten Jahren, erfahren. DVDs bleiben gleich, aber Blu-rays sind überkompensiert, und das ist sehr wichtig für die Entwicklung des Marktes.
 
Nun kommt die komplette „007“-Kinoserie im Oktober in den Handel. Welche Rolle spielt diese Veröffentlichung für das Image des Blu-ray-Mediums?
 
Spang: Das haben wir ja in der Vergangenheit schon gesehen, als wir komplette Boxen von James Bond auf DVD veröffentlicht haben. Dort ist die Akzeptanz der Fans außerordentlich hoch gewesen ist. Wir konnten wirklich kein Nachlassen in der Kauffreude erkennen. Und ich würde gerne den Vergleich zu „Star Wars“ heranziehen.
 
Gerne!
 
Spang: Nehmen Sie „Star Wars“, den wir mit einem riesigen Erfolg in der „Complete Box“ veröffentlicht haben. Dort gibt es sensationelle Qualitätsunterschiede – nicht nur visuell, sondern natürlich auch beim Ton. So ähnlich wird es auch bei Bond sein. Und da wird der Fan natürlich genauso begeistert sein – den Film, den er schon so oft gesehen hat, in einer nahezu unübertrefflichen Bild- und Tonqualität noch einmal sehen zu können.
 
Wir sind wirklich gespannt darauf, zumal wir ja auch das Vergnügen haben werden, den neuen „Skyfall“ im Home Entertainment vermarkten zu dürfen. Und das passt natürlich wie die Faust aufs Auge, im Vorfeld zum neuen „Bond“ die Blu-ray-Box veröffentlichen zu können.
 
Wird es spezielle Verkaufsaktionen bzw. Sonderaktionen geben?
 
Spang: Also natürlich machen wir dort wie immer ein Riesenfeuerwerk, das bietet sich natürlich insbesondere bei Bond an. Gerade weil man dort über das Franchise selbst unheimlich viele Ideen und Konzepte nutzen kann. Aber auf der anderen Seite können Sie sich sicher sein, dass es einige Überraschungen geben wird, und das heißt, dass ich diese noch nicht verraten darf.
 
Vielen Dank für das Gespräch!
 
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Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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19 Kommentare im Forum

  1. AW: 10 Jahre Blu-ray: "Wir haben das Maximum fast erreicht" Blu Ray als reines Speichermedium ist nicht wirklich existent.Das die Filmindustrie hier drauf setzt hat eher kundenfreundliche Gründe.
  2. AW: 10 Jahre Blu-ray: "Wir haben das Maximum fast erreicht" ich nutze die BD auch als speichermedium. und natürlich zum filmegucken, auch wenn ich noch vergleichsweise wenige BDs habe. aber ich habe ja auch mit der DVD damals erst 2001 angefangen.
  3. AW: 10 Jahre Blu-ray: "Wir haben das Maximum fast erreicht" Ja super, echt ein Grund zum Feiern. Zuerst wurde der Start um Jahre hinausgezögert, weil man ja einen absolut sicheren Kopierschutz brauchte, der dann nach einigen Jahren Entwicklung auch ganze 2 Tage gehalten hat. Und heute muss man bei neuen Bluray Disks schonmal ein paar Wochen warten bis man sie anschauen kann, weil das nötige Firmwareupgrade noch nicht fertig ist, da betrifft besonders Videothekenkunden, die manche Filme bis zu vier Wochen vor dem Verkaufsstart leihen können. Und wo wir gerade bei dem Thema sind, einige Filme sollen jetzt auf Bluray nur noch verspätet in den Verleih kommen, damit die Rechteinhaber mehr verkaufen können. Aus kundensicht kann man sich über die hohe Auflösung und die zum Teil gute Bildqualität freuen. Auch die Haltbarkeit der Scheiben, also die mechanische Kratzfestigkeit, kann man begrüßen. Aber vieles was die Einführung der Bluray Disk mit sich brachte ist ein Ärgernis. Das sollte man bei einer Zehnjahresfeier auch berücksichtigen!
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