Blu-ray der Woche: „Elysium“ – Kritische Zukunftsvision

0
13
Bild: © Auerbach Verlag
Bild: © Auerbach Verlag
Anzeige
Zukunftsbilder wurden schon in zahlreichen Filmen gemalt. In „Elysium“ wagt Regisseur Neill Blomkamp einen gesellschaftskritischen Blick auf eine fiktive Nachwelt, in der zwei Klassen von Menschen existieren.

Neill Blomkamp ist gerade einmal 34 und etabliert sich bereits als Hollywoods verheißungsvollster Newcomer-Regisseur im Sektor der Sci-Fi-Action. „Disrict 9“ war ein absoluter Überraschungshit und auch sein zweiter großer Film „Elysium“ stellt sich als echter Science-Fiction-Kracher heraus. Doch etwas Entscheidendes ist anders als bei Blomkamps Vorgänger-Werk. Ist es die sozialkritische Komponente bezüglich der Flüchtlingspolitik? Nein, die ist mehr als vorhanden.
 
Der Grundkonflikt entsteht schließlich erst durch die riesige Kluft zwischen Arm und Reich, die sich in der luxuriösen Orbital-Station Elysium widerspiegelt – Ein Hort, in dem die Wohlstandsgesellschaft das Leid auf der überbevölkerten, heruntergewirtschafteten Erde nicht mit ansehen muss. Ist es vielleicht die Gewalt? Wieder falsch geraten, denn auch hier geht es explosiv und skrupellos zur Sache. Einzig die häufiger eingesetzten Zeitlupen entschärfen einige brutale Szenen, nehmen ihnen das Tempo und damit auch deren Realismus. Na dann kann es doch nur der Hollywood-typische Kampf des „Helden“ gegen einen hartnäckigen Antagonisten sein, der „Elysium“ einen grundlegend anderen Ton gibt als „District 9“. Vollkommen korrekt!

Während Matt Damon den strahlenverseuchten Protagonisten Max spielt, dernur noch 5 Tage zu leben hat und deshalb schnellstmöglich in Elysiumnach Heilung sucht, mimt Sharlto Copley den dreckigen Söldner, der ihmin die Quere kommt. Und das macht er mit Bravour, denn sein CharakterKruger verfolgt (wie sein Namensvetter aus „Resident Evil 4“) ganzeigene Pläne, die ihn zu einem extremen und drastischen Gegenspielermachen.

 

Zwischen zwei Welten

Der größte Part des Films findet auf der Erde statt. Bis sich Max auf den Weg zu den Reichen macht, vergehen ungefähr zwei Drittel des Films. Im letzten Drittel verlagert sich dann die Handlung vom dreckigen Molloch in das sterile Utopia, wobei Max niemals seine wahre Mission aus den Augen verliert: Nämlich das Anzetteln einer kleinen Revolution. Ob ihm dieses aussichtslose Unterfangen gelingt, müssen Sie schon selber herausfinden. Aufsehenerregend sind die Action-Sequenzen allemal. Insbesondere, wenn sich die Kamera wie in einem Videospiel direkt hinter dem laufenden Max befindet, wird dem Zuschauer klar, dass genau diese unmögliche Einstellung phänomenal ist und in Zukunft sehr intensive Actionaufnahmen ermöglichen könnte. Mehr noch sind diese Hochgeschwindigkeitsaufnahmen wie gemacht für die HFR-Technologie, also die bei den „Hobbit“-Filmen angewandte erhöhte Bildfrequenz. Die Geschichte selbst erinnert stark an Fritz Langs „Metropolis“ bzw. den Manga „Battle Angel Alita“, in dem die verschrottete Erde ebenfalls von einer Himmelsstadt getrennt ist. Ähnlich wie Yukito Kishiros Kultwerk orientiert sich „Elysium“ stilistisch zudem am markanten Punker-Look der „Mad Max“-Filme. Vielleicht stammt ja auch daher der Name des bis zum äußerten getriebenen Filmhelden.
 
Audio-visuell wurde die Trennung zwischen Arm und Reich auf die Spitze getrieben, sodass die Stimmung auf der Erde drückend, dreckig, laut und brutal wirkt. Daher kommen die Surround-Kanäle permanent zur Anwendung, es sei denn die Stille auf Elysium kappt jegliche Geräusche im hinteren Bereich. Die Farben des Bildes wurden aus stilistischen Gründen entsättigt. Der Schärfegrad bleibt stets weit oben und trägt zusammen mit dem ausgeglichenen Kontrast viele Partikel und Details in den Fokus. Ruckelkamera und symmetrische, langsame Kamerafahrten erweitern das Gefühl der Zweiteilung. In der Bonussektion warten neben einer interaktiven Galerie zu den Visionen von 2154 auch noch eine erweiterte Szene mit Kruger, ein Making-of und vier 10- bis 13-Minütige Kurzbeiträge  auf den Zuschauer.
 
 

Neill Blomkamps Zukunftsvision „Elysium“ gibt es beim Online-Händler Amazon für derzeit 16,99 Euro auf Blu-ray.

Die Wertung

 

 

FILMINHALT: 7,5 von 10


 
TECHNIK: 8,5 von 10
 
BILDQUALITÄT: 9 von 10
 
TONQUALITÄT: 8,5 von 10
 

Kurzfazit: Nicht ganz so erfrischend anders wie „District 9“, dafür aber eine handwerklich ausgegorenere Zukunftsvision à la „Metropolis“.


 
BONUSMATERIAL: 8 von 10


Infos zur Blu-ray


 

Genre: Science-Fiction | Originaltitel: Elysium | Land/Jahr: US/2013 | Vertrieb: Sony Pictures | Bild: MPEG-4, 2.35:1 | Ton: DTS-HD MA 5.1 | Regie: Neill Blomkamp | Darsteller: Matt Damon, Sharlto Copley, Jodie Foster | Laufzeit: 109 min | Wendecover: k.A. | Anzahl Discs: 1 | FSK: ab 16 Jahre | Start: 17. Dezember 2013


 
An dieser Stelle präsentiert Ihnen das BLU-RAY MAGAZIN immer dienstags die „Blu-ray der Woche“, die aus Sicht unserer Redakteure die  interessanteste Veröffentlichung der kommenden Tage darstellt. Zur Blu-ray-Vorstellung der vergangenen Woche „Pinguine hautnah“ geht es hier.

 
Mehr als 70 weitere Tests lesen Sie im aktuellen BLU-RAY Magazin 1/2014, das aktuell überall am Kiosk, im Online-Shop und auch im Abo erhältlich ist. 


 
Durchsuchen Sie unsere Online-Datenbank nach weiteren Blu-rays



 
 

 
 


 


 
[Falko Theuner]

Bildquelle:

  • Inhalte_Blu-ray_Artikelbild: © Auerbach Verlag

0 Kommentare im Forum

Alle Kommentare 0 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum