FAQ: Das müssen Sie über DVB-T2 HD wissen

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Bild: © JuergenL - Fotolia.com
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Am heutigen Dienstag ist DVB-T2 HD in Deutschland in den Regelbetrieb übergegangen. In 18 deutschen Ballungsräumen können nun auch hochauflösende Signale empfangen werden. Was Sie über DVB-T2 HD wissen sollten, haben wir noch einmal in einem FAQ zusammengefasst.

In welchen Regionen kann ich die Pilotphase von DVB-T2 HD nutzen?
 
Im Norden wird DVB-T2 HD in einem weitläufigen Gebiet von Bremen über Hamburg bis nach Kiel sowie in den Regionen Rostock, Lübeck und Schwerin ausgestrahlt. Auch in der Mitte Deutschlands kann das Signal weitläufig um die Metropolen Berlin, Magdeburg, Hannover, Braunschweig, Leipzig, Halle und Jena schon heute genutzt werden. In Nordrhein-Westfalen wird die komplette westliche Hälfte abgedeckt. Zusätzlich sind Sender in Saarbrücken, Wiesbaden und Mainz, Frankfurt/Main, Mannheim, Baden Baden und Stuttgart in Betrieb. In Bayern können die Signale in der Region Augsburg, München sowie vom Senderstandort Wendelstein und in Nürnberg empfangen werden.

Warum kommt DVB-T2 HD?
 
Die Einführung von DVB-T2 HD in Deutschland ist wichtig, um den gewachsenen Fernsehansprüchen der Zuschauer Folge leisten zu können. Der alte, in die Jahre gekommene DVB-T-Standard erlaubte es vor allem aus wirtschaftlicher Sichtweise nicht, hochauflösende Signale zu übertragen. DVB-T2 HD schafft diese Möglichkeit. Dank des effizienteren Übertragungsverfahrens DVB-T2 gepaart mit der HEVC-Komprimierung können in einem Paket nun sogar mehr HDTV-Sender ausgestrahlt werden, als es bisher Standard-TV-Signale pro Paket waren.
 
Benötige ich neue Hardware, um DVB-T2 sehen zu können?
 
Ja, neue Empfangstechnik ist zwingend nötig, um die hochauflösenden Antennensignale genießen zu können. Doch Achtung: Es reicht in Deutschland nicht aus, nur auf das DVB-T2-Logo zu achten. Da wie gesagt der HEVC-Codec zum Einsatz kommt, muss auf das DVB-T2-HD-Logo beim Kauf neuer Receiver geachtet werden. Auch moderne Ultra-HD-Fernsehgeräte können zum Großteil über die integrierten Empfangstuner die neuen hochauflösenden Signale aus der Luft empfangen. Wer mit diesen Fernsehgeräten die Privatsender nutzen möchte, braucht allerdings noch das sogenannte Freenet-TV-CI-Plus-Modul.
 
Was kostet die Hardware?
 
Wer sich einen neuen Receiver anschaffen muss, kann zwischen verschiedenen Geräten wählen. Einstiegsgeräte mit der Möglichkeit, nur die frei empfangbaren Signale zu empfangen, sind bereits für unter 50 Euro erhältlich. Wer die Privatsender nutzen möchte, muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Je nach Ausstattung sind Geräte hierfür ab 79 Euro erhältlich. Wer auf das CI-Plus-Modul setzen möchte, bekommt dieses für rund 79 Euro im Fachhandel.
 
Welche Antenne ist für den DVB-T2-HD-Empfang nötig?
 
Eins vorweg: Während der Empfänger ausgetauscht werden muss, benötigen Sie keine neue Antenne, um DVB-T2 HD empfangen zu können. In den Ausstrahlungsregionen selbst reicht in der Regel eine Zimmerantenne, wer etwas im Randgebiet dieser Zonen wohnt, sollte auf eine Außenantenne setzen. Generell gilt, dass sogenannte aktive Antenne, das heißt Antennen, die über die Antennenleitung mit Spannung versorgt werden, bessere Ergebnisse dank des integrierten Verstärkers liefern.
 
Welche Sender sind jetzt empfangbar?
 
Aktuell werden sechs Programme in den 18 Regionen ausgestrahlt. Neben den frei empfangbaren HD-Versionen von ARD und ZDF sind dies die verschlüsselt ausgestrahlten Privatsender RTL HD, Sat.1 HD, Vox HD und ProSieben HD. Um diese nutzen zu können, ist spezielle Hardware nötig.
 
Welche Hardware benötige ich, um die Privatsender in HD zu nutzen?
 
Die Privatsender verschlüsseln ihre Signale ab der ersten Minute via DVB-T2 in Irdeto. Um diese nutzen zu können, wird ein sogenannter Freenet-TV-Receiver oder ein Freenet-TV-Module (CI-Plus-Modul) benötigt. Beide sind am grünen Freenet-TV-Logo erkennbar. Aktuell fallen allerdings noch keine monatlichen Kosten für die Nutzung der Privatsender an, diese werden erst nach dem Beginn der Ausbauphase 2, die ab 2017 passieren wird, nötig.
 
Gibt es Restriktionen via DVB-T2?
 
Ja, die bekannten Vorspulsperren und Restriktionen rund um die Aufnahme von privaten HD-Sendern sind auch bei DVB-T2 enthalten. Eine Aufnahme von RTL lässt sich so beispielsweise bei der Wiedergabe nicht vorspulen und auch eine Nachbearbeitung der Aufnahmen am PC ist nicht möglich.
 

Bleibt es bei dem begrenzten Senderangebot via DVB-T2 HD?

 
Nein, ab 2017 wird in Deutschland nach und nach auf DVB-T2 HD umgestellt, das heißt, in den Regionen, wo bisher DVB-T-Signale empfangbar sind, werden diese auf DVB-T2-HD-Pakete umgestellt, in denen dann ein Großteil der Sender hochauflösend angeboten wird.
 
Während die öffentlich-rechtlichen Angebote auch nach der Umstellung frei empfangbar bleiben, werden ab 2017 die Privatsender nur noch gegen monatliche Gebühren zu empfangen sein. Dies ist in vielen Regionen Deutschland ein gravierender Einschnitt, denn wo bisher RTL, Sat.1 und Co. uncodiert via Antenne sichtbar waren, muss dann für die gleichen Inhalte, zwar in HD-Qualität, gezahlt werden. Im Gegensatz zu den Übertragungswegen Satellit und Kabel wird es keine uncodierte SD-Verbreitung der Privatsender geben.
 
Was kosten die Privatsender?
 
Da die kommerzielle Vermarktung erst ab dem Jahr 2017 beginnen wird, steht ein endgültiger Preis für die Privatsender noch nicht fest. Branchenkenner rechnen mit einem mittleren einstelligen Monatsbetrag, wie ihn beispielsweise auch die HD-Plus-Plattform über Satellit erhebt.
 
Ich nutze bisher DVB-T mobil, geht dies auch bei DVB-T2?
 
Generell würde es natürlich funktionieren, auch auf tragbaren TV-Geräten oder am Tablet-PC DVB-T2 HD zu nutzen. Allerdings fehlt aktuell dazu noch die Hardware. An dieser wird allerdings aktuell gearbeitet, sodass es zukünftig möglich sein wird, auch DVB-T2 HD mobil zu genießen. Für die Privatsender ist aber auch hier eine monatliche Gebühr nötig. [rp]

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  • Empfang_DVB-T_Artikelbild: © JuergenL - Fotolia.com

7 Kommentare im Forum

  1. Laut Senderstandortkarte ist in Mainz kein Sender der DVB-T2 sendet. Und somit ist RLP das einzige Bundesland, das keinen Sendestandort hat, was nicht weiter verwundert. Hinkt das Land doch meilenweit in der Infrastruktur u.a. beim Breitbandausbau gegenüber anderen Bundesländern hinterher.
  2. Ein wichtiger Punkt fehlt in der FAQ: Wie lange halten die Privatsender die Sinnlos-Verschlüsselung durch? Ab wann werden in Berlin und in Hamburg - genau wie heute schon in London und in New York - die wichtigsten privaten Fernsehprogramme kostenlos und unverschlüsselt in HD-Qualität über die Antenne ausgestrahlt? Zu diesen spannenden Fragen steht leider nichts im Artikel. Deutschland ist in etwa zweigeteilt zwischen Sat und Kabel als primärem Empfangsweg für's Fernsehen. Bei den Kabelkunden haben die verschlüsselten Privatsender eine vergleichsweise gute Akzeptanz, was maßgeblich daran liegt, dass zum Beispiel Unitymedia diese angebliche Sonderleistung regelmäßig an seine Top-Internet-Kunden verschenkt oder in anderen Kombi-Angeboten verramscht. Über Satellit ist HD+ hingegen weitgehend gescheitert. Ich betrachte dazu die Kenngröße "Prozentzahl der Sat-Haushalte, die a) HD-fähiges Equipment im Haus haben und b) tatsächlich RTL HD und Sat 1 HD sehen können". Diese Kenngröße wird seit einiger Zeit kleiner, weil der Markt in Sachen HD wächst, die Gesamtzuschauerzahl von RTL HD über Satellit (Summe aus zahlenden Kunden und Kunden in der Gratisphase) hingegen nicht. Das ist simple Mathematik. Natürlich wird dieser Effekt in den Pressemeldungen von HD+ schön geredet oder vertuscht. Wer die objektiven, nüchternen Zahlen nachrechnet, kann sich der Erkenntnis nicht verweigerern: HD+ hat ein Problem. DVB-T hat als primärer Empfangsweg eine untergeordnete Bedeutung. Die Privatsender starten jetzt einen Testballon: Funktioniert der "harte" (Zwangs-) Umstieg? Oder funktioniert er nicht? In einem Wohnhaus bis zu 10 Parteien kann ich für 400 € Materialwert eine Satelliten-Gemeinschafts-Antenne in Einkabeltechnik für reines Free TV bauen: ohne Sky Deutschland, ohne HD+, ohne nc+ etc. Meine Kristallkugel sagt voraus, dass das verschlüsselte Privatfernsehen über die Antenne in der Allgemeinbevölkerung eine ähnlich schlechte Akzeptanz haben wird wie HD+. Die Privatsender müssen sich dann entscheiden, ob sie die Terrestrik gänzlich aufgeben - oder ob sie (wieder wie bisher) FTA über die Antenne senden. Ich tippe auf letzteres. Weil aber das Risiko besteht, dass die Terrestrik gänzlich abgeschaltet wird, ist es meine Interpretation der Ethik des berühmten Königsberger Philosophen Immanuel K., dass jeder echte Terrestrik-Fan ein Abonnement für die verschlüsselten DVB-T2 Programme abschließen darf. Wer sich der neuen DVB-T2 Abzocke verweigert, macht sich möglicherweise mitschuldig am Untergang der Terrestrik in Deutschland. Ich sehe das relativ entspannt: ich glaube nicht, dass sich dieses Abzocke-Modell am Markt durchsetzen wird. Die Befürworter der Abzocke hoffen, dass bundesweit ein Teil der Kabelkunden in die neue Abo-Falle beißt. Nach dem Motto: die neue DVB-T2 Abzocke ist immer noch billiger als ein Einzelnutzervertrag beim örtlichen Kabel-Monopolisten: Der bietet aber auch mehr, analoges und digitales Radio, zusätzliche SD-Fernsehprogramme, internationale Nachrichtensender, Zugang zu einem preiswerten, aber durchaus reizvollen Pay-TV-Paket (hier: Unitymedia Highlights) und in jeder Mietwohnungen mit Schüsselverbot Zugang zu den Hauptsendern von Sky Deutschland. All das bietet DVB-T nicht, und Abhilfe ist nicht in Sicht. Von daher ist die Marktlücke, welche DVB-T2 erobern will, sehr klein.
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