Kohl: Vectoring ist „Bedrohung“ für Deutschland

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Bild: © soupstock - Fotolia.com
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Die Deutsche Telekom will flächendeckend mit Vectoring für schnelles Internet sorgen. Helmut Kohl, Präsident des Verbands Telecom e.V., hält die Entscheidung für die Technologie für eine „Bedrohung für den Wirtschaftsstandort Deutschland“.

Den höheren Bedarf der Bevölkerung nach schnellem Internet will die Deutsche Telekom mit der flächendeckenden Einführung von Vectoring begegnen. Doch nach Einschätzung von Helmut Kohl, Präsident des Verbands Telecom e.V., kommt das Unternehmen damit zu spät, die Technik sei inzwischen veraltet. Gegenüber der DF-Schwesterpublikation DIGITAL INSIDER erklärte der Experte zudem, dass die Telekom mit dieser Entscheidung einen wirtschaftlichen Schaden für Deutschland verursacht.
 
Weder Vecotoring noch die noch nicht eingeführte Nachfolgetechnologie Supervectoring können den Breitbandbedarf der Bevölkerung decken, so Kohl. Durch die Fokussierung auf diese Technologie könne der notwendige Glasfaserausbau erst viel zu spät angegangen werden. „Dies ist eine Bedrohung für den freien Willen der Bevölkerung, die bedarfsgerechte Bandbreiten will, für das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und für den Wirtschaftsstandort Deutschland, insbesondere im internationalen Vergleich“, so die Einschätzung des Experten. „Wir werden vom Platz 17 in der EU auf den letzten Platz abfallen.“

Kohl fordert von der Deutschen Telekom, sich ihrer Verantwortung zu stellen: „Die Telekom muss endlich ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung gerecht werden und mit Hochdruck FTTH ausbauen, wo dies noch nicht geschehen ist.“
 
Die finanziellen Mittel dazu hat ihr die Bundesnetzagentur in den letzten 17 Jahren zur Verfügung gestellt, für jede Teilnehmeranschlussleitung hat sie ein reguliertes Entgelt von 10 Euro im Monat erhalten, sodass sich für diesen Zeitraum eine Summe von insgesamt 4 Milliarden Euro jährlich ergibt, die sie hätte in den Glasfaserausbau investieren können, wie der Experte der DF-Schwesterpublikation DIGITAL INSIDER gegenüber erläutert. „Leider hat die Telekom das Geld im Rahmen ihrer unternehmerischen Freiheit lieber in Ineffizienzen, Flops in den USA und sonst wo verprasst, als es volkswohlbringend zu reinvestieren“, so Kohl weiter.
 
Das komplette Interview mit Helmut Kohl lesen Abonnenten in derwerktäglichen Business-to-Business-Publikation DIGITAL INSIDER, die esim Abo unter Heftkaufen.de und per Mobile-App für iOS und Android gibt. [kw]

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23 Kommentare im Forum

  1. wenn die Telekom das verprasst hat, wie er sagt, wieso schreitet die BNetzA dann nicht auch ein? Und möglicherweise ist für die Leute aufm Land Vectoring immer noch besser als gar nichts. ich hab da erstmal nen neutralen Standpunkt, aber irgendwie passt immer etwas nicht, wenn es um den Ausbau voN Infrastrukturen geht. Immer fehlt Geld und immer kommt nicht das dabei raus, das die Mehrheit meint, was rauszukommen hat.
  2. AW: Kohl: Vectoring ist "Bedrohung" für Deutschland Für Leute auf dem Land ist Vectoring immer noch besser als nichts. Ich kann aus Erfahrung sprechen.
  3. völlig richtig. Ich wäre froh wenn hier wenigstens 16k verfügbar wäre. Leider Fehlanzeige nur 384 IP, kein Hybrid und kein C & S Funk. Zum Glück hab ich vor 2 Jahren noch einen 2K RAM Anschluß erkämpft, aber wie lang der noch bleibt bei den Plänen der Telekom? Im Gemeindegebiet wird seid 2008 analysiert, geplant, gestritten und verworfen und dann wieder alles auf Anfang. Voran geht nichts, und Ausbau der T in Eigenregie daran glaubt hier keiner.
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