Workshop: Bis zu 64 Sat-Positionen mit DiSEqC 1.1 empfangen

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Das DiSEqC 1.1-Steuerprotokoll erlaubt uns die Errichtung von Multifeed-Anlagen, mit denen wir bis zu 64 Satellitenpositionen ansteuern können. Was sich in der Theorie verlockend anhört, sorgt in der Praxis oft für Kopfzerbrechen beim Programmieren am Receiver oder TV-Gerät.

Dieses Steuerprotokoll verwaltet bis zu vier Satellitenpositionen und bietet sich für kleine Multifeed-Anlagen an. Etwa, wenn mit einer Schüssel neben Astra auf 19,2 Grad Ost auch noch die britische Astra-Position auf 28,2 Grad Ost, Türksat auf 42 Grad Ost und etwa Hotbird auf 13 Grad Ost empfangen werden sollen. Die DiSEqC 1.0-Parameter sind im LNB- oder Antenneninstallationsmenü zu programmieren. Welcher DiSEqC 1.0-Port für die einzelnen Sat-Positionen auszuwählen ist, hängt alleine davon ab, an welchen Eingängen des DiSEqC-Relais die LNBs für Astra und Co. angeschlossen wurden. Ihre Beschriftung gibt Aufschluss darüber, welcher DiSEqC-Eingang einzustellen ist. In den Menüoberflächen sind dazu unter DiSEqC 1.0 entweder die Zahlen 1 bis 4 oder die Buchstaben A bis D vorgesehen.

DiSEqC 1.1

DiSEqC 1.1 ist eine Erweiterung des DiSEqC 1.0-Protokolls und erlaubt das Steuern von Multifeed-Anlagen mit bis zu 64 LNBs über das Antennenkabel. Seit Jahren ist DiSEqC 1.1 Bestandteil der üblichen Standardausstattung und wird von so gut wie jedem Receiver unterstützt. Es gibt aber nach wie vor äußerst seltene Ausnahmen, die nur DiSEqC 1.0 unterstützen und so nur maximal vier Satelliten empfangen können.
Bei den heute üblichen Fernsehgeräten mit Multituner sucht man DiSEqC 1.1 jedoch in der Regel vergebens. Auch sie verstehen sich nur auf DiSEqC 1.0. Werden sie an einer umfangreicheren Multifeed-Anlage betrieben, hat man selbst mit ultramodernen Flimmerkisten nur den Zugang zu den ersten vier Satellitenpositionen. Eigentlich ein Beweis dafür, dass die in den TV-Geräten verbauten Multituner kein Ersatz für einen externen Receiver sind. Selbst billige Einsteigerboxen stellen den TV-Multituner in den Schatten. Aber das ist eine andere Geschichte.

DiSEqC 1.1 programmieren

Die Menüoberflächen der meisten Receiver kommen mit separaten Zeilen für die Einstellung der DiSEqC 1.0- und -1.1-Parameter. Was zwar heißt, dass bei einer kleinen DiSEqC 1.0-Anlage nur Einstellungen in der DiSEqC 1.0-Menüzeile vorzunehmen sind. Es bedeutet aber nicht, dass größere DiSEqC 1.1-Anlagen nur über die DiSEqC 1.1-Zeile zu programmieren sind. Die Mehrheit der Receiver erfordert, ab LNB 5 in beiden Menüzeilen für die korrekten Einträge zu sorgen. Für Überraschungen mag auch sorgen, wenn man feststellt, dass unter DiSEqC 1.1 nur 16 Eingänge angeboten werden. Wo das Schaltprotokoll doch bis zu 64 LNBs zu verwalten vermag. Des Rätsels Lösung liegt in den zur Verfügung stehenden DiSEqC-Bauteilen. DiSEqC-Relais sind mit zwei, vier, acht und 16 Eingängen, letztere nur von wenigen Anbietern, erhältlich. Es sind also Kaskaden aufzubauen. Sollen etwa 16 Positionen empfangen werden, wird dazu zunächst ein DiSEqC-Relais mit zwei Eingängen benötigt, an die je ein weiteres Relais mit je acht Eingängen anzuschließen ist. Alternativ lässt sich eine solche Anlage auch mit fünf DiSEqC-Schaltern mit je vier Eingängen aufbauen. Als Erweiterung von DiSEqC 1.0 baut die Version 1.1 auf Vierergruppen auf. Zur Erinnerung: DiSEqC 1.0 kann vier Sat-Positionen verwalten. Sie werden meist mit den Buchstaben A bis D gekennzeichnet. Auch DiSEqC 1.1 bedient sich dieser vier Buchstaben. Womit sich das Einrichten der ersten vier Orbitpositionen zunächst nicht von DiSEqC 1.0 unterscheidet. Als zusätzlicher Parameter ist aber das DiSEqC 1.1-Kommando festzulegen. Für die ersten vier Satelliten ist das Input 1. Von Satellit fünf bis acht sind in der DiSEqC 1.0-Kommandozeile wieder die Buchstaben A bis D zu vergeben. Ihnen wird aber unter DiSEqC 1.1 Input 2 zugeordnet. Für Satellit 7 ist so etwa unter DiSEqC 1.0 Port C und unter DiSEqC 1.1 Input 2 zu programmieren. Die Aufteilung in zwei Vierergruppen ist selbst dann anzuwenden, wenn an der Multifeed-Antenne nur ein einziges DiSEqC-Relais mit acht LNB-Eingängen und einem Receiver-Ausgang verbaut wurde.

Prinzipieller Aufbau einer DiSEqC 1.1-Multifeed-Anlage für 64 Satellitenpositionen. Es sind mehrere, in Serie geschaltete Bauteile vonnöten

Probleme mit DiSEqC 1.1

Immer wieder hört man Klagen von Multifeed-Betreibern, dass ihre Anlagen nicht so laufen, wie gedacht. Meist sind über Nacht mehrere Sat-Positionen nicht mehr per DiSEqC 1.1 ansteuerbar. Üblicherweise wird der Fehler in einem defekten DiSEqC-Relais geortet.
Zumindest nach unserer Erfahrung liegt der Fehler aber kaum bei einem kaputt gegangenen Relais, sondern eher beim Unvermögen mancher Boxen, mit den DiSEqC 1.1-Steuerbefehlen korrekt umzugehen. Um dem auf den Grund zu gehen, haben wir mehrere Set Top-Boxen an unserer 8-Satelliten-Hausanlage zu betreiben versucht. Bei der Mehrheit der Geräte erfolgte die Programmierung, wie zuvor beschrieben. Einziger Unterschied: Unter DiSEqC 1.0 war in den Menüoberflächen nicht immer von den Ports A bis D die Rede, sondern auch schon mal von „1 of 4“ (anstatt A) bis „4 of 4“ (anstatt D).
Zumindest ein Receiver brachte uns aber gehörig ins Schwitzen. Anstandslos klappte bei ihm nur das Anlegen der ersten vier Orbitpositionen. Also im weiteren Sinne nur dem, was DiSEqC 1.0 entspricht. Von den Satelliten fünf bis acht konnten wir überhaupt nur zwei weitere zuverlässig zum Laufen bringen. Allerdings nur, indem wir alle nur erdenklichen Kombinationen der unter DiSEqC 1.0 und 1.1 möglichen Parameter ausprobiert hatten. Eine dritte Position funktionierte nur gelegentlich und bei der vierten schafften wir es kein einziges Mal, eine Verbindung zwischen dem Receiver und dem gewünschten LNB herzustellen. Letztlich mussten wir uns eingestehen, dass wir diese eine Box nicht an unserer 8 Satelliten-Anlage zum Laufen bringen konnten. Wir haben unser Glück auch an einer zweiten Multifeed-Anlage mit 8/1-DiSEqC-Relais versucht. Mit demselben niederschmetternden Ergebnis. Der Einsatz anderer Boxen verriet uns aber, dass sämtliche verbaute LNBs und DiSEqC-Relais einwandfrei funktionierten.

Anstatt eines Achtfach-DiSEqC-Relais können auch ein Relais mit zwei sowie zwei mit vier Eingängen genutzt werden

Stichwort PC-Empfang

Zuletzt haben wir den DiSEqC 1.1-Multifeedempfang auch mit PC-Receivern und der DX-Software EBS Pro untersucht. Es werden bis zu 16 Satellitenpositionen unterstützt. Zuerst ist im Satelliten-LNB-Untermenü die Art des DiSEqC-Protokolls, also in unserem Fall die Version 1.1, auszuwählen. Weiter ist der Eingang am DiSEqC-Relais auszuwählen. Dafür werden die Zahlen 1 bis 16 angeboten. Damit die vorgenommenen DiSEqC-Programmierungen von EBS Pro auch übernommen werden, genügt es nicht, die Einstellungen abzuspeichern. Erst nachdem die Software beendet und anschließend neu gestartet wurde, funktionieren die neuen DiSEqC-Parameter. Wechselt man von einem Satelliten zum Nächsten, ist demnach EBS Pro jedes Mal neu zu starten.

Bildquelle:

  • DiseqC1_Galerie01: © Auerbach Verlag
  • DiseqC1_Galerie02: © Auerbach Verlag
  • DiseqC1_Startbild: © Auerbach Verlag/Thomas Riegler

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