Bricht die Digitalisierung den Privat-Radios den Hals?

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Bild: © jakkapan - Fotolia.com
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Die Goldmedia-Studie zur Zukunft des privaten Hörfunks in Baden-Württemberg zeigt, welchen Herausforderungen sich die privaten Rundfunksender und die LFK stellen müssen.

Die Digitalisierung des Radios in Form von DAB Plus, Internetradio und mobiles Streaming schafft für die Hörfunkveranstalter unklare Perspektiven und zunehmendem Wettbewerbsdruck. So wird Werbung immer mehr ins Internet verlagert und macht es Privat-Radios immer schwerer, langfristig zu kalkulieren. 

Deshalb müssen mittelfristig Lizenzierungsmodelle, Zuschnitte der Sendegebebiete und Förderung des privaten Radios in Baden-Württemberg an die digitale Zukunft angepasst werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Ausgestaltung der lokalen Hörfunklandschaft in Baden-Württemberg 2025“ der Landesanstalt für Kommunikation (LFK). Sie wurde von der Unternehmens- und Forschungsgruppe Goldmedia erstellt wurde.
 
DAB Plus stärken und Internetradio beachten
 
Soll DAB Plus gestärkt werden, bedarf es laut Studie, einer intensiven Förderung und Lizenzierungsmodelle, die mehr Kooperationen zwischen den Hörfunk-Sendern erlauben. 
 
Außerdem sagt Prof. Klaus Goldhammer, Geschäftsführer von Goldmedia, wird sich „der Marktanteil von gestreamtem Internetradio auf bis zu 30 Prozent bis 2025 erhöhen. Hier kann sich die LFK positionieren und die Radio-Anbieter im Wettbewerb unterstützen.“
 
„Aufgrund der rasanten technischen Entwicklung können wir alle nicht die Hände in den Schoß legen, wenn es um die Zukunft des privaten Hörfunks und damit um eine Säule des dualen Rundfunksystems in Deutschland geht. Wir sehen die Studie mit ihrer wirtschaftlichen Betrachtung als Auftakt eines gemeinsamen Strategie- und Denkprozesses, den wir als LFK gerne anstoßen, weiter vorantreiben wollen und wo wir am Ende Richtungsentscheidungen treffen müssen“, kommentiert LFK-Präsident Dr. Wolfgang Kreißig die Ergebnisse.
 
Immer mehr DAB+-Radios
 
Auch wenn sich DAB+ in Baden-Württemberg positiv entwickelt hat und die Verkäufe hohe Wachstumsraten aufweisen, ist die Durchsetzung dieses digitalen Übertragungsweges laut Studie auch stark von der Förderpolitik abhängig. Bis 2025 könnten, je nach Förderszenario, rund 42 Prozent aller Haushalte im Südwesten mindestens einen DAB+-Empfänger haben.
 
Um diese Durchdringung zu erreichen, müssten vor allem die Simulcast-Kosten von UKW und DAB+ für eine Übergangszeit noch stärker gefördert werden. Ansonsten, so zeigen die Analysen, drohe eine kostenintensive Doppelversorgung mit unklaren Marktperspektiven.
 
Streaming und 5G verändern Radio
 
Kernergebnis der Goldmedia-Analysen: „Streaming wird weiter zunehmen und das Smartphone ist ‚Endgerätesieger‘. Bis 2025 werden so gut wie alle werberelevanten Haushalte über mindestens ein Smartphone verfügen“. Dazu kommen höhere Kapazitäten im Mobilfunkbereich und mit 5G neue Technologien, die zukünftig eine kostengünstige Broadcast-Radio-Verbreitung und gleichzeitig auch personalisierte Angebote ermöglichen.
 
„Baden-Württemberg verfügt auch im Bundesvergleich über eine ausgesprochen vielfältige Radiolandschaft mit starken Unternehmen, die es zu erhalten gilt“, betont LFK-Präsident Wolfgang Kreißig. 
 
„Wir müssen nun gemeinsam mit allen Beteiligten an einem passenden Regulierungsrahmen für die digitale Zukunft arbeiten. Gleichzeitig gilt es die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um mit neuen Allianzen und Kooperationen die technische Teilhabe an Alexa, Siri und Co. und die Auffindbarkeit in der digitalen Welt zu gestalten“.
 
Studie „Ausgestaltung der lokalen Hörfunklandschaft in Baden-Württemberg 2025“
 
Ende 2016 beauftragte die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) die Goldmedia GmbH Strategy Consulting mit der Erstellung eines Evaluationsgutachtens zum Wandel der Hörfunklandschaft Baden-Württemberg bis 2025. Die Studie enthält Marktprognosen und Szenarioanalysen, mögliche strukturelle Konstellationen der Hörfunklandschaft 2025 und Einflussfaktoren der digitalen Transformation für den BW-Hörfunk.
 
Die gesamte Studie ist hier abrufbar: www.lfk.de/zukunft-des-radios 

[tk]

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13 Kommentare im Forum

  1. Aha, aha, aha: Mehr Kooperationsmöglichkeiten und intensive Förderung. Ich lese daraus: Noch mehr Mantellieferungen, noch mehr Programme aus der Format-Zentrale, noch mehr billige, austauschbare Dudelei, aber dafür ordentlich Fördergelder einsacken. Ist doch eine Gemeinheit, wie Internetradio und Streaming-Dienste den armen Privatradios zusetzen. Und dann ist da auch noch der böse ÖR. Die nehmen ebenfalls Hörer, Frequenzen oder sonst was weg und dudeln mit ähnlichen Formaten. Bei dem Artikel wurde übrigens vergessen, ein Spendenkonto anzugeben.
  2. Die reden uns die "besten Hits aller Zeiten" ein, "die größten Oldies", sind "die schnellsten Verkehrsmelder" etc. Ist doch für die eine Kleinigkeit, auch einen Hals zu erfinden. Und es ist egal, was die sich brechen könnten, Hauptsache Fördergelder zur Verhinderung fließen. Übrigens: Wenn ich hier auf Privatradio stelle, diese deutsche Quäcker-Stimme mit doofen Sprüchen und falschem Lachen höre, dann fallen mir noch andere Körperstellen ein... Zack, läuft wieder Internetradio. BBC 6 Music. Fein!
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