Analog oder analog, das ist hier die Frage – ein Kommentar

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Bild: © soupstock - Fotolia.com
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Der Streit um die analoge Verbreitung des NDR Fernsehens in Nordrhein-Westfalen zeigt, welche Bedeutung das analoge Kabelfernsehen nach wie vor für Sender und Netzbetreiber hat. Auch viele Zuschauer scheinen kein Interesse an einem allzu schnellen Umstieg auf digitalen Empfang zu haben, obwohl dieser mittelfristig so oder so kommen wird. Zeit für den Gesetzgeber, die Weichen zu Stellen.

Digitales Fernsehen? Zukunftsmusik. In Nordrhein-Westfalen streiten sich der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und die Landesanstalt für Medien (LfM) derzeit heftig um einen analogen Kanalplatz im Kabel.
 
Der Hintergrund: Die Medienanstalt hatte dem öffentlich-rechtlichen Sender in ihrer achten Kabelbelegungsentscheidung keinen analogen Sendeplatz mehr in den Kabelnetzen angedacht. In der Folge hatte der Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW das NDR Fernsehen im September aus dem analogen Kabel geworfen und dort gegen ProSieben Maxx ersetzt – sehr zum Unwillen des NDR. Dieser klagte gegen die Entscheidung der LfM und bekam zumindest teilweise Recht (DF berichtete). Da die LfM jedoch bereits Berufung angekündigt hat, steht nun ein längerer Rechtsstreit bevor.

Der Fall zeigt, welche Bedeutung das analoge Kabelfernsehen in Deutschland noch immer hat. Laut dem Digitalisierungsbericht 2013 der Landesmedienanstalten empfangen immer noch 44,1 Prozent aller Kabelhaushalte ihr TV-Signal analog. Sowohl für die Sender als auch für die Kabelnetzbetreiber ist diese Anzahl nicht zu vernachlässigen. Dies zeigt sich auch daran, dass Unitymedia Kabel BW den analogen Kanal, der durch den Rauswurf des NDR frei wurde, nicht etwa „digitalisierte“, sondern einen weiteren analogen Sender – in diesem Falle den genannten ProSieben Maxx – dort einspeiste. „Analog oder analog?“ lautet also die Frage. Der Hauptgrund dürften dabei wirtschaftliche Interessen sein.
 
ProSiebenSat.1 hat ein großes Interesse, seinen neuen Sendern möglichst vielen Zuschauern zugänglich zu machen, um eine breite Zielgruppe zu erreichen. Unitymedia Kabel BW möchte seine Kabelkapazitäten hingegen möglichst gewinnbringend an die Sender vermarkten. Die wirtschaftliche Logik dahinter, lieber einen analogen Kanal für einen zahlungskräftigen Medienkonzern bereitzustellen, als digitale Kanäle an kleinere, möglicherweise weit weniger zahlungskräftige Veranstalter zu vermieten, dürfte klar sein. Auch die dünnhäutige Reaktion des NDR auf die analoge Abschaltung seines Fernsehsenders in NRW beweist, dass die analogen Kabelhaushalte für die Sender noch immer ein attraktives Publikum darstellen.
 
Sendern und Kabelnetzbetreibern kann man hier kaum einen Vorwurf machen, denn diese richten sich vor allem nach dem derzeitigen Markt. Dass dieser nach wie vor so groß ist, liegt vor allem am Gesetzgeber, der dem analogen Kabelfernsehen nach wie vor einen großen Platz einräumt. Dabei ist jedoch klar, dass eine Analogabschaltung auch im Kabel nur eine Frage der Zeit sein wird und nicht ewig aufgeschoben werden kann.
 
Wie es anders geht, zeigt sich gerade in der Schweiz. Dort wurden vom Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation  bereits im Mai diesen Jahres die Must-Carry-Regelungen für das analoge Kabel mit Wirkung ab dem 1. Januar 2015 außer Kraft gesetzt. In der Folge setzen nun auch die Kabelnetzbetreiber viel daran, den Digitalumstieg ihrer Kunden so schnell wie möglich anzukurbeln und in den kommenden beiden Jahren weitgehend abzuschließen.
 
Die Vorteile des digitalen Fernsehens liegen dabei klar auf der Hand. Die Kapazitäten, die benötigt werden, um einen analogen Sender zu verbreiten, reichen für zehn digitale SD-Sender gleicher Qualität – oder für vier HD-Sender. Höchste Zeit also, dass auch in Deutschland zumindest ein Zeitplan für den Digital-Umstieg im Kabel vorgelegt wird.  [Patrick Schulze]

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76 Kommentare im Forum

  1. AW: Analog oder analog, das ist hier die Frage - ein Kommentar Hiesigen Landsleuten muss/müsste man in der Tat, das analoge Signal ausknipsen. Sonst emfangen manche noch in 20 oder 30 Jahren analog. Und das will ich gar nicht mal am Alter der Zuschauer nur festmachen. Seit nun bei fast allen KNB die Privaten in SD frei und unverschlüsselt empfangbar sind, kann analog weg.
  2. AW: Analog oder analog, das ist hier die Frage - ein Kommentar Gut, ich muss mich etwas revidieren...... Es geht das Gerücht rum, dass bei Kabel D das reanalogisierte Signal der ö.r. Sender besser aussieht, als das SD Signal. Da letzt genanntes bekanntlich neu encodet wird, auf "Plattform-Standard".
  3. AW: Analog oder analog, das ist hier die Frage - ein Kommentar Wenn ich das richtig verstehe, ist der "Standard" ein schlechtes (oder schlechteres) Bild? Das ist ja koestlich. Klasse Verkaufsargument, muss man ihnen lassen
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