DVB-H: Kommt das Fernsehen fürs Handy?

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Bild: © JuergenL - Fotolia.com
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München – Mit einem Mobiltelefon kann man telefonieren, SMS-Botschaften verschicken, dank UMTS auch Internet-ähnliche Dienste in Anspruch nehmen – und in Zukunft auch fernsehen.

DVB-H heißt das Zauberwort. Und dabei soll das terrestrische TV-Format vor allem noch eines: wenig Strom verbrauchen. Darin liege die Berechtigung dieser Neuerung, waren sich die Teilnehmer des von Detecon International veranstalteten Panels 7.5 auf den Medientagen München einig. Denn durch den geringen Energieverbrauch eignete sich die Technologie hervorragend für die Übertragung von bewegten Bildern auf das Handy. UMTS und DVB-H, das sei keine Entweder-oder-, sondern eine Sowohl-als-auch-Angelegenheit, sagte Cord Stukenberg, Managing Consultant und Head of Entertainment & Online bei Detecon International.
 
Im Gegensatz zu UMTS gehe es bei DVB-H nicht um individuell wählbare Inhalte, sondern um die Übertragung in eine Richtung. „Alle schauen also das Gleiche.“ Das spare Bandbreite und ermögliche die Übertragung von bis zu 30 Programmen auf das Handy. Ein Rückkanal, etwa für Zuschauerreaktionen, könnte dann über UMTS realisiert werden. Der Nutzen liegt für Cord Stukenberg auf der Hand: Zum einen wäre es möglich, etwa das Warten auf den Bus oder Zugfahrten zum Fernsehen zu nutzen. Zum anderen könnten gezielt Informationsangebote abgerufen werden, zum Beispiel Sport- oder Nachrichtenbeiträge.
 
Eine optimistische Schätzung von Detecon International geht von bis zu sechs Millionen Nutzern bis 2010 aus, wenn sich die monatlichen Kosten im einstelligen Bereich abspielen. Zwei unabhängige Umfragen seien zu einem ähnlich optimistischen Ergebnis gekommen, sagte Pascal Tilly, Leiter Marketing & Relationship Management bei dem Vodafone-Projekt Broadcast Mobile Convergence (bmco). In einer Befragung von mart research, die im September durchgeführt wurde, gaben fast 80 Prozent an, auf dem Handy fernsehen zu wollen.
 
Den Fragestellern der zweiten Studie, die bmco gemeinsam mit Goldmedia durchführte, signalisierte die Hälfte der Befragten Bereitschaft den Provider zu wechseln, um TV-Angebote über das Handy empfangen zu können. „Wir würden uns freuen, wenn das Fernsehen aufs Handy käme“, sagte Robert Fahle, Leiter der Bereiche iTV & Mobile Content bei RTL Newmedia. Entscheidend ist aber seiner Meinung nach, dass die Inhalte speziell auf das Medium Handy angepasst werden. Es sei nicht sinnvoll, wenn der Nutzer etwa den Anfang und das Ende einer Sendung verpasse, weil er zum Beispiel gerade in der Mitte der Handy-Übertragung auf den Bus warte. Denn Fernsehen auf dem Handy werde aller Voraussicht nach eine Minutensache. Dementsprechend müssten die Inhalte zum Beispiel in Form von zwei- bis dreiminütigen Clips verkürzt werden, sagte Fahle.
 
Technisch sei DVB-H auf jeden Fall machbar, betonte Dr. Bertold Heil, vom Bereich Media & Broadcast Business Strategy bei T-Systems International. Ende 2004 rechne er bereits mit einem einheitlichen technischen Standard. Bisher gibt es DVB-H nur in Form von Pilotprojekten in deutschen Großstädten. Jetzt müssten die Netzbetreiber investieren, um die Technologien voranzubringen. Ob und wann DVB-H letztendlich kommt, scheint zumindest im Moment noch unklar. Denn Unternehmen wie RTL werden sicherlich nicht in die Technologie investieren, sagte Robert Fahle. RTL wolle aber entsprechende Inhalte erarbeiten und bereitstellen, wenn die Mobilfunkprovider DVB-H starten würden. Dass das Fernsehen fürs Handy kommt, steht für Pascal Tilly außer Frage. Eine entsprechende TV-Flatrate könnte im Bereich von sechs bis acht Euro liegen, sagte er, ohne sich allerdings auf eine genaue Zahl festlegen zu wollen. Die Frage, ob und wie viel Vodafone in das DVB-H-Netz investieren würde, ließ er allerdings offen. [fp]

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