DVB-T: RTL gibt München nur mit DVB-T2 neue Chance

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Bild: © JuergenL - Fotolia.com
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RTL hat zwar gerade erst seinen Rücktritt vom geplanten DVB-T-Ausstieg verkündet, doch Zuschauer in München schauen weiter in die Röhre. Denn eine erneute Verbreitung in dem Großraum wird für die Kölner erst dann wieder zur Option, wenn der neue Standard DVB-T2 dort verfügbar wird. Gleiches dürfte wohl auch für Halle/Leipzig und Stuttgart gelten.

Münchner DVB-T-Zuschauer werden auch weiterhin auf die Sender der Mediengruppe RTL verzichten müssen. Der Programmveranstalter hat sich zwar am Dienstag nun endlich zum terrestrischen Antennenfernsehen bekannt und den geplanten DVB-T-Ausstieg offiziell ad Acta gelegt, doch die Münchner werden davon nicht profitieren. Denn kommt ein erneutes Engagement in dem Großraum in näherer Zukunft nicht in Frage. Es wird keine neuen Aufschaltungen in DVB-T mehr geben, teilte der Sender auf Anfrage von DIGITAL FERNSEHEN mit. Damit steht auch ein Comeback der RTL-Sender in München derzeit nicht zur Debatte.

Eine gänzliche Absage erteilen die Kölner der bayerischen Hauptstadt aber nicht. Für RTL sei in Zukunft nur noch DVB-T2 interessant, wie es von Seiten des Senders hieß. Sollte der neue Übertragungsstandard in München verfügbar werden, würde auch eine erneute Verbreitung via Terrestrik für die Mediengruppe eine mögliche Option. Ob RTL die zu gegebener Zeit auch nutzen wird, sei aber noch vollkommen offen. Es ist allerdings anzunehmen, dass die Sendergruppe diesen Schritt zumindest intern in Erwägung ziehen wird.
 
Eine Entscheidung darüber, wird allerdings nicht vor 2016 fallen, also dann, wenn RTL plant mit DVB-T2 an den Start zu gehen. Am Dienstag hatte die Mediengruppe verkündet, an der terrestrischen Verbreitung festzuhalten zu wollen. Dafür wurden die entsprechende Verträge mit Media Broadcast um zwei Jahre, also bis Ende 2016, verlängert. Dann soll der Umstieg auf den Nachfolgestandard beginnen. Media Broadcast plant dabei den Aufbau einer bundesweiten Plattform im DVB-T2-Standard, über die sich dann auch HD-Sender verbreiten lassen.
 
An dieser Stelle wird das Projekt auch für die Kölner interessant, denn mit der neuen Plattform kann RTL sein Angebot besser vermarkten. Immerhin ist es das Ziel des Unternehmens, die Free-TV-Sender der Mediengruppe RTL in HDTV-Qualität verschlüsselt auch terrestrischen Fernsehhaushalten anbieten zu können, wie es in der Mitteilung hieß. Die neue Plattform würde das möglich machen. Zudem zeichnet sich für RTL mit dem Projekt nun erstmals ein tragbares kommerzielles Geschäftsmodell für digitales Antennenfernsehen ab. Ob auch München dabei zum Zug kommt, wird sich allerdings erst 2016 zeigen, wenn abzusehen ist wie die Plattform aussieht und welche Gebiete sie abdecken kann.
 
Mit dem gleichen Problem wie die Münchner werden sich auch bald die Zuschauer in Halle/Leipzig und Stuttgart auseinandersetzen müssen. RTL hat zwar die Verträge für die Regionen, in denen die Kölner aktuell noch terrestrisch verbreitet werden, verlängert, doch die beiden Standorte wurden davon ausgenommen. Grund hierfür ist die Tatsache, dass man in Halle/Leipzig und Stuttgart auf eine andere Technologie gesetzt hat und die Sender der Mediengruppe verschlüsselt über die Eutelsat-Plattform Viseo Plus verbreitet werden. Ein Versuch, der nicht zum Erfolg wurde. Die Ausstrahlung der RTL-Sender wird hier Ende 2014 eingestellt. Eine neue Chance wird die Terrestrik in den beiden Regionen dann vermutlich frühestens 2016 – also wie München – von RTL bekommen.
 
RTL hatte die DVB-T-Verbreitung seiner Free-TV-Sender in München im Juli 2013 eingestellt und damit einen ersten Schritt zum kompletten Ausstieg aus der Terrestik gemacht, den die Sendergruppe Anfang letzten Jahres angekündigt hatte Zu hohe Kosten und zu wenig Planungssicherheit führten die Kölner damals als Begründung an. Es ist davon auszugehen, dass RTL darauf spekulierte, das andere Programmveranstalter diesem Beispiel folgen werden.
 
Doch damit lag die Mediengruppe falsch: Die Konkurrenz bekannt sich zu DVB-T, ProSiebenSat.1 weitet sein Engagement sogar aus und schnappte sich die Kapazitäten, die RTL in München freigeräumt hatte, für seine eigenen Sender. Als dann auch die Bundesregierung Ende letzten Jahres signalisierte, die für DVB-T notwendigen Frequenzen über 2020 hinaus zu sichern (Stichwort Planungssicherheit) gerieten die Kölner zunehmend ins wanken, ehe sie vor wenigen Tagen nun – bildlich gesprochen – schlicht umfielen. [fm]

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34 Kommentare im Forum

  1. AW: DVB-T: RTL gibt München nur mit DVB-T2 neue Chance Das ist ja nun keine Überraschung, gibt ja auch keine Frequenzen mehr dafür, die haben sich ja ProSiebenSat.1 geschnappt, von denen RTL ausgegangen sind, dass die sich als Speichellecker bedienen und König RTL folgen werden. Die Gierlappen wollten einfach den Sack einige Jahre zu früh zumachen.
  2. AW: DVB-T: RTL gibt München nur mit DVB-T2 neue Chance Ohh, wie gnädig und barmherzig von RTL. Anderfalls sind Münchner arme Seelen, verdammt terrestrich RTLlos zu sterben.
  3. AW: DVB-T: RTL gibt München nur mit DVB-T2 neue Chance Ob die Programme nicht verfügbar oder nicht zu sehen sind - was macht das für einen Unterschied?
  4. AW: DVB-T: RTL gibt München nur mit DVB-T2 neue Chance Dann bleibt das Nievau wenigstens da wo es ist und sinkt nicht wieder in's Minus.
  5. AW: DVB-T: RTL gibt München nur mit DVB-T2 neue Chance Ach was, in einem Jahr wird für RTL K32 für den Oly (ohne Wendelstein) koordiniert. Damit schafft man es dann dem DVB-T-Empfang von ORF1 vom Gaisberg auch für die besseren DVB-T-Antennen den Garaus zu machen. Ob auf dem Störsender dann DVB-T oder DVB-T2 läuft, interessiert dann auch nicht mehr...
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