Überrascht im Test: Mini-LED-LCD TCL 65X10

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Mit mehr als 15000 Mini-LEDs, 768 Dimming-Zonen, QLED-Farben und 4K-LCD-Panel will der X10 es an die Spitze der Wertungscharts schaffen. Ob dieses Unterfangen geglückt ist, haben wir für Sie untersucht.

Dieser Test erschien zuerst im HDTV Magazin 4/2020.

Wie komplex die Herstellung eines Mini-LED-LCDs sein muss, lässt sich bereits an unserem Testzeitpunkt erkennen: Der TCL X10 wurde für 2019 angekündigt, doch erst jetzt kommen wir in den Genuss, den ersten Mini-LED-LCD in Augenschein zu nehmen. TCLs Angaben sprengen dabei alles, was Sie von anderen LED-LCD-Herstellern im 4K-TV-Segment aktuell finden werden: Erstmals kommt in einem LED-LCD-TV eine Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung zum Einsatz. Die geschrumpften Leucht­dioden leuchten innerhalb des ultraschlanken Panels eine deutlich kleinere Fläche aus, weshalb mehr als 15 000 Mini-LEDs vollflächig verteilt sind, um den 65-Zoll-Bildschirm gleichmäßig auszuleuchten. Noch ist es nicht möglich, alle Mini-LEDs einzeln anzusteuern, weshalb im TCL X10 ein Dimming-Raster mit 32 × 24 (768) Zonen zum Einsatz kommt. Effizienz ist Trumpf bei der Mini-LED-Technologie: Trotz der geschrumpften Display-Tiefe wird der X10 auch unter Dauerbelastung nicht störend warm und unser Energiemesser sprang auch in HDR-Extremsituationen nicht über die 250 Watt Marke. Zusätzlich zum Mini-LED-Backlight bekommen Sie ein 100/120-Hz-LCD-Panel und einen QLED-Farbfilter im X10 serviert, sodass der aufgerufene Handelspreis von knapp 2 300 Euro für den 65X10 wie ein einmaliges Schnäppchen erscheint. Und auch bei der Verarbeitung und Tonqualität enttäuscht dieser TCL-TV nicht: Der Displayrahmen erscheint hochwertig und die Soundbar des Fernsehers dient nicht nur der Standfestigkeit, sondern sie sorgt auch für eine überzeugende Audiowiedergabe.

Die Hauptfernbedienung fällt schmucklos aus, zusätzlich legt TCL eine kompaktere und besser verarbeitete Zweitvariante bei. Alternativ lässt sich der Fernseher auch über ein integriertes Mikrofon fernsteuern (LEDs leuchten). An der Geräterückseite können Sie das interne Mikro deaktivieren

Sound connected beim TCL 65X10

Bei der Installation sollten Sie darauf achten, dass Soundbar und Display über ein äußerst kurzes Kabel miteinander verbunden werden. Einmal an beiden Seiten fixiert, sollten Sie es tunlichst vermeiden, zu stark an der Soundbar zu rütteln, denn im schlimmsten Fall trennt sich dabei der Stecker des Audiokabels, die Soundbar gibt keinen Ton aus und Sie dürfen den Aufbauprozess von Neuem beginnen. Dass TCL mit dem X10 nichts zu verschenken hat, erkennt man an den Anschlüssen: Statt vier HDMI-Schnittstellen bietet der 65X10 nur deren drei. Neue HDMI-2.1-Features und aktuelle Gaming-Funktionen werden vom TV nicht unterstützt. TV-Fans müssen außerdem auf Twin-Tuner und USB-Recording verzichten. Die verbaute Android-Hardware reiht sich eher im unteren Leistungsspektrum ein, weshalb die Bediengeschwindigkeit des X10 nicht restlos überzeugen kann. Kleinere Softwarefehler waren bei der Dolby-Vision-Wiedergabe zu beobachten: Die Voreinstellungen Dolby Vision hell und dunkel waren bei unserem Testmuster invertiert abgespeichert. Etwas kurios verlief unser Test der Audioformate: Dolby-­Atmos-Signale werden zwar vollständig vom TCL X10 unterstützt und über HDMI-ARC können Sie Dolby-Atmos-Signale im Dolby-Digital-Plus-Format weiterleiten, doch die Netflix-App ermöglichte noch keine Dolby-Atmos-Wiedergabe und die theoretisch vorhandene DTS-Unterstützung wollte im Test einfach nicht klappen, sodass es stets bei einer PCM-Wandlung blieb. Pluspunkte sammelt der X10 durch eine tadellose App-Unterstützung und dank ­Android-Version 9 streamen Sie von Amazon über Netflix bis Disney+ die meisten der derzeit angesagtesten Anbieter.

Metallblenden • Rahmenbreite: circa 1 cm bis Bild • Displayhöhe Unterkante (TV auf Standfuß): 7,8 – 8,2 cm • Standfußfläche: 110 × 38,5 cm • Maße Soundbar: 110 × 6,5 × 8,5 cm • Display drehbar: nein • Statusanzeige: LED (abschaltbar) ändert Farbe • Lichtsensor: nein

Messwerte beim TCL 65X10 zwischen Theorie und Praxis

Unsere Messungen unter idealen Laborbedingungen bescheinigen dem 65X10 außergewöhnliche Werte: Mit einer Spitzenhelligkeit von bis zu 1700 Nits bei natürlichen Farben und satter DCI-Kinofarb­raumabbildung erreicht dieser Fernseher ein HDR-Farbvolumen, das im 4K-TV-Segment aktuell seinesgleichen sucht. Doch Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge, weshalb wir mit Serien, Filmen und Spielen im HDR-Format die tatsächliche Bildleistung überprüfen. Auffällig ist auch hier: Trifft der TCL X10 exakt die Vorgaben der HDR-Quelle, wird eine enorme Farbleuchtstärke erzielt. Allerdings zeigt die HDR-Abstimmung noch einige Ausreißer. So werden HDR10-Inhalte in den meisten Fällen deutlich zu aufgehellt wiedergegeben und der TCL X10 sorgt für Detailverluste, selbst wenn die Leuchtstärke des HDR-Inhalts unterhalb der Maximalleistung des TVs angesiedelt ist. Besonders einfach gelingt eine korrekte HDR-Wiedergabe, wenn Sie Inhalte in HDR10+ oder Dolby Vision abspielen können: Im Gegensatz zur aufgeblähten HDR10-Wiedergabe ist das Ergebnis in Summe zwar häufig dunkler, aber im Gegenzug sind Filmszenen korrekt ausgeleuchtet und es droht kein Detailverlust in hellen Bildbereichen. Umgekehrt zeigt der X10 eine starke Unterbelichtung nahe Tiefschwarz, die sich auch durch eine Gamma-Korrektur nicht kompensieren lässt. Dabei sind es nicht nur feine Abstufungen, die im Schwarz versinken: Durch das träge LED-Dimming kann es teilweise einige Sekunden dauern, bis der X10 nach einer Auf- oder Abblende die korrekten Bildinformationen zeigt und ohne Restlicht im Raum ist ein sprunghafter Wechsel zwischen Vollschwarz und leicht aufgehellter Schwarzdarstellung erkennbar. Obwohl 768 Dimming-Zonen konkurrenzlos erscheinen, konnten wir die einzelnen Dimming-Felder bei HDR-Filmen wie „Der große Gatsby“ erkennen: Die LED-Felder wanderten leicht zeitversetzt der LCD-­Pixelansteuerung hinterher.

HDMI: 3 × (4K 60 Hz HDR) • 120 Hz: nein • 1 440p: nein • CEC: ja • ARC: 1 × (HDMI 1) • VRR: nein • ALLM: nein • USB: 2 × • Kopfhörer: ja • Netzwerk: ja (oder WLAN) • Video analog: ja • Audio: digital optisch • CI: 1 × • Tuner: DVB-S/-C/-T (Unicable)

Dies könnte auch ein Grund sein, weshalb TCL auf das Local Dimming im Spielmodus vollständig verzichtet, um den geringen Input-Lag möglich zu machen. Dadurch opfern Sie im Spielmodus aber den exzellenten Kontrast und die enorme Spitzenhelligkeit. Zwar können Sie das Local Dimming im Nachgang manuell hinzuschalten, doch sorgt dies für einen deutlichen Anstieg des Input-Lags. Kurzum: Für Gamer ist dieser TV nicht gemacht, zumal wichtige HDMI-Funktionen fehlen (kein 120 Hz, kein VRR). Die richtige Sitzposition ist beim TCL X10 ein enorm wichtiger Faktor: Nur bei optimaler Aufstellung und Ausrichtung zum Sitzplatz profitieren Sie vom guten Bildkontrast und den satten Farben. Zufrieden waren wir mit der meist schlierenfreien Bewegtbilddarstellung, auch die Zwischenbildberechnung konnte in geringer Stufe durchaus überzeugen. Die Bildausleuchtung ist aufgrund der verbauten Rekordanzahl an Mini-LEDs bis in die Randbereiche vorbildlich, doch zwischen den angesteuerten LED-Zonen können vertikale Schatten entstehen, sodass Kameraschwenks nicht so sauber wiedergegeben wurden, wie zunächst erhofft. Apropos sauber: Der Glättungsfilter des Fernsehers soll Banding-Artefakte gezielt mindern, zeichnet dabei aber den Großteil des restlichen Bildes weicher. Für schlechtes Bildmaterial sind die verbauten Rauschfilter dennoch einen Versuch wert.

Anschlüsse (seitlich) für Wandmontage ausgelegt. Keine Kunststoffblenden für Anschlussbereich, keine Kabelkanäle. Länge Stromkabel 1,85 m. Wandhalterung Maße: 30 × 30 cm. Taste für Ein- und Ausschalten an Rückseite. Zusätzlicher Schalter für internes Mikrofon

Mehr als ein Startschuss

Unser Test verlief ähnlich emotional wie eine spektakuläre Achterbahnfahrt: Einerseits kann der TCL X10 unter perfekten Bedingungen andere 4K-LED-LCDs hinter sich lassen, andererseits zeigt sich unter Praxisbedingungen, dass eine hohe LED-Anzahl allein noch kein besseres Bild garantiert. Für die versammelte TV-Konkurrenz ist es fast schon ein glücklicher Umstand, dass TCL mit dem ersten Mini-LED-LCD noch nicht alles fehlerfrei gelingt, denn sollte TCL auf Basis des X10 zukünftig die nächste Technologiestufe zünden, dann stehen etablierten High-End-TV-Marken schwere Zeiten bevor. Unter der Bezeichnung Vidrian will TCL die Mini-LED-Technik angeblich schon Ende 2020 auf die nächste Stufe heben und zugleich kündigte TCL an, neue Gaming-Features wie 120 Hz, VRR, ALLM, HGiG und sogar den THX Game Mode unterstützen zu wollen. Wer solche Ansprüche nicht stellt, dürfte schon jetzt mit dem 65X10 viel Freude haben. TCLs Mut, ein aufwändiges Mini-LED-Backlight im X10 zu integrieren, belohnen wir mit unserem Highlight-Logo.

Einstellungen für ein natürliches Bild

Hier geht es weiter zu Teil 2 des Tests mit Daten aus dem Messlabor!

Modus: Kino oder Spiel
Helligkeit :je nach Wunsch (HDR max.)
Farbsättigung: 50
Farbton: 50
Farbtemperatur: Warm
Farbraum: Auto
Kontrast: 90-100
Schwarzstufe: 50
Dynamischer Kontrast: Aus
Schwarz-Erweiterung: Aus
Dynamische Beleuchtung: Aus
Lokal dimmen: Niedrig oder Hoch
Micro Dimming: Aus oder Niedrig
Gamma: +2
Bildschärfe: 20
MPEG-NR: Aus
DNR: Aus oder Auto
Abstufung glätten: Aus oder Niedrig
LED Motion Clear: Aus
Reduzierung der Unschärfe: 10
Reduzierung des Ruckelns: Je nach Wunsch
Bildschirmmodus: 16:9
Overscan: Aus

Hier geht es weiter zu Teil 2 des Tests mit Daten aus dem Messlabor!

Bildquelle:

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9 Kommentare im Forum

  1. Wenn man das so liest, hat für mich der Fernseher im Test versagt. Vor allem, wenn jetzt schon der Nachfolger (spekulativ) angekündigt wird. Scheinbar schlechter seiltl. Betrachtungswinkel, kein abgegrenztes Schwarz, weil die Dimmingzonen nicht so funktionieren, ich denke der muß sich auch gegen OLEDs vergleichen lassen, da wird der wohl auch nicht so überzeugen.
  2. Ein Dimming Raster von 32x24 Zonen? Tja, ich weiß wie ein Sternenhimmel auf einem OLED aussieht, wie das mit so groben Klötzen an Dimmingzonen klappen soll ist mir ein Rätsel. Liebe Fernsetechnikentwickler, seit es die OLED Technik gibt, darf für mich die Anzahl der Dimmingzonen die Anzahl der Pixel NICHT unterschreiten. Ein Pixel, eine Dimmingzone. Das ist heute der Stand der Technik. Jetzt hört endlich auf das tot Pferd LCD zu reiten, egal was euch da marketingtechnisch noch einfällt.
  3. Dieses Local-Dimming sieht teilweise schlimmer aus, als würde überhaupt nicht gedimmt. Da hat man zwar kein Schwarz, aber auch keine "Höfe" um die Objekte.
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