Blu-ray der Woche: „Robot & Frank – Zwei diebische Komplizen“

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Bild: © Auerbach Verlag
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Der Roboter von Morgen, dein Freund und Helfer. Er kocht dir dein Essen, macht dein Bett und ist vielleicht auch dein zukünftiger Arbeitskollege. Das ist eine Welt, die für die Macher des Films „Robot & Frank“ nicht mehr weit entfernt ist.

So soll eine solche Maschine im Haushalt und in bestimmten Berufen unterstützen können und auch für Menschen wie den demenzkranken Frank (Frank Langella) als Pflegepersonal im Dauereinsatz den Gang ins Altersheim ersparen. Doch für Frank ist das alles futuristisches Teufelswerk. Dummerweise kommt gerade sein eigener Sohn (James Marsden) mit einem brandneuen VGC-60L-Pflegeroboter an und drängt ihm dieses „Ding“ auf. So muss sich der altmodische Technikfeind wohl oder übel mit der ungewohnten Situation arrangieren und steht plötzlich vor Herausforderungen wie Gartenarbeit und nahrhafte Rohkost.
 
Alles im Sinne des Standardprogramms zur Förderung des Wohlergehens und der Gesundheit. Doch nicht verzagen, Einbruch planen. Trotz Demenz erinnert sich Frank noch gut und gerne an seine Zeit als Juwelendieb und beginnt seine Roboter-Nanny in den nächsten Coup mit einzuspannen. Das Vorhaben soll auch der liebreizenden Jennifer (Susan Sarandon) zugute kommen, deren Stellung als Bibliothekarin in der örtlichen Bücherei ebenfalls durch einen brandneuen Robotergehilfen gefährdet ist.
 
Die Zukunft ist jetzt
 
Technikverweigerer gab es ja schon immer, doch selten waren die so sehr in Bedrängnis wie heute. Bei der Flut an Neuerfindungen und einer lebensrevolutionierenden Technik aller paar Jahre tut man sich schwer mit dieser Anti-Haltung. Umso interessanter erscheint da die Prognose von Jake Schreiers Debütfilm, die realistischer anmutet als die üblichen kinematographischen Science-Fiction-Visionen. Das belegt ein Blick auf den aktuellen Stand der Robotik und Kinetik. Der japanische Großkonzern Honda arbeitet schon seit den 1980ern an menschenähnlichen Robotern. Ihr jüngstes Modell – ASIMO – wurde seit seiner öffentlichen Bekanntgebung 2004 stetig verbessert und modifiziert.
 
Vor allem sein Bewegungsrepertoire ist einzigartig. Er geht auf zwei Beinen und kann rennen und hüpfen. Dabei analysiert er seine Umgebung und vermeidet selbstständig Zusammenstöße. Ebenso beherrscht er ausgewählte Zeichensprache und vollführt feinmotorische Abläufe, wie Getränke in einen Becher eingießen und servieren. Dem Modell aus Schreiers Film gleichfalls verwandt ist der „Armar 3“, der am Karlsruher Institut für Technologie spezifisch als Küchengehilfe entwickelt wird. Ziel der Wissenschaftler ist es, dass diese Roboter zukünftig autonom mit Menschen interagieren und selbstständig Arbeiten im Haushalt verrichten – so wie der VGC-60L es auf der Leinwand bereits kann.

Der harkt die Erde, gießt die Pflanzen und bereitet für Frank Mahlzeitenzu. Aber vor allem agiert er nach einem ausgeklügelten Programm, dasFranks Wohlempfinden zum obersten Gebot erklärt.
 
Und wenn die Planungund Ausführung eines Einbruchs diesem Ziel direkt oder indirekt dienlichist, ist das für den VGC-60L problemlos im Rahmen seiner Parameter. Daswirft natürlich ethische Fragen nach der Verhaltensprogrammierung vonRobotern auf.Der Mythos Maschinenmensch

Schon immer wirkte die Vorstellung eines künstlich erschaffenen Humanoiden fantastisch und erschreckend zugleich. Die Liste der Filme, in denen wir uns mit den Konsequenzen unserer eigenen Schöpfung konfrontiert sehen, ist lang und vielseitig – Fritz Langs „Metropolis“, Ridley Scotts „Blade Runner“, Steven Spielbergs „AI – Künstliche Intelligenz“ oder auch „I Robot“. Neben vielen literarischen Werken ist damit der Fundus noch lange nicht erschöpft. Was man allerdings genreübergreifend feststellt, ist das düstere Zukunftsbild, das in den meisten Fällen gezeichnet wird, oder zumindest eine grundlegend kritische Skepsis gegenüber dem Mensch-Maschine-Verhältnis. Doch während sich Mensch und Roboter in Filmen wie „Matrix“ und „I Robot“ erbarmungslos bekriegen, hält sich „Robot & Frank“ an ein sehr realistisches Zukunftsbild. Der VGC-60L wird weder überzogen vermenschlicht, noch als maschinelle Inkarnation apokalyptischer Alpträume oder Auswuchs märchenhafter Utopien inszeniert.
 
Er agiert und reagiert lediglich im Rahmen seiner Programmierung. Auch sein Äußeres – hier stand offensichtlich Hondas ASIMO-Modell Pate – ist eher schlicht und funktionell gehalten und macht ganz klar deutlich, wer hier noch Mensch und was die Maschine ist. So bleibt die immer enger werdende Freundschaft zwischen Frank und seinem Blechgefährten eine einseitige Beziehung, besitzt dieser Roboter doch selbst kein eigenes Empfinden oder Bewusstsein. Nichtsdestotrotz schafft es Jake Schreier die üblichen Prozesse der Vermenschlichung anzukurbeln, sodass nicht nur Frank nach und nach mehr in dem kleinen Blechmann sieht, als einen Roboter mit Seriennummer. Und letzten Endes fasziniert und begeistert uns das doch genauso sehr, wie es Angst macht und existentielle Fragen aufwirft.
 
Stimmungsvolles Ambiente
 
Der leicht philosophische Ansatz und die zunehmende Tragik von Franks Demenz verleiht dieser eigentlich seichten Komödie besonders am Ende eine melancholische Qualität. Trotzdem wird das Problem nie aufdringlich, stattdessen schwingt eine gewisse Grundtraurigkeit mit, die von Bild und Ton poetisch getragen wird. Die sepia- und grünstichigen Farben, sowie die matte Beleuchtung vermitteln auf behutsame Weise eine doch betrübte Stimmung, auch wenn das Bild dadurch manchmal etwas zu dunkel erscheint und in Sachen Schärfe und Kontrast nicht ganz überzeugen kann.
 
Einen wesentlichen Teil zu der einnehmenden Atmosphäre trägt aber auch der Soundtrack bei. Eine Mischung aus unaufdringlichen Indie-Pop-Klängen und sanften Streichern, die sich harmonisch in die Klangdynamik des Films einfügen. Leider hört das sich oft etwas zu dumpf an, was leicht negative Auswirkungen auf das Stimmbild der einzelnen Figuren hat. Dafür ist der Sound gerade in den Tiefen gehaltvoller. Die Wertung

 

 

FILMINHALT: 8 von 10


 
TECHNIK: 7 von 10
 
BILDQUALITÄT: 7 von 10
 
TONQUALITÄT: 7 von 10
 
 
Kurzfazit: Regisseur Jake Schreiers hat ein gelungenes Filmdebüt abgeliefert. „Robot & Frank“ zeigt auch in leisen Tönen eindrucksvoll, dass die Zukunft von Morgen anregende Science-Fiction-Visionen bereithält.
 
BONUSMATERIAL: 0,5 von 10

Infos zur Blu-ray


 
Genre: Komödie | Originaltitel: Robot & Frank | Land/Jahr: US/2012 | Vertrieb: Senator | Bild: MPEG-4, 2.35:1 | Ton: DTS-HD MA 5.1 | Regie: Jake Schreier | Darsteller: Frank Langella, Susan Sarandon, James Marsden | Laufzeit: 89 min | Wendecover: ja | Anzahl Discs: 1 | FSK: ab 6 Jahre | Start: 22. März 2013
 
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[Felix Ritter]

Bildquelle:

  • Inhalte_Blu-ray_Artikelbild: © Auerbach Verlag

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