Apple-Visionär Steve Jobs

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Macintosh-Erfinder und Microsofts Konkurrent

Er ist der Erfinder des Macintosh, er entwickelte den iPod und er ist Microsofts größter Konkurrent. Wenn es einem Mann gelingt, Titel zu erlangen, die nicht immer der Wahrheit entsprechen, so eröffnen sich viele Fragen. Steve Jobs‘ Karriere verlief steil, auf Kosten von Freundschaften und Familie bis zur eigenen Isolation. Bis er erhalten hat, wonach er so lange gestrebt hat: Anerkennung. Am 6. Oktober 2011 beendete Steve Jobs seine Reise: Er erlag seinem langjährigen Krebsleiden.

Ende Oktober, nur knapp einen Monat nach dem Tod des Visionärs, erschien seine 700-seitige Biografie „Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers“ zu erst in den USA  („Steve Jobs: A Biography“) und später in Deutschland. Jobs wirkte selbst an der Aufzeichnung seines Lebens und Wirkens mit.
 

Turbolente Kindheit

 
Steven Paul Jobs wurde am 24. Februar 1955 in Green Bay, Wisconsin, als Sohn einer Amerikanerin und eines Syrers geboren. Doch es war kein Familienglück, welches die noch jungen Studenten für ihr Kind aufbringen konnten. Der gesellschaftliche Druck war Mitte der 50er Jahre schlichtweg zu groß, weshalb Steve Jobs sofort zur Adoption frei gegeben wurde. Paul und Clara Jobs nahmen Steve zu sich und es sollte Zeit Ihres Lebens eine tiefe Verbundenheit zwischen den Dreien herrschen.

Jobs’ Kindheit verlief alles andere als normal, denn der spätere Apple-Gründer war das, was wir heutzutage als hyperaktiv bezeichnen. So kam es auch nicht von ungefähr, dass Jobs bereits im Alter von drei Jahren eine beeindruckende Bilanz aufwies. Neben dem Verzehr von Ameisengift testete Jobs die eigene Leitfähigkeit mittels einer Haarnadel und Steckdose. 1967 fand sich die Familie nach einem weiteren Umzug in der Zeit des technischen Wettstreits wieder. Lockheed arbeitete zusammen mit der NASA am Mond-Projekt und Jobs wähnte sich im siebten Himmel. In der Nachbarschaft lernte er Steve Wozniak kennen. „Mit ihm hatte ich zum ersten Mal jemanden kennen gelernt, der mehr von Elektronik verstand als ich“, erinnert sich Jobs, damals 13 Jahre alt, an Woz, das 18-jährige Technikgenie.
 
Die Zusammenarbeit mit Woz nahm präzisere Züge an, als Jobs in den Folgejahren das Interesse an der puren Technik ein wenig verlor. Stattdessen konnte Jobs wie kein zweiter Bauteile auftreiben, die nirgendwo frei erhältlich waren. Der Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit war eine Box, die das kostenlose Telefonieren rund um den Globus ermöglichen sollte, für gerade mal 300 Dollar. Der Verkauf dieses „Widerstands gegen den Kapitalismus“ war nicht ungefährlich und so gab es immer mehr, welche die Abzocker mit Drohungen und Waffengewalt selbst ausnahmen wie Weihnachtsgänse. Jobs zerfloss in seiner eigens kreierten Unwissenheit und suchte nach dem Sinn des Lebens, bis er schließlich 1974 bei Atari eingestellt wurde.
 
Das Unternehmen feierte mit dem Videospiel Pong riesige Erfolge und suchte nach Technikern. Die Einstellung verlief jedoch nicht ohne Gegenwind, denn die Produktionsleiter sahen in Jobs einen in Lumpen gehüllten Hippie mit absurden Visionen. Die einzige Möglichkeit, die anderen Mitarbeiter vor ihm und sich selbst zu schützen, war die Verlegung der Arbeitszeit. Jobs brütete nun nachts über seinen Entwürfen, in der eigenen Stille seines Geistes.
 

Erfahrungen fürs Leben

Eine Reise nach Indien sollte nicht nur sein Gemüt erhellen, sondern auch die wichtigste aller Fragen beantworten: Worin liegt der Sinn des Lebens? Auf dieser ungewissen Reise war Jobs nicht allein, sondern überredete den langjährigen College-Freund Dan Kottke ihn zu begleiten. In Indien angekommen zerbrach ihr Weltbild, denn das Land unterschied sich von ihren Ideologien: es war arm. Nicht etwa Hippie-Armut, wie man sie aus Kalifornien kannte, sondern Armut ohne eine Aussicht auf Besserung.
 
Trotz der immensen kulturellen Unterschiede fiel Jobs unter den Massen nicht wirklich auf. Sein äußeres Erscheinungsbild war durch zerrissene Jeans und zerfetzte T-Shirts geprägt, weshalb die Integration in die indische Kultur perfekt gelang. Dan und er brachen in Richtung Norden zum Himalaja auf. Während eines religiösen Festes geschah etwas Sonderbares. Jobs wurde von einem Baba zum Brunnen geführt und dort seiner Haarpracht entledigt. Dieser Moment war wohl das erste Ereignis in Jobs’ Leben, welches urplötzlich und ohne Vorwarnung geschah. Weder konnte er sich darauf einstellen noch sich zur Wehr setzen. Jobs fühlte sich ausgesetzt und hilflos.
 
Sie entschlossen sich am Tag ihrer Abreise erst nachmittags aufzubrechen, was im Nachhinein ein Fehler war. Wenige Stunden später gerieten sie in ein Gewitter, dessen Stärke sie maßlos unterschätzt hatten. Um nicht vollkommen im Regen unterzugehen, gruben sie sich in den Sand ein. Sie überlebten, abgemagert, verwirrt und desillusioniert. Die gesamte Indienreise war für Jobs intensiv und verstörend zugleich.
 

Voller Tatendrang

Wozniak arbeitete nach Jobs’ Rückkehr bei HP. Beide trafen sich hin und wieder in Ataris Entwicklungshallen, um dort ein Computerspiel namens „Break Out“ zu entwickeln. Jobs war bei diesem Projekt der Verwalter und strich am Ende 1 000 Dollar für die Vollendung des Videospieles ein. Wozniak gab er nur 300 Dollar, da er angeblich nur 600 von Atari erhielt. Hier sollte sich Steve Jobs’ Schlitzohrigkeit zeigen, die er Zeit seines Lebens auch immer wieder einsetzte, um selbst Freunde für seine Ziele zu benutzen. Wozniak sollte diesen Betrug aber wenig später erfahren und die Freundschaft der beiden wurde nicht zum ersten Mal auf eine gewaltige Zerreißprobe gestellt. Mit Einführung des Computerbausatzes im Jahre 1975 war es dann soweit: Jobs schmiedete eifrig Pläne um diese Entwicklung in Geld umzuwandeln. Dafür rief er „Apple“ ins Leben.
 
Der Begriff leitet sich aus seiner Zeit auf einer Apfelplantage ab. Das erste Projekt war der Apple I. Die verlöteten Platinen fanden jedoch erst Interesse, als in der Gegend ein Computerladen seine Pforten öffnete. Als die ersten Computer an den Byte-Shop geliefert wurden, gab es jedoch ein großes Durcheinander. Der Ladenbesitzer erwartete Computer mit Bildschirm, Maus und Tastatur – Jobs und Wozniak assoziierten mit Computer jedoch eine funktionsfähige Platine. Aus den angepeilten 25 000 Dollar wurden nur 6 000, was aber immerhin einen Gewinn von 3 000 Dollar bedeutete. Bis zum ablaufenden Jahr sollte Apple Computer 150 Platinen des Modells Apple I ausliefern, was Einnahmen von 150 000 Dollar entsprach. Der Apple II sollte nach Jobs’ und Woz’ Willen eine Revolution auslösen. Anstatt dem Computer ein separates Betriebssystem aufzubürden, würde das Apple-Gegenstück nicht nur schneller, sondern auch vollautomatisch starten.
 
Um ihr ruhmreiches Projekt zu präsentieren, flogen Sie zum ersten PC-Treffen nach Atlantic City. Bereits auf dem Flug dorthin wurde den beiden jedoch klar, dass sie außer einer hässlichen Kiste nichts zu bieten hatten. Am Apple-Stand der Messe übertrug sich das Abbild ihres Machwerks auf ihren Auftritt: Verglichen mit ihrem improvisierten Stand waren die Konkurrenten prächtiger, beeindruckender und seriöser. Als Langhaariger in zerfetzten Klamotten fiel es Jobs schwer, Kunden für sein Projekt zu begeistern. Dennoch sah er sich in der Vollendung des Apple II bestätigt: „Mit dem Apple II brauchte man kein Hobby-Computerkonstrukteur mehr zu sein.“
 

Apple Produkt-Timeline

Der Vater des Macs

Während Jobs im privaten wie im Arbeitsleben mit seinen Visionen haderte, war es Jef Raskin, der die Firma Apple für alle Zeit unsterblich machen sollte. Sein Prototyp des Macintoshs (nach der Apfelfrucht McIntosh) wurde das Statussymbol eines Computers. Günstig in der Anschaffung und einfach in der Bedienung. Der Macintosh wurde vor Steve Jobs versteckt gehalten, denn dieser erteilte dem Projekt eine klare Absage, schließlich musste LISA zur Marktreife gelangen.
 
1981, nach dem Geldsegen und Jobs’ Rauswurf beim LISA-Projekt, dämmerte aber auch dem Apple-Gründer, welch immenses Potenzial sich hinter dem Macintosh verbarg. Er begann, sehr zum Leidwesen von Raskin, das Projekt zu diktieren. Dem leiblichen Baby schenkte er bisher keine Aufmerksamkeit, doch das Adoptivkind Macintosh gab er nicht mehr aus der Hand. Als der Macintosh immer mehr Gestalt annahm und Jobs’ Projekt die Kernzielgruppe von LISA anpeilte, ahnten die Produktmanager jedoch das größte Problem seit Firmenbeginn: zwei identische Produkte für eine Zielgruppe. Dabei war der Macintosh mittlerweile LISA in Kompaktheit, Einfachheit und Schnelligkeit überlegen – das Prestigeobjekt drohte zum Groschengrab zu mutieren. Steve Jobs hatte es geschafft: Sein neues Projekt stach sein letztes aus, nur war es leider sein Unternehmen, das beide finanzierte.
 
Das Bild seiner Firma konnte ausgefallener nicht sein: Auf der einen Seite die Piratenflaggen schwenkenden Eigenbrödler um Jobs, die mit dem Macintosh das wohl beeindruckendste Stück Computertechnik aller Zeiten entwarfen, und auf der anderen Straßenseite die Mitarbeiter am Projekt LISA, höher bezahlt, aber mit weit weniger Privilegien ausgestattet. Am 24. Januar 1984 wurde der Macintosh der Weltöffentlichkeit präsentiert.
 
Nach zahllosen Querelen und Machtkämpfen, gepuscht durch einen innovativen Werbespot von „Alien“-Regisseur Ridley Scott, wurde der Macintosh das Abbild des amerikanischen Traumes und Steve Jobs vergöttert – von nun an galt er als Ziehvater des Apple Macintosh, ein Kredit, von dem er ein Leben lang wird zehren können. Vernebelt vom Größenwahn ließ der tiefe Fall jedoch nicht lange auf sich warten. Nachdem der Hype um den Macintosh abfl achte, wurden die Konstruktionsmängel immer offensichtlicher. Die Menschen erwarteten von einem Computer kein außergewöhnliches Design, eine Maus oder bunte Farben, sondern einzig und allein, dass er funktionierte – letzteres war die Achillesferse des Macintosh.
 

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