Xbox Series X im Test: Tower of Power

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Die neue Spielkonsole Xbox Series X ist die leistungsstärkste Microsoft-Plattform aller Zeiten und fordert selbst aktuelle High-End-PCs heraus. Besonders die effektiven Design-, Kühl- und Speicherlösungen machen die Xbox Series X zum neuen Maßstab für anspruchsvolle Gamer.

Microsofts Strategie beim Konsolenbau wird mit der neuen Xbox Series X auf die Spitze getrieben: Im vergleichsweise kompakten Tower steckt genügend Rechenleistung, um es selbst mit Hochleistungs-PCs aufzunehmen, die von einem 8-Kern-­Ryzen-Prozessor und einer RTX2080-Grafikkarte angetrieben werden. Um in derartige Leistungsregionen vorzudringen, lässt sich Microsoft die Herstellung einiges kosten: Die brandneue RDNA-2.0-­Grafikeinheit der Xbox Series X verfügt über mehr Compute-Units als die Grafikeinheit der Playstation 5 (52 statt 36 aktive CUs), die Taktung der verbauten Chips ist vergleichsweise hoch, und neben einem großzügigen und schnellen Arbeitsspeicher stellt Microsoft der neuen Konsole eine interne SSD-Speicherlösung inklusive eines optimierten Speichercontrollers zur Verfügung, um Daten möglichst schnell in den GDDR6-Arbeitsspeicher schaufeln zu können.

Diese Hardwarelösung entlastet den Hauptprozessor, und zum Vergleich gab Microsoft an, dass man im PC-Bereich teure PCI-Express-Hardware benötige und die PC-CPU 13 Rechenkerne umfassen sollte (sieben Kerne für Spieleberechnungen, ein Kern für Windows, fünf Kerne für die Datenübermittlung), um es mit dem Datendurchsatz der Xbox Series X aufnehmen zu können. Dadurch löst die Xbox Series X gleich mehrere Probleme, die mit der bisherigen Xbox One X auftreten: Ladezeiten bei Spielstart werden ebenso drastisch minimiert wie Grafiknachlader in Spielen. Statt meist nur 30 Bilder pro Sekunde in Open-World-Spielen ermöglicht die Xbox Series X 60 Bilder pro Sekunde. Level-Designer können Games zukünftig auf den schnelleren Speicher zuschneiden, um Spielewelten noch interessanter zu gestalten. Das bedeutet für PC-Nutzer: leistungsstarke PCI-Express-Mainboards und teure NVME-SSD-Speicher könnten bald zwingend vorausgesetzt werden.

Der Xbox-Series-X-Controller sieht den Vorgängermodellen zum Verwechseln ähnlich. Im Detail wurden aber einige Dinge optimiert, darunter das digitale Steuerkreuz. Eingabebefehle sollen zudem noch schneller als bislang umgesetzt werden, da Microsoft den Input-Lag des Drahtloscontrollers minimiert

Speichererweiterung für Xbox Series X

Doch was ist, wenn der interne SSD-Speicher der Xbox Series X voll belegt ist? Dann könnte es teuer werden, denn eine Speichererweiterung ist nur über neue SSD-Module geplant. Hier präsentierte Microsoft kompatible Speichermedien von Seagate. Die kompakten SSD-Speicher werden über einen einzigen Erweiterungsslot an der Rückseite der Xbox Series X angedockt und bieten den gleichen Speicherumfang und die gleiche Übertragungsgeschwindigkeit wie der interne SSD-Speicher der Konsole. Ist auch solch ein Zusatzmodul voll belegt, können Sie ein weiteres erwerben und die kompakten Speicher im Handumdrehen austauschen. Neue für Xbox Series X optimierte Spiele müssen über die schnellen SSD-Speicher gestartet werden, da sonst nicht sichergestellt werden kann, dass die Spieldaten korrekt nachgeladen werden. Günstiger wird es, wenn Sie ein Spiel in Xbox-, Xbox-360- oder Standard-Xbox-One-Qualität starten, denn dann reicht aus, über die USB-Schnittstellen eine konventionelle HDD- oder SSD-Festplatte anzuschließen. Da Microsoft plant, den Spielstart im Vergleich zur aktuellen Konsolengeneration deutlich zu beschleunigen und Sie sogar zwischen mehreren aktiven Spielen blitzschnell wechseln können, dürften digitale Downloads zukünftig einen noch größeren Stellenwert einnehmen. Denn kaufen Sie Spiele auf Disc, müssen Sie bei jedem Spielwechsel die passende Scheibe zur Authentifizierung griffbereit haben, obwohl auch in diesem Fall sämtliche Daten auf der Festplatte installiert sind. Die Abwärtskompatibilität mit älteren Konsolengenerationen soll einmal mehr ein wichtiger Kaufgrund darstellen. Einige Entwickler wie CD Project Red kündigten bereits an, dass Sie beim Kauf der Standard-Xbox-Version von „Cyberpunk 2077“ das Xbox-Series-X-Qualitätsupdate nachträglich kostenlos per Download erhalten. Retro-Fans können sich dagegen über eine HDR-Simulation mit älteren Spieltiteln freuen, denn die Xbox Series X wird es ermöglichen, HDR-Grafik unabhängig vom Alter des Spiels auszugeben. Die Verschmelzung alter und neuer Konsolengenerationen und der Brückenschlag zu PCs mit Windows 10 sind einige der Triebfedern hinter der Xbox-Planung: Für Microsoft geht es nicht ausschließlich darum, einen Wettstreit im Konsolenbau zu gewinnen, sondern Technik-Plattformen wie Direct X12 Ultimate und monatliche Abo-Dienste wie den Gamepass zum neuen Standard für Entwickler und Gamer weiterzuentwickeln.

Die Xbox Series X kann senkrecht und waagerecht aufgestellt werden, das Netzteil ist integriert. Auf der Rückseite bietet die Xbox Series X einen HDMI-2.1-­Ausgang, einen Erweiterungsslot für neue SSD-Speichermedien, USB-3.2-Schnittstellen und einen Netzwerkanschluss. Der HDMI-Eingang und der optische Tonausgang früherer Xbox-One-Modelle sind dagegen nicht mehr zu finden

8K ist kein Thema für Xbox Series X

Microsofts Spielkonsole Xbox Series X setzt auf eine neue HDMI-2.1-Schnittstelle, sodass die Bildausgabe maximal im 4K-120-Hz-Format oder 8K-60-Hz-Format erfolgen kann. Auch wenn es theoretisch denkbar ist, dass alte Spiele ein 8K-Upgrade erhalten oder die Konsole die 4K-Daten einfach per 8K-Upscaling ausgibt, so spielt das Thema 8K bei der aktuellen Xbox-­Series-X-Kommunikation keine wichtige Rolle. Vielmehr wird die Xbox Series X von Microsoft für zwei Anwendungsbereiche entwickelt: eine native 4K-Bildauflösung bei 60 Bildern pro Sekunde oder eine 120-FPS-Bildausgabe bei HD-Auflösung. Um 120 Bilder pro Sekunde in Spielen tatsächlich zu erreichen, können Spieleentwickler zukünftig auf zahlreiche Berechnungstricks zurückgreifen, sodass nur die 3D-Daten berechnet werden müssen, die in Sekundenbruchteilen wirklich am Bildschirm oder Fernseher angezeigt werden. Dank Microsofts verbesserter Direct-X-12-Software können derartige Einsparmechanismen noch effektiver als bislang greifen und dank neuer RDAN-2.0-Features wie VRS (Berechnungsqualität kann für unterschiedliche Bildbereiche angepasst werden) kann die Bildrate bei nahezu gleicher wahrgenommener Bildqualität deutlich gesteigert werden.

Der größte Vorteil einer 120-Hz-Berechnung und Bildausgabe ist die deutlich verbesserte Spielbarkeit in Zusammenspiel mit kompatiblen Displays: Die Eingabeverzögerung wird drastisch reduziert. Microsoft will mit der Xbox Series X nicht nur für eine bestmögliche Bildausgabe sorgen, sondern auch für eine beschleunigte Übertragung der Tasteneingaben über den Drahtloscontroller. Vereinfacht gesagt: Xbox Series X soll nicht nur durch schönere Grafik punkten, sondern Spiele sollen sich auch deutlich besser anfühlen als mit der aktuellen Xbox-Generation. Umgekehrt kann ein neues Feature die Xbox Series X sehr schnell an die Leistungsgrenze treiben: Die Echtzeitberechnung von Licht- und Schatteneffekten (Raytracing) schluckt auch zukünftig viel Leistung. Microsofts Grafikdemo mit dem Spiel „Minecraft“ erreichte trotz HD-Qualität noch keine stabilen 60 Bilder pro Sekunde, wenn Raytracing aktiviert wurde. Doch bis zum Erscheinungstermin Ende des Jahres bleibt den Entwicklern der Spiele noch genügend Zeit, die Grenzen der Xbox Series X bestmöglich auszuloten und Spiele dementsprechend zu optimieren.

Massive Kühlkörper, ein XXL-Netzteil, ein 130-mm-Speziallüfter und ganz viel Technik auf engstem Raum: Der Xbox-Series-X-Aufbau ist clever und effizient zugleich. Verspielt: Im oberen Bereich der Konsole ist ein Kopf des Xbox-Maskottchens Master Chief aus „Halo“ eingraviert, was man aber nur erkennt, wenn man die Konsole auseinanderbaut

Apropos optimieren: Ein kleiner Stolperstein könnte der Arbeitsspeicher der Xbox Series X darstellen, denn von 16 GB RAM weisen 10 GB eine höhere Bandbreite auf, sodass die restlichen 6 GB RAM nicht im gleichen Maße genutzt werden können. Abzuwarten bleibt auch, wieviel Speicher vom Betriebssystem eingenommen wird. Doch das sind alles Dinge, mit denen sich Programmierer herumschlagen müssen, während sich Spieler wohl eher folgende Frage stellen dürften: Welchen Fernseher benötigt man, um die Xbox Series X bestmöglich auszureizen? Wichtiger denn je werden echte HDMI-2.1-Schnittstellen sein, denn verfügt Ihr neuer Fernseher über diese Technik, können Sie im Xbox-Systemmenü eine 4K-120-Hz-Ausgabe aktivieren und müssen nicht länger zwischen 4K 60 Hz und 120 Hz in HD-Auflösung hin- und herwechseln. Neben der 120-Hz-Signalannahme ist eine HDMI-VRR-Unterstützung Pflicht, um Bildfrequenzschwankungen in Echtzeit auszugleichen. 3D-Audiosignale werden von der Xbox Series X abermals im Dolby-Atmos-Format ausgegeben, doch die Xbox Series X ist hier noch besser aufgestellt als bisherige Xbox-Konsolen. Unter dem Namen Project Acoustics werkelt Microsoft bereits seit einigen Jahren daran, die Schallausbreitung in Videospielen noch realistischer zu simulieren. Die Xbox Series X bekommt für diese Zwecke einen eigenen Hardwareblock spendiert, um 3D-Audioberechnungen durchführen zu können, ohne den Hauptprozessor unnötig zu belasten. Dank des integrierten UHD-Blu-ray-Laufwerks und Dolby-Vision-Supports macht die Xbox Series X auch als Heimkinofilmplayer eine gute Figur, wenngleich in diesem Fall eine günstigere Xbox One X oder S absolut ausreichend ist.

Bestimmt nicht billig: Die Speichererweiterung der Xbox Series X erfolgt durch neue 1000-GB-Speichermodule, die für Next-Gen-Games zwingend vorausgesetzt werden. Normale Xbox-One-Games laufen hingegen auch über klassische USB-Speicher. Die neuen Speichermodule werden über den Erweiterungsslot an die interne Hardwarebrücke angekoppelt und arbeiten genauso flott wie der intern verbaute 1000-GB-NVME-SSD-Speicher

Mehr als eine Konsole

Microsoft denkt mehrgleisig, denn der Streaming-Dienst X-Cloud soll durch den Xbox-Series-X-Chip die Daten zukünftig effizienter bereitstellen können. Abonnieren Sie Microsofts Gamepass, erhalten Sie bereits zum Start der Xbox Series X Zugriff auf etliche aktuelle Spiele und können diese sowohl über alte und neue Xbox-Konsolen als auch PC abspielen.

Bildquelle:

  • xbox-series-x-controller_1: © Microsoft
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