Leipzig Fernsehen: „DVB-T können wir uns allein nicht leisten“

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Bild: © JuergenL - Fotolia.com
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Leipzig – Der Regionalsender Leipzig Fernsehen überträgt seit 1. Mai sein Programm für drei Monate auch in DVB-T – DIGITAL FERNSEHEN fragte bei dem Sender in Sachen Finanzierung, Inhalte und Zukunftsvisionen nach, Chefredakteur Frank Viereckl gab Auskunft.

DF: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Ausstrahlung von Veranstaltungen wie Sportevents via DVB-T? Sind die Inhalte des DVB-T-Programms die gleichen wie die analog ausgesendeten?

Viereckl: Wir sind laut Lizenz verpflichtet, ein sich von Leipzig Fernsehen unterscheidendes Programm zu bieten. Viele Formate werden aber auf beiden Frequenzen gezeigt. Veranstaltungsfernsehen kann für uns aber nur bedeuten, Leipzig während der Fußball-Weltmeisterschaft darzustellen. Alles direkt mit der FIFA-WM Zusammenhängende ist mit Rechten belegt, die bereits verkauft sind. Dies tun wir überwiegend im Format „WM lokal“, was eigens für Leipzig Fernsehen digital produziert wird.
 
DF: Sie bezeichnen die DVB-T-Ausstrahlung als „zur Zeit unbezahlbar“.Könnten Sie durch Werbung diese Kosten decken und damit in absehbarer Zeit weitere DVB-T-Ausstrahlungen ermöglichen?
 
Viereckl: Die Übertragung der Sender über DVB-T erfolgt jeweils über einen Block, der aus vier bis maximal fünf Sendern bestehen kann. Ein solcher Block kostet bei T-Systems ca. 800 000 Euro im Jahr. Wir als kleiner Regionalsender werden niemals in der Lage sein, eine solche Summe allein aufzubringen, unser Jahresumsatz 2005 lag bei ca. 1,2 Millionen Euro. Die „großen“ Privaten wollen (zur Zeit noch) nicht, da es denen auch viel zu teuer ist. Außerdem müssten sich vier bis fünf Sender finden, die zusammen auf einen solchen Block wollen. Die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) ist jedoch darauf gekommen, dass das Subventionierungsverbot nicht ein sogenanntes Veranstaltungsfernsehen betrifft. Die Veranstaltung ist die Fußball-WM und diese findet auch in Leipzig statt. Deshalb hat die SLM dafür eine befristete Lizenz erteilt. Außerdem übernimmt sie die technischen Übertragungskosten in Höhe von ca. 70 000 Euro. Um diese Chance zu nutzen, haben wir um diese Lizenz beworben: Leipzig Fernsehen ist zur Zeit der einzige Sender in Leipzig, der noch analog terrestrisch verbreitet wird. Nicht nur die Zuschauer nutzen dies. Viele Kabelanbieter, so z.B. auch die Primacom, aber auch alle kleinen im Umland von Leipzig nehmen unser Signal aus der Luft. Spätestens 2010 wird die analoge Terrestrik jedoch abgeschaltet. Bis dahin muss langfristig eine Lösung gefunden sein.

DF: Wenn Sie mit diesem Angebot DVB-T-Zuschauer „anlocken“, ist dieGefahr groß, dass die Zuschauer verärgert sind, wenn sie nach drei Monaten Leipzig Fernsehen nicht mehr via DVB-T sehen können.
 
Viereckl: Wir sind uns dessen bewusst, dass diejenigen, die unser Veranstaltungsfernsehen nutzen, verärgert sein werden, wenn es wieder abgeschaltet wird. Aber vielleicht nutzt dieser Zorn, politisch etwas zu bewegen. Entweder die Telekom sieht uns als Bereicherung ihres Angebotes an und bietet uns einen bezahlbaren Preis oder wir finden bis dahin einen anderen Weg der Verbreitung. Wir sind bereit, für die DVB-T-Verbreitung dieselbe Summe wie für die analoge Verbreitung aufzubringen. Wir wollen somit die drei Monate nutzen, uns dafür ins Gespräch zu bringen.
 
 
Im Übrigen lief der Start von DVB-T für Leipzig Fernsehen am 1. Mai nicht so glatt wie geplant. Ein Mitarbeiter der Telekom hatte den Zeitpunkt offensichtlich verschlafen. Erst nach Rücksprache von Leipzig Fernsehen wurde bemerkt, dass bei T-Systems ein Rechner abgestürzt war, so dass erst 20 Minuten verspätet ausgestrahlt wurde. Leipzig Fernsehen Digital sendet im Großraum Leipzig via DVB-T auf dem Kanal 26 (Frequenz 514 Megaherz). [mg]

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  • Empfang_DVB-T_Artikelbild: © JuergenL - Fotolia.com

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