DVB-T: Wirbel um Receiverupdates

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Bild: © JuergenL - Fotolia.com
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Eine reibungslose Einführung des digitalen Antennenfernsehens in NRW und der „Region Nord“, zu der die Ballungszentren Hamburg, Bremen und Kiel gehören, sieht anders aus. DIGITAL FERNSEHEN liegen Informationen vor, nach denen die automatische Updatefunktion „OTA“ in den hinzukommenden Regionen nicht mit der Berliner Lösung kompatibel ist.

Im Klartext: Digitalboxen, die in Berlin oder in anderen deutschen Testregionen verkauft wurden oder derzeit verkauft werden, sind nur bedingt in den neuen DVB-T Regionen einsetzbar. Ein Fakt, den T-Systems nun gegenüber DIGITAL FERNSEHEN eingesteht: „Zuerst können wir Ihnen bestätigen, dass wir für einen deutschlandweiten Update-Service über DVB-T in Abstimmung mit den Herstellern von DVB-T Endgeräten ein anderes Verfahren als in Berlin verwenden werden“, so ein Sprecher des für den Updateservice verantwortlichen Unternehmens zu DIGITAL FERNSEHEN. Zum Einsatz wird ein Update-Mechanismus nach DVB-Spezifikationen nach dem „enhanced profile“ kommen und dann auch die „teilweise sehr herstellerindividuellen Lösungen“ in Berlin nach einer Übergangsphase ersetzen.

Soweit so gut. Nur kann bislang kein Hersteller das neue Verfahren unter realen Bedingungen testen, sondern muss sich auf die „Laborlösungen“ verlassen. Das jedoch die Realität meist ganz anders aussieht, als es uns theoretische Möglichkeiten und Glaubensbekenntnisse versprechen, ist nicht erst nach dem deutschen Maut-Desaster klar. „Die Möglichkeit eines Softwareupdates nach dem o.g. „enhanced profile“ Verfahren ist nach unserem Kenntnisstand in den bisher verkauften Boxen noch nicht implementiert.“, warnt so selbst die T-Systems.

Zwar betrifft die Funktion „nur“ das automatische Softwareupdate (OTA), doch gerade diese kostenlose und regelmäßige „Frischzellenkur“ für den Digitalreceiver ist eines der zentralen Kaufargumente für den Verbraucher. Vor Start des Regelbetriebes werden die Hersteller die OTA-Funktion nach dem „enhanced Profile“ definitiv nicht testen können. T-Systems hat sich nach DF-Informationen zwar in allen Regionen um eigene Übertragungskapazitäten beworben, doch steht ein Entscheid darüber erst fest, wenn analog bereits abgeschaltet wurde. „Wir haben noch keine Lösung für dieses Thema“, zieht so auch der DVB-T-Verantwortliche der T-Systems Bernd Heimermann (Bild) im Gespräch mit Digital Fernsehen ein trübes Fazit. „Es wäre ein Überraschungsmoment für die Hersteller, ob es tatsächlich funktioniert oder nicht“, meint Heimermann.

Auf dieses Glücksspiel wollen sich viele Hersteller nicht einlassen und ziehen die Notbremse: „Wir haben die Auslieferung von DVB-T Receivern an unsere Kunden bis zur Klärung der OTA-Funktion vorläufig gestoppt“, zieht Franz Simais (Bild), Geschäftsführer der Humax Digital GmbH konsequent die Lehre aus der Updatemisere. Der kurzfristige Lieferstopp für DVB-T Decoder sei „die einzig seriöse Lösung für den Zuschauer“, so Simais weiter, denn „schließlich wollen wir unseren Kunden eine perfekte Box liefern. Dazu gehört auch und vor allem eine funktionierende Update-Funktion.“ Eine praktikable Lösung für Hersteller, Fachhandel und Kunden muss nun schnell auf den Tisch, sonst erhält die terrestrische Digitalisierung den faden Beigeschmack eines notlösenden Schnellschusses. Die eleganteste Variante könnte dabei ein Updatefenster für die Decoderproduzenten innerhalb der öffentlich-rechtlichen Kanäle der ARD sein. Vorbild ist die terrestrische Digitalisierung in Großbritannien, wo die BBC Updatekapazitäten für die Hersteller zur Verfügung stellt. [fp]

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  • Empfang_DVB-T_Artikelbild: © JuergenL - Fotolia.com

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