MABB-Chef: „DVB-T steht vor großen Herausforderungen“

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Bild: © JuergenL - Fotolia.com
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Mit dem RTL-Ausstieg aus der DVB-T-Verbreitung steht die Terrestrik am Scheideweg. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) sieht den Verbreitungsweg durch den Schritt von RTL bedroht. Für ein Fortbestehen müsse in den nächsten Jahren der Umstieg auf DVB-T2 gelingen, so MABB-Direktor Hans Hege im Interview.

Ist der Ausstieg von RTL im Großraum München der Anfang vom Ende von DVB-T?
 
Hans Hege: Natürlich stellt sich die Frage, welche Zukunft dieser Verbreitungsweg hat. RTL will bis Ende 2014 ganz aussteigen, ProSiebenSat.1 hat verlängert, die Öffentlich-Rechtlichen wollen weiter senden. Es wird sicher eine Rolle spielen, wie die Zuschauer in München jetzt reagieren, wenn ihnen ein Sender fehlt.
 
Hat sich DVB-T angesichts von Internet-Breitband nicht erledigt?
 
Hege: Breitband war zur Zeit der DVB-T-Einführung nicht so stark verbreitet wie heute. Aber Internet kann bisher kein vollwertiger Ersatz sein, vor allem dann nicht, wenn wie geplant eine Volumenbegrenzung eingeführt wird. Wer zwei Stunden täglich fernsieht, verbraucht eine enorme Datenmenge, das wäre dann entsprechend teuer. DVB-T ist ein sehr günstiger Weg, eine Mindestzahl von Programmen zu empfangen, vor allem in Ballungsräumen, wo Satelliten-Empfang oft nicht möglich ist – und ohne den Zwang, ein Abo für Kabel oder IPTV abschließen zu müssen.

RTL sagt, DVB-T sei für die Sender teuer…
 
Hege: RTL hat insofern Recht, als dass die Kosten, einen Zuschauer über DVB-T zu erreichen, höher sind als über Satellit oder Kabel. Also stellt sich die Frage: Hält man diesen Weg aufrecht, wenn man die Zuschauer auch auf andere Weise erreichen kann? In Brandenburg, wo in manchen Regionen nur die Öffentlich-Rechtlichen über Antenne zu empfangen sind, müssten sich ARD und ZDF fragen, ob sie daran festhalten wollen, zumal dort der Satelliten-Empfang kein Problem ist.
 
Die Bundesnetzagentur beansprucht einen Teil der DVB-T-Frequenzen für die mobile Nutzung. Ist das eine Gefahr für das System?
 
Hege: DVB-T steht vor der Herausforderung, sich mit dem neuen Standard DVB-T2 zu modernisieren. Damit wäre auch der Empfang von HD-Fernsehen möglich. Allerdings gibt es die Geräte dafür noch nicht und die Sender wollen sich für HD bezahlen lassen. Der Umstieg kann nur klappen, wenn die Privaten mitmachen und eine verbraucherfreundliche Lösung angeboten wird. Gelingt das nicht in zwei, drei Jahren, wird das Antennen-Fernsehen auslaufen. Das rechtfertigt es aber nicht, schon jetzt Frequenzen umzuwidmen.
 
Vielen Dank für das Gespräch.[dpa/hjv]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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16 Kommentare im Forum

  1. AW: MABB-Chef: "DVB-T steht vor großen Herausforderungen" Die Bedrohung kommt nicht von RTL! Die Bedrohung kommt von der Bundesnetzagentur.
  2. AW: MABB-Chef: "DVB-T steht vor großen Herausforderungen" Aber Internet kann bisher kein vollwertiger Ersatz sein, vor allem dann nicht, wenn wie geplant eine Volumenbegrenzung eingeführt wird. Wer zwei Stunden täglich fernsieht, verbraucht eine enorme Datenmenge, das wäre dann entsprechend teuer. Ich dachte Fernsehen über z.b. Entertain wird nicht auf Volumen angerechnet?
  3. AW: MABB-Chef: "DVB-T steht vor großen Herausforderungen" Die "Bedrohung" kommt von beiden Seiten. Wenn die finanziellen Bedingungen besser wären, wären die Privaten bundesweit über DVB-T dabei und die Zahl der Zuschauer wäre sehr hoch zu Lasten des Kabels. Zumindest, wenn bundesweit 25-30 Kanäle verfügbar wären.
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