BluNote-Café: Klassik

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Italienisches Temperament: Claudio Abbando

Auch in diesem Monat kehren wieder einige Künstler in unserem BluNote-Café ein, um zu verweilen und sich der Kritik unserer Redaktion zu stellen. Dieses Mal steht alles im Zeichen der Orchester- und Kammermusik. Epochenübergreifend portraitieren wir grandiose Musiker, wie zum Beispiel den Piano-Transzendenten Arcadi Volodos oder den Weltklassedirigenten Claudio Abbado.

Zudem empfehlen wir großartige Sinfonien, die durch ihre hochwertige Klangqualität das Heimkino zum Konzertsaal werden lassen. Wir laden Sie hiermit herzlichst auf eine Reise durch die verschiedenen Epochen der Orchester- und Kammermusik ein und hoffen, Sie mit unserer Auswahl an Ausnahmekünstlern überzeugen zu können.

Claudio Abbado – Mahler: Symphony No. 3

Der Italiener Claudio Abbado gehört zu den respektiertesten lebenden Dirigenten. Nach seinem frühen Musikstudium führte ihn die Hingabe zur Musik an die unterschiedlichsten Orte. Mit seinem Lucerne Festival Orchestra, welches sich Abbado eigens aus erlesenen Orchestermusikern und Solisten zusammen gestellt hatte, kehrte der jugendlich anmutende Italiener im KKL Luzern ein. Auf dem Programm stand Gustav Mahlers dritte Sinfonie, welche als vertonte Entstehung des Kosmos gilt. Das Konzert wurde aufgenommen und erschien kürzlich unter Regie der Nischengröße Michael Beyer auf Blu-ray.
 
Die Schnitte sind passend auf die musikalische Performance abgestimmt, was der Atmosphäre des Konzerts und der unglaublich dynamischen Komposition Mahlers eine zusätzliche spannende Note verleiht. Dynamik wird bei Abbados Mahler ohnehin großgeschrieben: Unkomprimiert, rein und breit frequentiert präsentiert sich die Lossless-Tonspur.
 
Das muss sie auch, bei solcher Musik, welche sich durchweg durch ihre dynamischen Strukturen definiert. Mahler polarisierte allerdings schon immer, sehr pathetisch sind seine Werke und bieten dem Hörer nicht gerade den besten Zugang. Nichtsdestotrotz lassen sich die einzelnen Instrumente wunderbar in der Klanglandschaft orten und stehen transparent im Panorama. In puncto Tiefenstaffelung wurde auch gute Arbeit geleistet, die Instrumente können je nach Anordnung auf der Bühne sogar in der Tiefe wahrgenommen werden. Beide Tonspuren überzeugen, allerdings ist die Surround-Spur vorzuziehen, da diese das Kultur- und Kongresszentrum Luzern räumlich adäquat abbildet und die Instrumente transparenter ortbar sind. Die Extras definieren sich allerdings nur durch einige Trailer.

Johann Sebastian Bach – Brandenburg Concertos 1-6

Claudio Abbado ist nicht gerade für seine Bach- Interpretationen berühmt. Allerdings zeigte der trotz seines Alters noch jugendlich anmutende Italiener im Frühjahr 2007, dass sich Johann Sebastian Bach mit seinen kompositorisch genialen Werken noch heute behaupten kann. Unter der Ägide Abbados gab das junge Orchestra Mozart im Teatro Municipale Romolo Valli in Reggio Emilia Bachs Brandenburger Konzerte zum Besten. Dass jener Veranstaltungsort mit seinen 1150 Plätzen und der damit einhergehenden intimen Atmosphäre für solche Kammermusik perfekt ist, steht außer Frage. Die Blu-ray besticht wie so oft nicht durch ihre Bildqualität. 50-Hertz-Aufnahmen lassen das Bild trotz hohem Detailgrad nach einer TV-Sendung aussehen, Farbverschiebungen und Bildflachheit dominieren den visuellen Eindruck. Dies tut dem Konzert als solchem jedoch keinen Abbruch. Es zählen die überaus qualitativen Audioaufnahmen.
 
Die Blu-ray ist mit einer verlustfreien Stereo-PCM- sowie einer Surround-PCM-Spur im 5.1-Format ausgestattet. Dass zwischen einer gut gemischten Stereospur und einem lieblosen 5.1-Panoramamix oftmals Welten liegen, steht fest. Allerdings punkten hier beide Formate. Jedes Instrument ist seinem eigenen Frequenzbereich zugeordnet, was ein gesamtakustisch aufgeräumtes Klangbild zur Folge hat. Die Signalortung wurde im Mix ebenfalls großgeschrieben, die einzelnen Instrumente sind sowohl im Panorama als auch in der Tiefe differenziert zu erkennen. Bei Claudio Abbado steht musikalische Transparenz an erster Stelle und diesbezüglich tut der Veranstaltungsort sein Übriges. Die dezenten räumlichen Kapazitäten beschränken ungewollten Hall und unstimmige Raumantworten auf das Minimum. Die Folge ist ein wettbewerbsfähiges Hörerlebnis.

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