HL-Komm-Mitarbeiter wollen eigenes Unternehmen kaufen

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Bild: © soupstock - Fotolia.com
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Am Montag ist die Bewerbungsfrist für die Teilprivatisierung des Leipziger Telekommunikationsanbieters HL Komm abgelaufen. Unter anderem hat sich eine Gruppe von Mitarbeitern zusammengeschlossen um 49,9 Prozent der Anteile zu erwerben.

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Wie die „Leipziger Volkszeitung“ am Dienstag berichtete, befinde sich unter den verschiedenen Interessenten auch eine Gruppe von Mitarbeitern, die gemeinsam mit regionalen Unternehmern einen zweistelligen Millionen-Betrag stemmen will. Die Zeitung schrieb unter Berufung auf Firmenkreise, dass die sogenannte „Leipziger Lösung“ von vier leitende Angestellte vorangetrieben werde, die seit einigen Jahren für HL Komm tätig sind.
 
Bestandteil des Ende der vergangenen Woche schriftlich eingereichten Übernahmekonzeptsseien unter anderem die Schaffung weiterer Arbeitsplätze, der Ausbau der Geschäftsbereiche und eine profitablere Gestaltung des operativen Betriebs. Außerdem sei die Gruppe in der Lage, künftige Investitionen in den Ausbau des Unternehmens mitzutragen. Ferner will der Mitarbeiterverbund im Falle eines Zuschlags externe Aufträge weiterhin bevorzugtan Unternehmen aus der Region vergeben.
 
Neben der Unterstützung von Leipziger Unternehmern soll der Kauf der Minderheitsbeteiligung mit Bankkrediten finanziert werden, was gleichzeitig ein persönliches wirtschaftlichesRisiko für die Mitarbeiter darstellt. Dies verdeutliche jedoch, wie ernst es ihnen mit ihrem Angebot sei, hieß es.

Bis zum gestrigen  Montag, 10 Uhr, konnten Interessenten ihre Unterlagen einreichen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bewerte nun die verschiedenen Bewerber auf die Einhaltung aller Kriterien des Bieterverfahrens. Im Falle einer positiven Prüfung ergehe die Aufforderung, ein offizielles Kaufangebot abzugeben, so das Blatt weiter. Die endgültige Entscheidung liege dann beim Stadtrat.
 
Zu den Kriterien, die die Bewerber erfüllen müssen, gehört nach Angaben der Stadt und der HL-Komm-Mutter Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV) neben dem „angemessenen Kaufpreis“ ebenfalls ein „belastbares und nachhaltiges strategisches Entwicklungskonzept“ für das Unternehmen. Das Angebot der Mitarbeiter-Gruppe, die vorerst anonym bleiben wolle, erfülle diese Vorgaben, verlautete aus dem Umfeld des Bewerbers.
 
Während sich die Stadt Leipzig und die LVV nach Angaben der Zeitung nicht zum Kaufinteresse äußern wollten, begrüßte der Unternehmerverband Sachsen die Initiative der Mitarbeiter. „Ich finde es gut, wenn Leute aus den eigenen Reihen versuchen, eine Firma in der Stadt zu halten“, sagte Hartmut Bunsen, Präsident des Verbandes, gegenüber der LVZ. Sollte ein Konzern die Anteile kaufen, bestehe immer die Möglichkeit einer Übernahme der Firma. Damit sei eine ungewisse Zukunft für die Arbeitsplätze verbunden, so Bunsen.
 
Die Stadträte hatten im Februar die 49,9 Prozent des städtischen Unternehmens für den Kauf durch einen privaten Investor ausgeschrieben. Damit sollen Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe in die Stadtkasse fließen, mit denen unter anderem ein Teil der Schulden der LVV beglichen werden soll. Während Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) als Befürworter für den Verkauf gilt, hatte sich der Betriebsrat gegen einen Verkauf ausgesprochen. Die HL Komm habe in den vergangenen zehn Jahren 36 Millionen Euro an die öffentlichen Haushalte übertragen, nun möchte man sich nicht „verscherbeln lassen“.
 
Die Mitarbeiter bezweifeln, dass sich ein neuer Investor an den notwendigen Investitionen von 100 Millionen Euro in das Breitbandkabelnetz der HL Komm beteiligen wird. Man befürchtet sogar, dass 70 Prozent der rund 110 Mitarbeiter entlassen werden könnten (DIGITAL FERNSEHEN berichtete). 2010 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 36 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern von 3,5 Millionen Euro erwirtschaftet.
 
Unter dem Dach der HL Komm startete Ende 2009 der Netzbetreiber „An!“, der seine Signale via Glasfasernetz direkt in die Häuser der Kunden liefert. Erst im Keller der Häuser werden die Signale auf herkömmliche Koaxialkabel umgesetzt und in die Wohnungen geliefert. Dadurch können bedeutend mehr TV-Sender digital sowie analog übertragen werden. Die HL Komm selbst sieht sich als einen der führenden Telekommunikationsanbieter in Mitteldeutschland mit einem eigenen hochverfügbaren Glasfaser- und Telekommunikationsnetz. [js]

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