Die Geschichte von 3-D

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Vom ersten Stereoskop zum 3-D-Boom

Was schon im 19. Jahrhundert begann und sein Dasein auf Jahrmärkten fristete, stattete den Kinos immer wieder einen Besuch ab: Der dreidimensionalen Technik blieb der Durchbruch aber lange verwehrt. Mittlerweile ist die 3-D-Darstellung technisch erwachsener geworden und überzeugt mit farbenfroher und plastischer Qualität.

Warum wir dreidimensional sehen

Seit die Bilder laufen lernten, träumt die Menschheit von derdreidimensionalen Illusion. Bereits im 19. Jahrhundert wurden mitsogenannten Stereo- Fotoapparaten plastische Bilder geschossen, abervorerst nur unbewegte. Momentan befinden wir uns im dritten 3-D-Boom –Zeit für eine Retrospektive.
Unsere Augen liefern dem Gehirn zwei Bilder, die dem Augenabstand entsprechend um etwa sechs Zentimeter versetzt sind; diese werden dann wieder zusammengefügt und ein dreidimensionaler Eindruck entsteht. Schon 300 vor Christus beschäftigte sich der griechische Mathematiker Euklid mit dem räumlichen Sehvermögen. Zu dieser Zeit war jedoch noch nicht bekannt, dass das Zusammenspiel beider Augen dafür verantwortlich ist.
 
 
Im 19. Jahrhundert präsentierte der englische Physiker Sir Charles Wheatstone einen Apparat für das binokulare Sehen. Seine Holzkonstruktion hatte in der Mitte einen Spiegel und hielt man sie nahe genug an die Augen, sah man für ein Auge jeweils nur ein Bild und das Gehirn setzte sie wieder zu einem Ganzen zusammen – ein dreidimensionaler Eindruck entstand. Wheatstone nannte diesen Apparat Stereoskop (stereo: griechisch für „körperlich“). In den folgenden Jahren wurde das stereoskopische Verfahren vorwiegend in der Fotografie genutzt und in Form von Guckkästen mit Naturaufnahmen ferner Länder auf Jahrmärkten präsentiert. Die plastischen Attraktionen waren damals sehr beliebt.

Im Kontext der Musik wurde der Stereobegriff übrigens erst viel später genutzt. Der erste 3-D-Boom begann 1851 im Zuge der Weltausstellung in London.
 
Auslöser war jedoch nicht das Stereoskop von Wheatstone, sondern das des schottischen Physikers Sir David Brewster, dessen Konstruktion wesentlich handlicher war.
 
1853 erfand Wilhelm Rollmann in Leipzig das Anaglyphenverfahren (Rot-Grün-Filter).
 
Die Darstellung wurde früher vorwiegend in Mathematikbüchern genutzt, um etwa die Trigonometrie anschaulicher zu vermitteln.

1895 brachten die Gebrüder Lumière einen einminütigen experimentellen3-D-Kurzfilm in die Kinos. Der dreidimensionale Effekt von „L’arrivéed’un train à La Ciotat“ war so realistisch, dass Zuschauer schreiend dasKino verließen, da sie befürchteten, von dem in den Bahnhofeinfahrenden Zug überrollt zu werden.

Das Kino lernt fliegen

Der erste abendfüllende 3-D-Filmhieß „The Power Of Love“ und wurdeam 27. September 1922 im AmbassadorHotel Theater in Los Angelesaufgeführt.
 
Das 3-D-Kamera-Rig wurde von Produzent Harry K. Fairall und Kameramann Robert F. Elder entwickelt, die beiden Bilder wurden über das Anaglyphenverfahren getrennt. Für den 3-D-Eindruck nahm die Kamera im Sidy-by-Side-Verfahren auf (das auch heute noch zum 3-D-Standard gehört), zwei Prismen sorgten für die nötige Bildtrennung und das Prizma-Farbsystem färbte die Bilder rot bzw. blau. „The Power Of Love“ kam allerdings nie über eine Pressevorführung hinaus und verschwand in der Versenkung.
 
Die 3-D-Technik verlor zunehmend an Bedeutung, zumindest trieb der Ansatz die Entwicklung des Farbfilms weiter voran: Aus dem genutzten Prizma- ging das Multicolor-System hervor. Erst 1952 rückten 3-D-Filme wieder in den Fokus und der zweite 3-D-Boom wurde mit dem Film „Der Teufel Bwana“ eingeläutet. Der Erfolg ist maßgeblich dem Polaroid-Fototechnik-Pionier Edwin Herbert Land zu verdanken, der den Grundstein für die Polarisationstechnik legte.
 
Diese erlaubt einen wesentlich exakteren 3-D-Eindruck und erstmals konnten die plastischen Bilder in Farbe bestaunt werden. Der Boom endete aber bereits wieder 1954 und Hitchcocks Klassiker „Bei Anruf Mord“ schaffte es in Europa in der stereoskopischen Version erst gar nicht in die Kinos. 3-D lebte fortan in diversen populären Comicheften weiter, den Ausgaben lagen oft Anaglyphenbrillen bei.

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