DVB-T-Ausstieg: Macht RTL doch einen Rückzieher?

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Bild: © JuergenL - Fotolia.com
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RTL könnte nach Aussage seines Bereichsleiters für Medienpolitik, Tobias Schmid, den angekündigten DVB-T-Ausstieg noch einmal überdenken. Voraussetzung wäre, dass die neue Bundesregierung die terrestrischen Frequenzen sichert. Unklar ist, ob Schmid, der auch Vorstandsvorsitzer des VPRT ist, mit seiner Aussage einen Anreiz für die Politik schaffen will oder ob sich RTL bei der vorzeitigen Ankündigung des Ausstiegs schlicht verzockt hat.

Nachdem die neue Bundesregierung nun in den Startlöchern steht, appellierte am Montag der Verband privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) an die Koalitionsparteien von Union und SPD, die Medienpolitische Agenda aus dem Koalitionsvertrag konsequent umzusetzen. Unter anderem begrüßte der Verband das Bekenntnis der Parteien, im Einvernehmen mit den Ländern, auch den Bedarf des Rundfunks bei der Vergabe von terrestrischen Frequenzen gegenüber den Mobilfunkanbietern zu berücksichtigen.

Gegenüber der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Dienstagsausgabe) konkretisierte der VPRT-Vorstandsvorsitzende Tobias Schmid, der auch Bereichsleiter für Medienpolitik bei RTL ist, den Appel. Demnach könnte die Mediengruppe RTL den für Ende 2014 geplanten Ausstieg aus dem terrestrischen Fernsehen noch einmal überdenken, sollte es der Bund-Länder-Kommission gelingen, die für DVB-T benötigten Frequenzen langfristig zu sichern. Für viele Zuschauer, die RTL über Antenne empfangen, sicherlich ein kleiner Hoffnungsschimmer.Noch kein klares Bekenntnis

Von einem klaren Bekenntnis zu DVB-T ist RTL-Mann Schmid damit dennoch weit entfernt. Immerhin war es nicht nur die unsichere Frequenzpolitik, welche die Mediengruppe RTL im Januar 2013 als Begründung für ihren geplanten DVB-T-Ausstieg ins Feld geführt hatte. Ein Hauptargument waren vielmehr die hohen Verbreitungskosten bei vergleichsweise geringer Reichweite gegenüber Satellit oder Kabel gewesen.
 
An diesen dürfte sich jedoch erst einmal wenig ändern, selbst wenn die neue Bundesregierung dafür sorgt, dass die benötigten Frequenzen den Rundfunkveranstaltern auch weiterhin zur Verfügung stehen. Wäre die Frequenzsicherheit das Hauptproblem für RTL gewesen, so hätte sich der Veranstalter zumindest bis Ende 2017 zu einer Weiterführung der terrestrischen Verbreitung entscheiden können, wie dies der Konkurrent ProSiebenSat.1 getan hat. Bei einer unsicheren Frequenzausstattung über 2017 hinaus, hat der Veranstalter theoretisch immer noch die Chance seine terrestrische Verbreitung danach einzustellen.
 
Über das dieses Datum hinaus hat sich nämlich auch ProsiebenSat.1 noch nicht verbindlich für eine Weiterführung der terrestrischen Verbreitung ausgesprochen. Dann würde die Frequenzfrage akut, vor allem weil der Umstieg auf den neuen Übertragungsstandard DVB-T2 mit zeitweiliger Simulcast-Phase in Angriff genommen werden müsste. Auch neue Geschäftsmodelle, etwa für eine terrestrische Verbreitung von HDTV-Sendern, müssten dann vermutlich her. Schließlich gibt es bei den Mediengruppen RTL und ProSiebenSat.1 HD-Sender auch auf anderen Verbreitungswegen ausschließlich verschlüsselt und gegen Aufpreis. Wäre es RTL bei der Ankündigung des DVB-T-Ausstiegs also lediglich um die Frequenzsicherheit gegangen, so hätte man die Verbreitungswege ebenfalls bis Ende 2017 verlängern können.Hat sich RTL verzockt?

Möglich ist jedoch, dass man sich bei RTL mit der frühzeitigen Ankündigung eines DVB-T-Ausstieges verzockt haben könnte. Nicht Wenige hatten darauf gesetzt, dass auch ProSiebenSat.1 mit RTL mitzieht und den eigenen Ausstieg Ende 2014 bekannt gibt. Es kam bekanntlich anders und auch sonst bleiben Dominoeffekte bisher völlig aus. Doch damit nicht genug: Im Sommer machten ARD und ZDF mit ihren Plänen zum Umstieg auf DVB-T2 klar, dass die Öffentlich-Rechtlichen auf eine Zukunft des terrestrischen Fernsehens setzen. Durch die angekündigte Einführung des effizienten Videocodecs H.265 könnten sich zudem Frequenzprobleme langfristig lösen lassen. Nachdem nun auch aus der Politik das Signal folgte, den Frequenzbedarf für den terrestrischen Rundfunk sicherzustellen, könnte die Zukunft des Antennenfernsehens sicherer sein, als es noch Anfang des Jahres den Anschein hatte.
 
Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass Tobias Schmid als Vorstandsvorsitzender des VPRT nicht nur für RTL, sondern auch für andere Privatveranstalter spricht, von denen einige durchaus ein Interesse an einer Zukunft des terrestrischen Rundfunks haben dürften. Gut möglich, dass er mit seiner Ankündigung, RTL könnte seinen DVB-T-Ausstieg noch einmal überdenken, vor allem einen Anreiz an die neue Bundesregierung schaffen möchte, sich nun intensiv für eine Sicherung der Frequenzen einzusetzen – und zwar im Sinne des privaten Rundfunks insgesamt. [ps]

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