Die Geschichte des Fernsehens: Eine Spielerei setzt sich durch (Teil 3)

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© Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Als während der frühen bis mittleren 1950er-Jahre das Fernsehen ganz klein begann, glaubten die wenigsten daran, dass es sich durchsetzen werde. Es wurde als eine Spielerei abgetan, die keinen interessieren würde. Gegen Ende des Jahrzehnts war das Fernsehen bereits dabei, die Welt zu verändern.

Regelmäßiges Fernsehen wurde im Großraum Berlin bereits zwischen 1935 und 1944 ausgestrahlt. Am 27. November 1950 schlug seine zweite Geburtsstunde in Deutschland. Vom Hochbunker Heiligengeistfeld in Hamburg strahlte der NWDR von nun an drei Tagen in der Woche ein Fernseh-Versuchsprogramm aus. Im Vorfeld bauten der Technischer Direktor und zehn Fernsehspezialisten der ehemaligen Reichspost-Fernsehgesellschaft mit bescheidenen Mitteln eine Studioeinrichtung auf. Aus den Trümmern der ehemaligen Fernsehstätte Berlin wurden die verbliebenen Reste der technischen Einrichtungen nach Hamburg transportiert und eine Superikonoskop-Kamera auf die neue 625-Zeilen-Norm umgebaut. Weiter wurde ein Filmabtaster für 35-mm-Kinofilm bereitgestellt.

Mit diesem Equipment gelang in Hamburg am 12. Juli 1950 die erste Ausstrahlung eines Fernsehsignals, ein Testbild, nach dem Krieg auf deutschem Boden. Bereits am 1. August 1950 nahm auch das Rundfunk- und Fernsehtechnische Institut in Berlin-Adlerhof in der noch jungen DDR erste Sendeversuche mit Fernsehbild- und Tonsignalen auf. Im September 1951 nahm auch auf dem Werksgelände von Grundig im bayerischen Fürth ein TV-Sender den Betrieb auf, der ein tägliches Versuchsprogramm ausstrahlte.

Auswahl an Fernsehgeräten aus den 1950ern. Ihnen gemeinsam ist der noch relativ kleine Bildschirm und der exklusive Empfang auf VHF.
© Auerbach Verlag/Thomas Riegler/Rundfunkmuseum Cham

Fernsehstart in Deutschland

Anlässlich Stalins Geburtstags startete in der DDR am 21. Dezember 1952 das Versuchsprogramm des Fernsehzen­trums Berlin mit der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ in der DDR. Zu dem Zeitpunkt gab es im deutschen ­Osten 300 Fernseher des Typs Leningrad T 2. Ihr Verkauf startete bereits am 16. November.

Vier Tage später startete in der BRD der tägliche, reguläre Programmdienst im Fernsehen. 4 500 TV-Geräte standen zu dem Zeitpunkt in den deutschen Haushalten. Pünktlich um 20 Uhr verkündete der Intendant des NWDR, Werner Pleister, man werde sich bemühen, den Zuschauern von nun an ein interessantes Programm zu bieten, das sie erfreuen und ihr Leben schöner machen wird. Der Ansprache folgten das live im Studio aufgeführte Fernsehspiel „Stille Nacht, heilige Nacht“ sowie ein live aufgeführtes Tanzspiel. Um 21.58 Uhr verabschiedete sich die TV-Sprecherin mit den Worten: „Wir sehen uns morgen wieder.“

Bereits der zweite Sendetag des Deutschen Fernsehens hatte es in sich. An dem Tag flimmerte zunächst die erste Tagesschau über die Mattscheibe. Ihre Premiere hatte sie allerdings schon am 4. Januar 1952 im Rahmen des Versuchsprogramms des NWDR gehabt.

Die frühen Fernseher besaßen so genannte Trommelkanalwähler, mit denen die Empfangsfrequenz eingestellt wurde.
© Auerbach Verlag/Thomas Riegler

Das Highlight des zweiten Sendetages war auch das erste regulär übertragene Fußballspiel. Live! Gezeigt wurde eine Begegnung des FC St. Pauli, der sein Stadion direkt neben dem NWDR-Studio hatte, gegen den SV Hamborn 07. Diese Begegnung wurde extra für das Fernsehen um über einen Monat nach hinten verschoben. Zu sehen gab es ein turbulentes Spiel mit zahlreichen Strafraumszenen und zwei Ausgleichen (1:1 und 3:3). Der SV Hamborn 07 ging schließlich als Sieger vom Platz. Zur ersten deutschen Fußballübertragung kamen nur zwei Kameras zum Einsatz. Eine fiel während der Begegnung aus, die zweite hielt bis zum Abpfiff durch.

Gerade der Fußball trug während der nächsten Jahre entscheidend zur schnellen Verbreitung des Fernsehens bei. Denn das neue Medium vermittelte Dank zahlreicher Nahaufnahmen ein Fußballfeeling, das die Fans in dieser Art und Weise noch nicht einmal annähernd kannten. Genau genommen war dies bereits das zweite Fußballspiel im deutschen Fernsehen. Bereits vier Monate zuvor wurde das Oberliga-Punktespiel zwischen Altona 93 und dem HSV gezeigt. Damals sogar mit drei Kameras, die auf die Tore und das Mittelfeld ausgerichtet waren. Sogar ein Ü-Wagen kam schon zum Einsatz.

Das Wunder von Bern

Die Fußball-WM 1954 war die erste, die im Fernsehen übertragen wurde. Sie demonstrierte zunächst, wozu das neue Medium in der Lage war. Von den 26 Begegnungen wurden acht in voller Länge im Deutschen Fernsehen übertragen. Dank des sensationellen Turnierverlaufs gingen Fernseher weg wie die warmen Semmeln. Innerhalb der drei WM-Wochen stieg die Zahl der angemeldeten Geräte von 27 600 auf fast 41 000. Was eine Steigerung von annähernd 50 Prozent bedeutete.

Die ergonomisch geformte Kabelfernbedienung lässt sich bequem mit zwei Händen bedienen. Über sie lassen sich Lautstärke und Bildeinstellungen korrigieren.
© Auerbach Verlag/Thomas Riegler/Rundfunkmuseum Cham

Die meisten haben das entscheidende Spiel jedoch in Gaststätten erlebt. Sie waren in den Dörfern und Städten meist die ersten, die einen Fernseher besaßen. Das Wunder von Bern hat sich in das Gedächtnis aller, die es live im Fernsehen miterleben konnten, eingebrannt. Für viele sind es überhaupt die ersten Erinnerungen an dieses noch sehr neue Medium. Vielfach wurde es nicht nur als Wunder empfunden, dass Deutschland Weltmeister wurde. Ein mindestens genauso großes Wunder war es, selbst in der Ferne hautnah am Geschehen dran zu sein. Welche tiefe Emotionen damals geherrscht haben mögen, lassen sich heute bestenfalls erahnen.

Telesaar

Das Saarland war bis 1957 eine autonome, nicht der BRD zugehörige Region, weshalb hier das Rundfunkwesen eine andere Entwicklung nahm. Bereits im Frühjahr 1953 starteten die Vorbereitungen für das saarländische Fernsehen. In den meisten europäischen Ländern waren zu der Zeit Privatsender verboten. Nicht aber im Saarland. Die Geldgeber von Telesaar kamen aus Frankreich. Der regelmäßige Programmbetrieb wurde am 23. Dezember 1953 aufgenommen. Es wurde über einen 100-Watt-Sender auf dem Eschberg in Saarbrücken auf dem französischen Kanal F7 mit der 819-Zeilen-Norm gesendet. Das tägliche Programm wurde von 19 bis 22 Uhr ausgestrahlt und umfasste unter anderem eine synchronisierte Tagesschau aus Paris, Live-Kommentare, sowie Spielfilme. Ab Mitte 1954 wurde auch Werbung gezeigt.

In manchen Teilen des Saarlands war auch das Programm der ARD zu empfangen. Was die Saarländer jedoch vor eine Herausforderung stellte, da die deutsche und die von Telesaar genutzte französische Sendenorm wenig Gemeinsames hatten. Womit schon damals Geräte für beide Normen angeboten wurden.

Am 23. Dezember 1953 startete im Saarland der Privatsender Telesaar. Er nutzte die französische 819-Zeilen-Norm.
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Mit dem Beitritt des Saarlands an die Bundesrepublik Deutschland wurde Telesaar der erste private deutsche TV-Sender. Was eigentlich verboten war. Doch die wasserdichten Verträge der Telesaar-Verantwortlichen schützten den Sender vorerst vor der Schließung. Der deutschen Bundespost war neben der reinen Existenz dieses „Piraten“ auch die Nutzung einer für Deutschland nicht vorgesehenen Sendenorm und einer Frankreich zugesprochenen Übertragungsfrequenz ein Dorn im Auge. Am 25. Januar 1958 wurde Telesaar vorübergehend polizeilich geschlossen. Die endgültige Schließung wurde am 10. März 1958 vom Bundespostminister verfügt und sollte am 15. Juli 1958 wirksam werden. Nach der Sendung „Der Rest ist Schweigen“ stellte Telesaar am 15. Juli um 22.00 Uhr seinen Betrieb ein.

In der nächsten Folge widmen wir uns unter anderem dem Weg des Fernsehens in die privaten Wohnzimmer den Errungenschaften, die der erste Beamer mit sich brachte.

Ältere Folgen:
Die Geschichte des Fernsehens: Wie alles begann (Teil 1)
Die Geschichte des Fernsehens: Olympia 1936 und der Krieg (Teil 2)

Bildquelle:

  • Geschichte-des-Fernsehens-Teil-2-2: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler/Rundfunkmuseum Cham
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